Antoninus (Marcus Annius Verus), der Philosoph, am bekanntesten unter dem Namen Mare Aurel, röm. Kaiser 161—180 n. Chr., wurde 121 in Rom geboren und 138 n. Chr. neben Lucius Verus von seinem Oheim Antoninus (Pius) adoptiert, der in demselben Jahre Hadrian als Kaiser olgte. Nachdem dieser ihn schon 147 zum Teilhaber an der Regierungsgewalt erhoben hatte, übernahm er nach dem Tode seines Adoptivvaters, mit dem er 23 Jahre in hunder; ausgezeichneter Eintracht aufs innigste verbunden zusammengelebt, 161 n. Chr. als Imperator Cäsar Marcus Aurelius Antoninus Augustus die Herrschaft, die er aber sofort mit Lucius Verus teilte. Er war aufs sorgfältigste von den besten Lehrern jener Zeit unterrichtet, in der Rhetorik von Herodes Atticus J. d.) und Fronto (s. d.), wendete sich aber früh mit besonderer Vorliebe der stoischen Philosophie zu. Marc Aurel war ein trefflicher Mensch und ausgezeichneter Regent, aber das Reich wurde während seiner ganzen Regierungszeit nicht bloß von großen Kriegen, sondern auch immer aufs neue von andern schweren Leiden, Überschwemmungen, Erdnach seinem Regierungsantritt drohte in Britannien Krieg oder Aufstand auszubrechen, fielen die Katten in das röm. Germanien und Rhätien ein und brach ein schon länger drohender schwerer Krieg mit den Parthern aus. Während den Mare Aurel die Sorge für den Occident in Rom festhielt, sollte Lucius Verus den Krieg im Orient führen, der auch dorthin abging. Die unter Verus befehligenden Generale, namentlich Statius Priscus und Avidius Cassius kämpften mit solchem Erfolg (selbst Seleucia am Tigris wurde erobert und verheert und der Palast der Partherkönige in Ktesiphon zerstört), daß die Parther, obschon die Pest unter dem röm. Heere ausbrach, Frieden schließen mußten (165 n. Chr.). Nach der Beendigung des Parthischen Kriegs Nünre die beiden Kaiser 166 einen Triumph, und are Aurel nahm den Titel Parthicus an; doch die Siegesfreude störte die fürchterliche Propi mit welcher die zurückkehrenden Truppen die Provinzen ansteckten, en Woitero sie zogen. Dazu kam, daß die nordischen Völker an der Grenze längs der Donau sich zum Kriege gegen die Römer verbunden hatten und nun die röm. Grenzländer bedrohten und überfielen. Beide Kaiser zogen 167 in diesen Krieg, welcher nach einem der seindlichen Hauptvölker der lang mit uhwahsen genannt wird und viele Jahre lang mit abwechselndem Glücke geführt ward. Im Jan. 169 starb Verus in Italien während der Reise beider Kaiser nach Rom. Die kriti⸗ — Lage des Reichs, das von Kriegsbedrängnis, est und Hungersnot Kleichseitin heimgesucht ward, nötigte Mare Aurel damals zu außerordentlichen Maßregeln; unter anderm ließ er eine große Masse von Kostbarkeiten des Palastes versteigern. Hierauf erfocht er einen Sieg auf der gefrorenen Donau über die Jazygen. Im J. 174 geriet Mare Aurel, von den Quaden eingeschlossen, aus Mangel an Wasser in die äußerste Not. Da erhob sich plötzlich ein Gewitter, ein Platzregen erfrischte das Heer, und die Quaden wurden geschlagen: eine von Heiden und Christen wetteifernd ausgeschmücdte, das Jahr Geschichte. (S. Donnerlegion.) Auch das Jahr darauf war Mare Aurel in siegreichem Vordringen, als er sich genötigt sah, den Barbaren einen für Rom —— rühmlichen Frieden zu gewähren. Es war die Nachricht von der Empörung des syr. Statthalters Avidius Cassius eingetroffen, dem Mare Aurel zugleich den Oberbefehl in einem großen Teile des Orients übertragen hatte. Doch noch ehe der Kaiser Asien erreichte, war der Empörer pvon seinen eigenen Offizieren erschlagen worden. Mare Aurel bethätigte gegen die Teilnehmer an der Verschwörung seinen wahrhaft großmütigen und milden Sinn. Nachdem er dann 23. Dez. 176 in Rom über die (Germanen und Sarmateno» mit seinem Sohne Commodus triumphiert und denelben um diese Zeit zum Mitregenten ernannt atte, mußte er 178 aufs neue gegen die Maromannen aufbrechen, erfocht auch einen Sieg über dieselben, starb aber schon 17. März 180. A. gehört zu den trefflichsten Kaisern Roms. Trotz der schweren Kriege, welche ihn fast während seiner ganzen Regierungszeit in Anspruch nahmen, fand er noch Zeit zu vielen vorzüglichen Maßregeln auf dem Gebiete der Rechtspflege und der Verwaltung. Eine Schattenseite seines Systems waren die Christenverfolgungen, welche von seiten der Staatsbehörden unter ihm (in Smyrna und Gallien) stattfanden; er ließ sie, innerhalb der schon von Trajan (s. d.) aufgestellten Grundsätze, zu. — Außer den herkömmlichen Ehren ward auch ihm eine Säule errichtet, nach dem Vorbilde der Trajanssäule, und gleich derselben geschmückt mit Reliefs, welche Marc Aurels Thaten im Markomannenkriege darstellen. Wie diese ist auch seine bronzene, einst vergoldete Reiterstatue auf dem Kapitol noch vorhanden. Ab-Kicbls von einigen Resten des Briefwechsels Mare urels sowie auch von dem des Lucius Verus und des Antoninus Pius mit dem berühmten Rhetor Fronto (s. d.) siud von Marc Aurel noch Aufzeichnungen unter dem Titel «An sich selbste erhalten, welche seine Denkweise in einem klaren Spiegelbilde zeigen, einen Stoicismus nämlich, der sich aber auf praktische Fragen beschränkt und einen milden Charakter trägt. Die besten Ausgaben dieses Werks sind die von Casaubonus (Lond. 1643), Gataker (Cambridge 1652), Schultz (Schlesw. 1802), Korais (Par. 1816) und (zusammen mit andern Schriften) von Dübner (Par. 1842). Es ist in viele lebende ½½½ übersetzt, selbst ins Persische von Hammer (Wien 1831), ins Deuts. che neuerdings wieder von Schneider (2. Aufl., Bresl. 1865) und Cleß (Stuttg. 1866). Vgl. Noêl des Vergers, Essai sur Marc Aurèles (Par. 1860); Zeller, (Vorträge und Abhandlungen geschichtl. Inhaltso (Lpz. 1865) und enan, Marc Aurèle et la fin du monde antiques (Par. 1882).