Anziehung oder Attraktion nennt man die Kraft, vermöge deren die kleinsten Teilchen (Moleküle und Atome), aus denen man sich die Körper bestehend denken kann, oder auch größere Körpermassen nuhe pder n sich zu nähern und in gegenseitiger Nähe oder Berührung sich festzuhalten streben. Ob den letzten Bestandteilen der Materie an sich eine besondere Anziehungskraft innewohne oder nicht, ist noch eine streitige Frage; denn wie zwei materielle Punkte oder auch größere Massen, wie 3. B. die Sonne und die Planeten, ohne Medium oder ohne sich unmittelbar zu berühren, durch die Entfernung hin aufeinander wirken können, ist eigentlich unbegreiflich. Die Naturwissenschaften benutzen jedoch den Begriff der Attraktion als eine Robnibesr⸗ um einen Anknüpfungspunkt für die echnung zu haben, und als solche hat sie zuerst Newton (1682), unter fortwährendem Widerspruch namentlich von Leibniz, in die Naturwissenschaft eingeführt. Als naturphilos. Behauptung hat sie Kant zugleich mit der Repulsionskraft in den Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschafte (Lpz. 1786) aufgestellt, von welchem sie dann die meisten Neuern angenommen haben; es fehlt 1 neuestens nicht an Versuchen, die Abstoßung s. d. nur auf Wamnen Ber eines Mediums densein 10 beschränken. Einen Versuch, das Vorhandensein cheinbarer Attraktions⸗ und Repulsionskräfte aus höhern Prinzipien zu erklären, hat Herbart gemacht in seiner «Allgemeinen Metaphysikv (Königsb. 1828 —29) und in der Schrift Theoriae de attractione elementorum principia metaphysicas (Königsb. 1812). Der Versuch, alle Arten der A. und Abstoßungen auf eine gemeinschaftliche mathematische Formel zu bringen, ist bis jetzt zwar nicht heRatur⸗ d wohl aber hat die Neuzeit bewiesen, daß alle Natur-l kräfte auf das innigste zusammenhängen und sich in⸗(r einander nach äquivalenten Werten umwandeln lassen. (S. Kraft und Wärme.) Die Anziehungskräfte sind folgende: 1) die Gravitation, 2) die Koäston, 3) die Adhäsion, 4) die Affinität oder chem. erwandtschaft, 5) die Anziehungen und Abstoßungen, welche bei den elektrischen und magnetischen Erscheinungen auftreten. Über den Zusammenhang dieser Kräfte vgl. Grove, «Die Verwandtschaft der Naturkräftey (Braunschw. 1871).