Antitrinitarier ist die chen Lehre ezeichnung aller Gegner der kirchlichen Ren von der „Dreieinigkeit Gottes im Zeitalter der Reformation. Sie selbst nannten sich, wie ihre Gesinnungsgenossen in der Gegenwart, Unitarier (s. d.). Während die Reformatoren, um den Zusammenhang mit der altchristl. Kirche zu wahren, die Lehre von der Trinität (s. d.) als unantastbares, wenn auch unbegreifliches Mysterium festhielten, wollten andere auch sie einer kritischen Neubildung unterwerfen 91 es nach den Aussagen der Schrift, sei es na Dant an mittelalterliche Mystik lehrten Johann Denk aus Bayern (Dez. 1527 an der Pest gestorben) und der volkstümliche Geschichtschreiber Sebastian Franck aus Donauwörth (gest. 1543), der wahre Christus sei das Kewige Worto, das ainnere Lichto, das in dem Herzen eines jeden Gläubigen wirke, der auswendige, geschichtliche Christus sei Rnichts nütze. Dagegen erkannten Konrad in Gassen aus Württemberg (1529 zu Basel hingerichtet) und Ludwig Hetzer aus Bischofszell (wegen sittlicher Vergehen 1528 in Konstanz enthauptet) in Christus nur einen vom Geiste Gottes erfüllten Menschen. Der span. Arzt Michael Servet (s. d.) ward wegen Leugnung der Trinität auf Calvins Betrieb 1553 zu Genf verbrannt. Der Niederländer Johann Campanus (in Wahnsinn verfallen seit 1574 gefangen in Kleve) lehrte unter Berufung auf 1 Mos. 1, 26 zwei Personen in Gott, die eins seien, wie Mann und Frau, obgleich zwei Personen, doch Ein Fleisch sind. David Joris, Glasmaler zu Delfft (aus Holland vertrieben, lebte er 1544 - 56 als Johann von Brügge unerkannt zu Basel) und Hans Niclas zu Emden in Ostfriesland (gest. 1577) sahen in der Trinität nur das Symbol dreier Weltalter, in denen sich das Heil verwirklicht; an der Spitze des zweiten steht Christus, an derjenigen des dritten David Joris oder Hans Niclas. Besonders zahlreich waren die A. in Italien, wo die reformatorische Bewegung im Zusammenhange mit der humanistischen Bildung eine kritisch-verständige Haltun annahm. Die Ingquisition aber zwang die italienischen A. — eimat zu verlassen und in prot. Ländern, besonders in der Schweiz, eine Zuflucht zu suchen. Genannt seien Claudius von Savoyen, der seit 1534 in Bern, Basel, Wittenberg lehrte, Christus sei bloßer Mensch, der Heilige Geist ein Geschöpf, 1537 zu Lausanne widerrief, aber dennoch bis 1550 hin und wieder in Oberdeutschland sein Wesen trieb; Bartolomeo Maturo, Prior eines Dominikanerklosters zu Cremona, seit 1530 Prediger im Veltlin; Agostino Mainardo von Saluzzo, Augustinermönch und Doktor der Theologie, seit 1539 Prediger zu Chiavenna; Camillo Renato, seit 1542 im Veltlin; Franz Stancaro von Mantua, der lehrte, Christus sei nur d ner menschlichen Natur nach unser Mittler; der Arzt Georg Blandrata (s. d.); der Jurist Matteo Gribaldo aus Piemont (gest. 1564); Paul Alciati (gegen 1565 zu Danzig gestorben); Valentin Gentile (1566 zu Bern enthauptet); Bernardino Ochino (s. d.); Lelio und Faustus Socini. In der Schweiz und Deutschland mit aller Grausamkeit verfolgt, fanden die A. in Polen und Siebenbürgen eine neue Heimat und bildeten hier als Socinianer (s. d. eine blühende Kirchengemeinschaft. Vgl. Trechsel, «Die protestantischen A. vor F. Socinv (2 Bde., Heidelb. 1839 —44); R. Wallace, «Anti⸗- trinitarian biographys (Lond. 1850).