Antik, Antike, Antiken (vom lat. antiquus, alt). Wie man unter den Alten gewöhnlich nur die Griechen und Römer versteht, 10 bezeichnet man mit antik das Griechische und 51 besonders aber die griech. und röm. Kunst. Insofern nun die Plastik die hervorragendste Gattung der alten Kunst ist, begreift dann der Sprachgebrauch unter dem Namen der Antike speziell ein altes plastisches Bildwerk; eine Sammlung alter Statuen heißt daher Antikenkabinett. Was die alte Kunst, namentlich der Griechen, so durchaus einzig und so unerreichbar groß macht, das ist ihre Frische und Ursprünglichkeit und ihre naive Notwendigkeit in allen Formen und Motiven. Ihre Werke wirken, weil aus der Fülle der Natur herausgeschaffen, wie ideale Naturwerke. Daher spiegeln sich auch alle Züge des griech. Geistes so hell in ihnen wieder. Die Griechen kennen noch nicht die freie Selbstbestimmung des Individuums im modernen Sinne. Nur das Ganze, das anihe meine gilt: diesem hat sich der Einzelne unbedingt unterzuordnen. In der Religion spricht — diese Macht des Allgemeinen aus als Schicksal, im Leben als Staatsidee; in der Kunst erscheint sie als edle Einfalt und stille Größe, als Idealität, die mit dem sinnigsten Naturverständnis nur die bedeutsam charakteristischen Züge hervor211. alles bloß Subjektive und Zufällige aber von ich ausschließt. Deshalb ist die griech. Kunst so durchaus Zalt d. h. eine einmal vollendet darbdieh Gestalt bleibt in ihren Grundzügen Vorild für alle nachfolgenden Künstler; keiner wagt an ihr zu mäkeln und zu ändern, bis andere Götterideen auch andere Götterideale erfordern. Man kann daher an der Geschichte der griech. Kunst sehr klar den Gang der griech. Entwickelung überhaupt erkennen. Die Kunst in allen ihren Zweigen zeigt ganz. d wie die griech. Entwickelung überhaupt, eine stett e fortschreitende mischencl des Individuellen, bis sie 1 ganz in den realistischen Charakter der Römer mündet. Die Kunst ist in der ältesten Zeit starr, unbeweglich, mehr Götzen⸗ als Gottesbild; erst die lyrische Periode bringt diesen Gestalten Leben und Bewegung; aber die Physiognomie ist noch, wie vor allem die Iendin Giebelstatuen beweisen, starr und unlebendig. Die Vollendung kommt mit dem Drama. Zuerst gewaltsam leidenschaftliche, titanische Gestalten, wie z. B. die herkulanische Promachos, der titanischen Schroffheit des Aschylus entsprechend, oder, wo die Kunst bereits zu größerer Ruhe einlenkt, Streben nach Hoheit, das aber noch nicht zu voller Freiheit der Körper⸗ und Gewandformen durchdringt. Dann die große 5 des Phidias, Polyklet und Polygnot, deren Gestalten, ganz wie die Poesie des Sophokles, sich in den Formen der höchsten und reinsten Menschlichkeit bewegen. Hier ist die höchste Idealität, aber nicht mehr als ermenschlich, als herb abweisend, sondern als voller angeborener Adel der Menschengestalt, als schlichte Großheit, als vollendet schö. nes Ebenmaß. Und — 1 vollendetste Formenschönheit klingt selbst noch in der Zeit nach dem Zen berene en Kriege nach, obgleich in dieser Zeit bereits durch die Einwirkung der Sophisten der Glaube an die Götter zu wanken beginnt. Neben Wielesr; und Aristophanes stehen Skopas und 01 d6 es: höchste Meister der Kunst, aber in der Wahl der Stoffe und in der Auffassung bereits genrebildlicher, in der Formengebung individualistischer und raffinierter. In der Zeit Alexanders, in der realistischen Auffassungsweise des Lysippos und Apelles, ist das Emporkommen des Porträts und des Genre begründet. Unter den Diadochen wird diese Richtung, mit scharf ausgesprochenem Haschen nach dem Effekt des 1· tein schä und Naturalistischen weiter fortgeführt; kein schärferer Gegensatz als der Gegensatz der Parthenonsgiebelgruppe und der jetzt in Berlin befindlichen Pergamenischen Bildwerke. Von hier geht dann das Realtien n in die Hände der Römer über, die Rea —³— der alten Welt. Wie daher ihre Philosophie Popularphilosophie, ihre Poesie, wo sie national, Satire wird, so ist auch ihre Kunst, insoweit sie nicht Nachbildung der alten griech. Ideale und Typen ist, überwiegend porträthaft. Doch ibt auch die röm. Kunst den Grundzug stiller roßheit und Ruhe nirgends auf und behauptet ueht, so weit sie auch hinter der griech. Kunst zurücksteht, nicht bloß gegen die ersten Zeiten des Mittelalters, sondern auch gegen die Entartungen des ital. und franz. Korfheu es 17. und 18. Jahrh. die entschiedenste stilistische Uüberlegenheit. (S. die Artikel Altertum, Mittelalter und Modern; vgl. auch die Tafeln: Bildnerei I. II. III.)