FeedAgrippa (Marcus Vipsanius)
GeschichteBrockhaus 1882

Agrippa (Marcus Vipsanius), röm. Feldherr und Staatsmann, geb. 63 v. Chr., aus geringer Familie, genoß mit Octavian gemeinschaftliche Bildung und trat mit diesem schon früh in freundschaftliche Beziehungen. Seine polit. Laufbahn begann er 43 mit der Anklage des Cassius als Mörders des Cäsar. Nachdem er sich durch glückliche Erfolge (41 im Perusinischen Kriege, 38 in Gallien) das unbedingte Vertrauen des Octavianus erworben hatte und 37 Konsul geworden war, schlug er 36 den Sextus Pompejus erst bei Mylä, dann (3. Sept.) bei Naulochos. Er kämpfte hierauf im Verein mit Octavian in Illyrien (35), dann in Dalmatien (34), übernahm 33 die Adilität und bezeichnete seine Amtsthätigkeit durch großartige Werke, die er zum Nutzen oder zur Verschönerung Roms (wie die Wasserleitungen) teils ausführte, teils begann oder vollendete. Als der Kampfzwischen Octavian und Antonius ausbrach, übernahm A. im Frühjahr 31 den Befehl über Octavians Flotte. Er gewann 2. Sept. 31 die Schlacht bei Actium (s. d.), durch welche Octavian zur Alleinherrschaft gelangte. Während letzterer selbst die Verfolgung des Antonius betrieb, ging A. mit unbegrenzter Vollmacht nach Rom, wo er im Verein mit Mäcenas die Macht des Imperators sicherzustellen suchte. Nachdem Octavian 29 nach Rom zurückgekehrt war, überhäufte er den A. mit Ehren, machte ihn zu seinem Genossen in der 29 und 28 geführten censorischen Amtsgewalt und 28 und 27 zum Amtsgenossen im Konsulat. Um Streitigkeiten mit dem eifersüchtigen Marcellus, dem Neffen und Schwiegersohn des Octavian, wo er. mußte jedoch nach Asien gehen, wo er, gleichsam verbannt, doch an der Spitze der Regierung des Orients, zu Mytilene lebte. Nach dem Tode des Marcellus wurde A. 21 nach Sicilien berufen. Octavian stellte nicht nur die alte Freundschaft wieder 7 sondern befestigte dieselbe durch Vermählung A.s mit seiner Tochter Julia, der Witwe des Marcellus. Endlich machte er A. zu seinem Kollegen in der tribunicischen Gewalt. Nachdem A. seinen Ruhm als Feldherr und Staatsmann 20 und 19 in Gallien, Spanien und im Orient vermehrt hatte, ing er zur Unterdrückung eines Aufstandes nach annonien. Auf der Rückreise erkrankte er in Campanien und starb im März 12 v. Chr. Wenn auch als Staatsmann vielleicht Octavian nachstehend, überragte A. doch denselben unbestritten ? als Feldherr. Rechtschaffen, furchtlos, entschieden und thatkräftig, erkannte er die Bedürfnisse des röm. Volks und der Zeit. Von geläutertem Geschmack, war A. ein freigebiger Förderer der bildenden Kunst, namentlich der Baukunst. Von seinen Schriften, unter denen eine Selbstbiographie, ist keine auf uns gekommen. Unter seiner Leitung —.5 eine allgemeine Vermessung und Aufnahme es ganzen Römischen Reichs statt, deren Ergebnisse in den Commentarii Agrippaev, sowie zum Teil in einer nach diesen entworfenen Weltkarte niedergelegt wurden. Zuerst mit Cäcilia Attica vermählt, gebar ihm dieselbe eine Tochter, Vipsania Che mit N. die Gemahlin des Tiberius. Seine zweite e mit Marcella blieb kinderlos; aus der dritten mit der Julia stammten drei Söhne und zwei Töchter, von denen die jüngste, Agrippina 6 d.), Gemahlin des Germanicus wurde. Die öhne des A. wurden von Octavian adoptiert. Vgl. Frandsen, „Marcus Vipsanius A.» (Altona 1836); Motte,

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 232Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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