Arbeiterabteilungen heißen militärische Strafanstalten, in welchen Wehrpflichtige, die sich selbst verstümmelt haben, die der bürgerlichen Ehrenrechte beraubt sind, und diejenigen, bei denen Disciplinarstrafen während ihrer Zugehörigkeit zu Truppenteilen nichts gefruchtet haben, ihrer Wien genügen müssen, während sie gleichzeitig mit Arbeiten an Festungen u. s. w. beschäftigt werden, statt eine militärische Ausbildung zu erhalten. Für die deutsche Armee bestehen A. in Koblenz, Königsberg in Preußen, Stettin und Oberhaus bei Passau. AÄhnlichen Zwecken dienen in Beferung. die Strafcompagnien, in Rußland die Besserungscompagnien. Arbeiterbewegung. Unter dieser Bezeichnung faßt man die Bestrebungen zusammen, welche zum Zweck haben, die wirtschaftliche Lage der Lohnarbeiter zu verbessern. Den Inhalt der A. bildet die „Arbeiterfrager oder, wie man sie mit Vorliebe nennt, die «soziale Fragev. Diese Frage, deren Beantwortung in der ganzen Kulturaufgabe der Menschheit liegt, ist uralt, hat aber erst nach der Herstellung der vollen persönlichen Freiheit der Arbeiter einerseits und der Entwickelung des großkapitalistischen Betriebes andererseits ihre scharfe Formulierung erhalten. Die Sklaven des Altertums wie die unfreien Arbeiter des Mittelalters versuchten eine Verbesserung ihres Loses durch die der Unfreiheit entsprechenden gewaltthätigen Mittel; die Bewegungen, welche von ihnen ausgingen, waren revolutionäre: so die Sklavenkriege im alten Italien, die Bauernkriege im 16. Jahrh. Die freien Arbeiter des 19. Jahrh. sind darauf hingewiesen, ihre Ziele auf den Wegen der reiheit zu suchen. Die Anerkennung der polit. leichheit aller Staatsbürger hat sich seit der franz. Revolution in allen Kulturländern vollzogen; dadurch aber wurde dem besitzlosen Arbeiterstande die fortbestehende große Ungleichheit der wirtschaftlichen Existenzbedingungen um so fühlbarer zum Bewußtsein gebracht, zumal gleichzeitig durch die Ausbildung des Maschinenwesens die übermacht des Kapitals und die Konzentrierung desselben sich mehr und mehr steigerte. Diesem modernen Großkapital gegenuber, das als Arbeitgeber auftritt ohne irgendwelche persönlich-menschliche ich auf Ber zu den Arbeitern, sahen die letztern sich auf Vereinigung und Organisation angewiesen, und die natürliche Solidarität ihrer Interessen verschaffte diesen Bestrebungen, die parallel mit der industriellen Entwickelung der einzelnen Länder sich ausbreiteten, mehr oder weniger Erfolg. Am meisten ist England, wie sozial und politisch, so auch insbesondere industriell dem kontinentalen Europa vorausgeeilt. Die Großindustrie hat hier zuerst in einzelnen Industriestädten und Industriestrichen Hunderttausende von Lohnarbeitern angesammelt. Die polit. Verhältnisse haben zuerst Raum geschaffen für solche Massen, sich zu gemeinsamem Handeln 990 Verbesserung ihres Geschicks zu verbinden. Wie überhaupt die eigentümlich organische Entwickelung Englands die Fortbildung der mittelalterlichen Einrichtungen in die Gegenwart hinein, deren Bedürfnissen entsprechend, ermöglicht hat (sehr im Gegensatze zu dem Streben des europ. Festlandes, besonders Frankreichs), so ist speziell das Institut der heutigen Trades Unions, Verbindun en der Arbeiter für gemeinsame wirtschaftliche Zwecke, in Deutschland neuerdings Gewerkvereine (s. d.) genannt, eine Snaland älterer korporativer Vereinigungen in England, die für die gesteigerten Bedürfnisse der neuern Zeit sich angemessen umgestaltet und erweitert haben. ie Aufgabe der Trades Unions ist wesentlich, egen die Duoch n der großen Unternehmer die Lobnotbeiter