Antimön oder Spießglanz (Regulus Antimonii, Stibium; chem. Zeichen Sb; Atomgewicht 122), ein in der Natur spärlich verbreitetes Element, welches in seinen Eigenschaften dem Arsen am nächsten kommt. Zu seiner Darstellung dient hauptsächlich das Erz Grauspießglanz, aus dem durch Aussaigern und — von Gangart Antimonium crudum, rohes Schwefelantimon, zunächst gewonnen wird. Um dieses in metallisches A. zu verwandeln, sind zwei verschiedene Methoden in Gebrauch: 1) Zerlegung durch kombinierten Orydations-⸗ und Reduktionsprozeß. Das Schwefelantimon wird auf der Sohle eines Flammofens unter beständigem Umkrählen und reichlichem Luftzutritt anhaltend gelinde erhitzt, wobei Schmelzung auf das sorgfältigste zu vermeiden ist. Das Schwefelantimon wird dabei oxydiert, es entweicht schweflige Säure, und es verbleibt ein Gemenge von Antimonoxyd und Antimonsäure. War während des Röstens die Temperatur zu hoch gesteigert, so verbindet sich das umo Antimonoxyd mit unzersetztem Schwefelantimon zu leicht schmelzbarem Spießglanzglas, Vitrum Antimonii, einer beim Erkalten innen krystallinisch, außen Rösten nicht zu entschwefeln ist. Die abgeröstete Masse wird mit Kohlenpulver, dem etwas Soda zugesetzt ist, gemischt und im Tiegel eine Stunde au Metas 2 otglut ausgesetzt, wobei die Oxyde zu Metall reduziert werden, welches dann in eine eiserne Form ausgegossen wird. 2) Zersetzung des Ran Echwefckant durch Präcipitation. Schmilzt man wefelantimon mit Eisen zusammen, so bildet sich Schwefeleisen, während A. abgeschieden wird. Da aber der Schmelzpunkt des Schwefeleisens und des A. nicht weit voneinander entfernt sind, und da das spezifische Gewicht beider ziemlich gleich ist, so findet die Abscheidung des A. aus der erleichiem. Masse schwierig statt. Um diese zu erleichtern, gibt man einen Zusatz von Soda und Kohle oder von schwefelsaurem Natron und Kohle, die dann zur Bildung einer leichter schmelzbaren auhnss von geringerm spezifischen Gewichte Veran assrah werden. Die Reduktion erfolgt meist in dener S ammofen mit konkaver, aus Thon Wble gener Sohle, von deren tiefster Stelle ein während der Schmelzung mit einem Thonstopfen verschlossener Abstichkanal nach außen führt. Das mit der erforderlichen Menge von Eisen und Zuschlag gemischte Erz wird in den zum Glühen gebrachten Ofen gestürzt, wird etwa 10 Stunden im Flusse erhalten, worauf zuerst das Metall und dann die Schlacke durch die Abstichöffnung abgelassen wird. Das so gewonnene A. ist meist sehr unrein. Ein überschuß von Eisen, welcher angewandt werden muß, um das Schwefelantimon völlig zu zersetzen, geht in das A. über, außerdem enthält es, aus dem rohen Erz herstammend, Arsen, Kupfer, Blei. Diese Verunreinigungen, mit Ausnahme des Bleies, lassen sich leicht durch Raffinieren entfernen. Zu diesem Behufe schmilzt man 16 Teile rohes Metall mit 1 Teil Schwefelantimon und 2 Teilen Soda im Tiegel zusammen und hält etwa 1 Stunde lang im Flusse; die fremden Metalle werden dabei durch das Schwefelantimon geschwefelt und gehen in die Schlacke. Nach genügendem Schmelzen gießt man das Metall samt der Schlacke in eine eiserne Form. Beim Erkalten springt die Schlacke ab, die Oberfläche des A. zeigt dann schön krystallinisches Gefüge, den Stern. Das A. besitzt ein weißes silberartiges Ansehen, ist blätterig — — hart, sehr Prode und daher leicht zu pulvern; auf dem Bruche ist Blätterdurchgang nach der Richtung von Rhomboederflächen wahrnehmbar. Spezifisches Gewicht 6,707 bis 6,718, schmilzt bei 430°, verflüchtigt sich in höherer Temperatur und läßt sich bei Weißglut in einer hen muern Eut-Atmosphäre destillieren. Beim Glühen unter Luftzutritt verbrennt A. mit Lichtentwickelung unter Verbreitung eines weißen Rauchs; beim Schmelzen in der Lötrohrflamme auf Kohle geben alle Antimonverbindungen starken weißen Beschlag. Salzsäure löst A. in der Kälte nicht, beim Kochen langsam unter Entwickelung von Wasserstoff; Schwefelsäure wirkt kalt nicht ein, beim Wele mit konzentrierter Säure entwickelt sich schweflige Säure unter Bildung von Antimonoryd; Salpetersäure greift selbst im verdünnten das A. lebhaft mit Entwickelung roter Dämpfe an unter Abscheidung eines weißen Niederschlags, der je nach der Konzentration, Temperatur und Dauer der Einwirkung aus t. Die 198 Antimonsäure oder aus beiden besteht. Die lös ⁷ Antimonverbindungen geben mit Schwefelwasserstoff einen schön Aiunr echt 108 Niederschlag, der in Schwefelammonium leicht löslich ist. Das A. findet vielfache Verwendungen, so zur Anfertigung verschiedener Legierungen (s. Antimonlegierungen) und als drastisches Heilmittel in Form mehrerer Verbindungen. Explosives oder amorphes Antimon wird bei der elektrolytischen Zersetzung einer salzsauren Lösung von dreifach Chlorantimon + ten, wenn man in diese als positiven Pol eine Antimonstange und als negativen Pol mehrere Kupferdrähte eintaucht. Es lagert sich als silberglänzende Platte auf dem A. ab, die beim Ritzen mit einem harten Körper oder beim Schlagen unter Detonation und Wärmeentwickelung B. dadurch Es unterscheidet sich vom gewöhnlichen A. dadurch, daß es kein Amalgam mit Quecksilber bildet. n den Antimonverbindungen fungiert das A. als fünfwertiges Element, doch kommen sehr viele Verbindungen vor, in denen nur drei Affinitäten gesättigt sind. — —