FeedArnold von Brescia
ReligionBrockhaus 1882

Arnold von Brescia, einer der hervorragendsten Vertreter der seit Anfang des 12. Jahrh. namentlich in Frankreich und Oberitalien auftauchenden reformatorischen Bestrebungen. Ein Schüler Abälards, dem er in die Einöde gefolgt war, doch mehr zu thatkräftigem Handeln als zu einem stillen beschaulichen Leben geschaffen, kehrte er mit glühender Begeisterung für eine sittliche Reinigung der Kirche nach seiner Vaterstadt Brescia zurück, wo er schon früher ein kirchliches Amt bekleidet hatte. Seine selbst von den Gegnern anerkannte Sittenstrenge, seine hinreißende Beredsamkeit und sein renhänger um ihn, mit deren Beistand er seine sittlichen Ideale zu verwirklichen und den verweltlichten, in Uppigkeit und geistige Trägheit versunkenen Klerus zu einem wahren innerlichen Christentume nach dem Muster der apostolischen Zeit zurückzuführen suchte. Das Verderben der Kirche schrieb er vornehmlich den Reichtümern der Geistlichen zu; daher er von diesen Verzichtleistung forderte auf weltliche Macht und irdischen Besitz und Genüge an dem, was die Gemeinde zum Unterhalte ihnen darreiche an freiwilligen Spenden, Erstlingen und Zehnten. Ob A.s dogmatische Lehre, namentlich bezüglich des Abendmahls und der Kindertaufe, von der Kirchenlehre abwich, ob A. also Ketzer gewesen, ist zweifelhaft: der große Johann von Salisbury, Bischof von Chartres, bezeugt ihre übereinstimmung mit dem Evangelium. Ein Zusammenhang mit den Meinungen der Katharer und Albigenser ist bei A. nicht nachweisbar. Dennoch verklagte ihn der Bischof von Brescia auf der zweiten Lateransynode (1139) als Ketzer. Innocenz II. legte ihm Verbannung und ewiges Stillschweigen auf. A. ging nach Frankreich zu Abälard zurück, aber vom heil. Bernhard sehr heftig bekämpft, mit Abälard auf der Synode zu Sens (1140) verdammt, floh er in die Schweiz und fand bei dem Kardinallegaten Guido eine Zufluchtsstätte. Nach Innocenz' II. Tode bestieg dieser als Cölestin II. den päpstl. Stuhl. A. kehrte jetzt in sein Vaterland zurück. Man findet ihn 1146 in dem von Parteien zerrütteten Rom, welches inzwischen drei Päpste rasch hintereinander hatte kommen und gehen sehen. Cölestins Nachfolger, Lucius II., hatte im Sturm auf das Kapitol unter den Steinwürfen der Römer sein Leben geendet. Eugen III. mußte zum zweitenmal vor dem empörten Volke nach Frankreich fliehen. A. hatte an allen diesen Aufständen keinen Anteil gehabt, aber begeistert von der Erinnerung an die alte Herrlichkeit Roms, predigte er gegen die weltliche Herrschaft des Papsttums und für die Erneuerung der alten röm. Republik. Auf dem Kapitol ward ein Senat eingesetzt, der in den alten Formen regierte; doch die Römer besaßen weder republikanische Tugenden noch irgendein Verständnis für den tiefen christl. Ernst, durch welchen A. ihre polit. Freiheitsbestrebungen adeln wollte. Der neue Papst Hadrian IV. schreckte die aufständischen Römer mit dem Interdikt, belegte A. mit dem Bann und forderte von Friedrich Barbarossa, der eben über die Alpen Rerun war, um sich krönen zu lassen, seine Ausieferung. A., von seinen treulosen Republikanern vertrieben, geriet in die Hände des Papstes, der ihn aus Furcht vor den Römern nicht zu töten wagte. Einige tuscische Große befreiten ihn mit Gewalt, lieferten ihn aber auf Verlangen König Friedrichs aufs neue aus. Der Stadtpräfekt von Rom ließ ihn 1155 aufhängen, verbrennen und seine Asche in den Tiber streuen. Der päpstl. Hof achtete es hat i für gut, jede Teilnahme an der blutigen That in Abrede zu stellen. Die polit. Bestrebungen A.s und seiner Partei (s. Arnoldisten) gingen mit seinem Tode, wenigstens in Rom, zeitweilig zu Ende, dagegen hat seine Wirksamkeit die ohnehin in Oberitalien vorhandene Opposition gegen die verweltlichte Kirche und den Klerus offenbar verstärkt. Vgl. Gregorovius, «Geschichte der Stadt Rom im Mittelalterb (Bd. 1—4, Stuttg. 1859—63; 3. Aufl. 1873). Das Leben A.s wurde mehrmals dramatisch bearbeitet, unter anderm von Bodmer und

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 945Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6