durch Vereinigung zu anle Mit durch emeinsames Handeln und gemeinsame Mittel den Jordseungen der Arbeiter Nachdruck zu verleihen. Vor 50 Jahren noch wußte man in England wenig von ihnen; heute sind Hunderte dieser Verbände mit ihren Agantterie Ter über das Reich verbreitet, als organisierte Vertretungen fast aller Gewerbe. Auch die landwirtschaftlichen Arbeiter haben sich in der neuern Zeit zu ähnlichen Verbänden vereinigt. Der Zweck dieser Verbindungen ist insofern kein tadelnswerter, als der Arbeiter ein Recht hat, mit allen erlaubten Mitteln dahin zu streben,‚ daß er für seine Arbeit einen möglichst hohen Lohn erhalte; dies gelingt ihm in der Verbindung mit seinesgleichen offenbar besser als in der Vereinzelung. Die Arbeiter wollen ihre Bedingungen stellen, wie der Unternehmer die seinigen stellt, und das Resultat der Ansprüche beider Seiten soll nicht durch das Übergewicht der einen Seite allein bestimmt werden. Doch ist auch nicht zu leugnen, daß die Verbände häufig einen widerrechtlichen Terrorismus gegen einzelne Arbeiter geübt und zuweilen sogar verbrecherische Verletzungen von Eigentum und Leben begünstigt haben. Namentlich war Hiese field der Schauplatz solcher Verbrechen, und diese waren auch die Veranlassung (1867) zur Niedersetzung einer Kommission, welche das ganze Verbandswesen untersuchen sollte. Die Ergebnisse dieser Untersuchung fielen jedoch unerwartet günstig für die Gewerkvereine aus; die sheffielder Excesse erwiesen sich als vereinzelte Erscheinungen, die Gesamtwirkung der Vereine aber wurde als so nützlich erkannt, daß man ihnen, die bisher X01e Mog der Gesetze standen, 1871 durch ein Gesetz die Möglichkeit gab, Gesen Persönlichkeit zu werden. Durch ein anderes Gesetz wurde dann 1875 noch den von den Gewerkvereinen vertretenen Tendenzen eine weitere wichtige Konzession gemacht, indem die kriminelle Bestrafung des Arbeitsvertragsbruchs und die Reste der Ausnahmegesetzgebung betreffs der in Verbindung mit Koalitionen (s. Koalitionsrecht) begangenen Vergehen und Verbrechen beseitigt wurden. Übrigens betrachten die Gewerkvereine, durch mehrfache schlimme Erfahrungen belehrt, die Arbeitseinstellung oder den Strike (s. d.) nur 3das äußerste und gefährlichste Kampfmittel; wenn irgend möglich suchen sie solche akute Konflikte durch die Vermittelung von Einigungskammern, aus Arbeitgebern und Arbeitern bestehend, zu vermeiden. Diese Kammern, freie Bildungen nach den Systemen von Mundella oder Kettle, haben durch die gewerblichen Schiedsgerichte nach dem Gesetze von 1872 eine wichtige Stütze und Ergänzung erhalten. Die engl. Gewerkvereine entfalten neben ihren direkten Bestrebungen zur Aufrechterhaltung und zeitgemäßen Steigerung des Lohns auch noch eine vielseitige anderweitige Thätigkeit im Interesse des Arbeiterstandes: sie regulieren das Arbeitsangebot durch Nachweisungsbureaus, Reise⸗ und Auswanderungsunterstützungen, haben ein großartig entwickeltes Hilfskassenwesen, das auch die Unterstützung bei Arbeitslosigkeit, so weit wie möglich, mit umfaßt, und üben einen weitgehenden Einfluß auf die Ausbildung und teilweise auf den Zugang der Lehrlinge aus. Als eine polit. Partei können die Gewerkvereine nicht angesehen werden; die kontinentale Sozialdemokratie (. d.), die durch die Vereinigung der sozialistischen Reformbestrebungen mit dem aktiven polit.