FeedHolzgeist
NaturlehreBrockhaus 1882

Holzgeist, Holzalkohol, Holznaphtha, Holzspiritus, Methylalkohol, Methylorydhydrat, Carbinol, CII.0 oder CI OH, ein dem gewöhnlichen Alkohol oder dem Athylalkohol sehr nahe verwandter und in den meisten seiner Eigenschaften ihm fast gleichartiger Körper, welcher bei der trockenen Destillation des Holzes gebildet und neben andern Körpern in dem Holzessig (s. d.) enthalten ist. Der Gewinnung des H. wurde bis vor wenigen Jahren sehr geringe Beachtung geschenkt, da kaum eine Verwendung für denselben vorhanden war. In neuerer Zeit hat der H. weit rößere Bedeutung erlangt. Er dient zur Darstelung verschiedener, in großen Massen produzierter Anilinfarben und wird jetzt zur Denaturierung des für gewerbliche Zwecke steuerfrei abgegebenen Spiritus in bedeutenden Mengen verbraucht. Hierdurch ist eine so große Nachfrage entstanden, daß die Gewinnung des H. sehr lohnend geworden ist. Zur Darstellung wird der Holzessig, mit Kalk oder mit Soda neutralisiert, der Destillation so lange unterworfen, bis das zuletzt Übergehende nicht mehr brennbar ist. Der rohe H. wird darauf wiederholt über gebranntem Kalk rektifiziert, bis das Destillat ein spezifisches Gewicht von 0J815 zeigt und mit Wasser in allen Verhältnissen mischbar ist, ohne sich zu trüben. Letzteres, herbeigeführt durch Abscheidung von dem H. hartnäckig anhaftenden Teerbestandteilen, ist nur dann leicht zu erreichen, wenn der

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 355Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6