⸗revolutionären Radikalismus charakterisiert ist, hat weit mehr Verwandtschaft mit dem Chartismus (s. 10 als mit der Gewerkvereinsbewegung, die allmähli die chartistischen Tendenzen gänzlich zurückgedrängt hat. Auch für die 1864 in London gegründete Internationale Arbeiterassociationo bekundeten die engl. Gewerkvereine nur so lange Interesse, als sie in derselben eine auf die nächstliegenden aenen Or. Aufgaben berechnete Erweiterung ihrer eigenen Organisation zu erkennen glaubten. Die Kooperativ- oder Erwerbs⸗ und Wirtschaftsgenossenschaften (s. Genossenschaften) können nicht als spezifische Arbeiterorganisationen aufgefaßt werden, haben aber in England wie in Frankreich ebenfalls in den Arbeiterkreisen ihren Ursprung genommen. Es waren die Anhänger des larrmn en Reformators Robert Owen (s. d.), die in England die ersten Versuche auf diesem Gebiete unternahmen. Man begann mit der Gründung von Cooperative stores oder Konsumvereinen (s. d.), die allmählich sowohl innerhalb wie außerhalb der Arbeiterbevölkerung in England eine großartige Ausbreitung und Bedeutung erlangt haben. Die Versuche dagegen, durch Produktipgenossenschaften die Arbeiter vom Kapital zu emanzipieren, haben auch in England im allgemeinen geringen oder gar keinen Erfolg gehabt, obwohl einige unter den Auspizien mächtiger Gewerkvereine, wie des der vereinigten Maschinenbauer, unternommen wurden. In Frankreich stand die A. meistens in einem nähern Zusammenhange mit den polit. Strömungen als in England. Es existierten indes schon seit dem Mittelalter in den Compagnonageverbänden gewerkvereinsartige Organisationen für gewisse Handwerke, namentlich für die Baugewerke. Dieselben umspannten das ganze Land, und wenn auch ihre nächste Aufgabe in der Unterstützung der wandernden Gesellen lag, so übten sie doch gleichzeitig einen merklichen Einfluß auf den Arbeitsmarkt aus, und einige von ihnen, wie die Zimmerleute in Paris, waren im Stande, trotz des Koalitionsverbots Strikes in großartigem Maßstabe zu organisieren. Die Compagnonage hat sich auch in der Gegenwart noch erhalten, wenn sie auch vor den modernen Associationsformen mehr zurückgetreten ist. Von den letztern sind der Zeit nach zuerst zu erwähnen die Kooperativgenossenschaften, die in Frankreich am meisten den Charakter eigentlicher Arbeiterverbindungen traen. Die ursprüngliche Idee derselben stammt von uchez (s. d.), der in der Produktivassociation die Lösung der sozialen Frage gefunden zu haben glaubte und schon bald nach der Julirevolution einige Genossenschaften nach seinem Plane gründete. Das Eigentümliche der Buchezschen Genossenschaft liegt darin, daß dieselbe einen Teil des jährlichen Reingewinns zur Ansammlung eines unteilbaren Kapitals verwenden muß, wodurch es ihr möglich dig aus werden soll, ihren Wanend neue bestänig auszudehnen und fortwährend neue, mit den Gründern gleichberechtigte Arbeiter aufzunehmen. Während die weiter uslichen Projekte Louis Blancs niemals einer ernstlichen praktischen Probe unterworfen sind, ist die r Acbeit Idee, die sich auf die Klassensolidarität der Arbeiter stützt, für die meisten eigentlichen Arbeitergenossenschaften in Frankreich mehr oder weniger maßgebend geblieben, d. h. die Genossenschaften geben für die Einlagen ihrer Mitglieder höchstens einen festen Zins, verwenden den Rest aber zu einer uneigennützigen Ausdehnung des Unternehmens oder für andere dem Klasseninteresse dienende Zwecke. Auch die Aermrert und Kreditvereine der eigentlichen Arbeiterkreise werden nach ähnlichen, der Bourgeois-Okonomier fremden Prinzipien verwaltet. Bisher freilich sind die Erfolge dieser Bestrebungen im ganzen sehr mäßig. Unter der Februarrepublik allerdings nahm das Genossenschaftswesen auf dieser Basis einen bedeutenden Aufschwung — nicht etwa bloß in olge der Staatsunterstützung, die nur einer kleinen Minderzahl von Vereinen zu gute kam —, aber die praktischen Schwierigkeiten traten bald hervor, und die meisten dieser Vereine würden wahrscheinlich keinen langen Bestand ach ei haben, auch wenn das entstehende Kaiserreich eine weniger feindliche Haltung gegen sie angenommen hätte. Nach dem Staatsstreich vegetierten nur einige wenige Associationen mit ganz bürgerlichem Charakter weiter. Erst 1863 begann mit dem Aufleben der A. überhaupt auch wieder eine neue Periode kooperativer Versuche, anfangs unter dem überwiegenden Einfluß des bürder Bucheschen Prnrt Elements mit Beseitigung der Buchezschen Prinzipien, während später und namentlich unter der dritten Republik wieder die mehr sozialistische Richtung zur Vorherrschaft gelangte. Einige Produktivgenossenschaften ieser letztern Klasse haben sich als lebensfähig erwiesen, aber von einer allgemeinen Anwendung dieses Systems kann trotzdem nicht die Rede sein. Die neuern franz. Gewerkvereine konnten erst nach Wedenktn des Koalitionsverbots (1864) zu einiger Bedeutung gelangen. Sie traten anfangs in der Gestalt von Hilfsgesellschaften, Kreditgesellschaften oder auch als sog. Widerstandsgesellschaften auf. Seit 1868 aber nahmen sie meistens die den Unternehmerverbänden entlehnte Bezeichnung ochambresyndicales an, nachdem die Regierung erklärt hatte, daß sie, trotz des noch bestehenden gesetzlichen Verbots, solche fachgenossenschaftliche Verbände dulden werde. Es war dies ein Zugeständnis an die Wünsche der Arbeiterdelegationen, die sich auf Grund einer direkten kaiserl. Autorisation bei Gelegenheit der Weltausstellung von 1867 in Paris versammelten und ihre Sitzungen mehrere Monate hindurch fortsetzten. Die Versuche der Regierung, die Arbeiterpartei für sich zu ewinnen oder wenigstens eine beachtenswerte taatssozialistische Partei zu bilden, mißlangen gänzlich. Doch verfolgten die Syndikalkammern nicht sowohl polit. als sozialökonomische Ziele, und auch zu der Wernanonen traten sie nur deshalb in nähere eziehungen, weil dieselbe ihnen bei den zahlreichen Strikes, in denen sie von 1868—70 ihre Kraft versuchten, Unterstützung versprach und in einem sehr bescheidenen Maße auch wirklich leistete. Während der Belagerung von Paris und der Commune spielten die Arbeitersyndikate keine Rolle, sie Penanne vielmehr völlig in Verfall, und erst 1872 egannen sie sich zu rekonstituieren. In ihren Bestrebungen gehen sie vielfach über das praktischnüchterne Programm der engl. Gewerkvereine 1010 aus, jedoch vertreten sie noch immer im Vergleich mit den polit.⸗revolutionären und kommunistischen Vereinen, zu denen übrigens nicht nur Arbeiter, sondern auch deklassierte Bourgeois gehören, das relativ gemäßigte Element, wie sich namentlich auf den Arbeiterkongressen in Paris (1876) und Lyon (1878) zeigte. Auf dem Kongresse von Marseille (1879) aber hatte die ertreme Partei bereits ein beträchtliches Übergewicht gewonnen, und der von Havre (1880) spaltete sich in zwei Versammlungen, von denen die eine der ouieb, die an Richtung der doltettiuinuicke ar treu blieb, die andere aber die kollektivistische Fahne aufzog. In Deutschland brachte che n 1848 mancherlei kommunistische und sozialistische Regungen der Arbeiterbevölkerung mit sich, die indes zu keinen bemerkenswerten Resultaten führten. Das von Schulze-⸗Delitzsch seit 1849 unermüdlich geförderte Genossenschaftswesen fand seinen Boden mehr bei den selbständigen Handwerkern und Kleingewerbtreibenden als bei der eigentlichen Arbeiterklasse. Doch gelang es auch einigen Arbeiter-Produktivten, sich mit Erfolg zu behaupten. Ansätze zu 1. fischen Arbeiterverbindungen zeigten sich wenig lebensfähig, bis 1863 Lassalle 06 d.) seine kurze, aber mächtige Agitation begann. Jetzt konstituierte sich der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, und bald trat die deutsche Sozialdemokratie (s. d. mit ihren verschiedenen Nuancen als allmählich immer mächtiger werdende Partei auf die polit. Bühne. Diese von Lassalle eingeleitete Bewegung hatte überhaupt von Anfang an eine überwiegend polit. Tendenz; vor allen Dingen sollte das allgemeine Stimmrecht ewonnen werden, dann würden die soziaen Reformen, wie Lassalle meinte, leicht zu verwirklichen sein. Die Einzelheiten seiner sozialistischen Projekte hat Lassalle wenig ausgeführt; hauptsächlich schwebte ihm die Gründung großer Produktivassociationen mit Staatsunterstützung vor. Im J. 1868 wurde von Budt konkurrierenden Parteien zugleich auch die Bildung von Gewerkvereinen unternommen; einerseits auf Anregung von Schweitzers durch die Lassalleaner, andererseits von M. Hirsch und F. Duncker unter den Auspizien der Fortschrittspartei. Die letztern haben sich in mäßiger Stärke bis zur Gegenwart erhalten, während die Gewerkschaften der erstern Klasse durch das gegen die Sozialdemokratie gerichtete Gesetz vom 21. Okt. 1878 beseitigt worden sind. Durch dieses Gesetz wurde indes auch die nichtrevolutionäre, auf relativ berechtigte Ziele gerichtete A. in Deutschland ziemlich ins Stocken gebracht. Die Versuche zur Bildung einer sozialkonservativen oder christl.⸗sozialen Arbeiterpartei haben wenig Erfolg gehabt. Die Internationale Arbeiterassociation konnte in Deutschland keine gesetzliche Existenz haben, aber es fehlt ihr darum doch keineswegs an Anhängern. Insbesondere waren es die aus dem Schweitzerschen Arbeiterverein ausgetretenen Eisenachero»„F welche die ertremen Tendenzen der Führer jenes hinsichtlich seiner Macht stark überschätzten Bundes vertraten. Als der intellektuelle Gründer und Leiter der Internationale ist Karl Marx zu nennen, der schon 1847 in seinem gemeinschaftlich mit Engels erlassenen ckommunistischen Manifesty die Basis seines Programms von 1864 gegeben atte. Nach den Statuten der Association war der Zwec derselben, einen Mittelpunkt zu s affen für das Zusammenwirken der Arbeiter aller Länder im nteresse der Emanzipation und Hebung ihrer lasse. Ein Generalrat in London diente als Centralkorrespondenzbureau und suchte soviel wie möglich den einzelnen Vereinen (Sektionen und Föderationen) 3. des l Direktiven zu geben. Die Autorität des Generalrats war indes eine weit geringere, als seine Führer wünschten. Die Einzelvereine besaßen ihre volle Unabhängigkeit und waren nur zu einem geringen Beitrage an die gemeinschaftliche Kasse verpflichtet. Namentlich war die Haltung der franz. Internationale bis 1868 eine völlig selbständige und den Marxschen Anschauungen durchaus widersprechende. Der franz. Zweig vertrat damals nicht den Kommunismus, sondern den Proudhonschen Mutualismus, und erst nachdem die Regierung, die anfangs die Internationale für sich zu gewinnen suchte, SRn dieselbe eingeschritten war und dadurch den Rücktritt der alenn Führer veranlaßt hatte, erlangten die radikalern Elemente allmählich das Übergewicht. Der Anteil der Internationale an der Commune war übrigens nur gering. Die Erzählungen von den ungeheuern Summen, über welche der Bund verfügt habe, ge-Eae durchaus in das Reich der Fabel. Eine Zeitang versuchte er in großem Maßstabe Strikes zu organisieren, obwohl er dieses Mittel als ein gefährliches erklärte; aber die materiellen Unterstützungen, die den Strikenden durch Vermittelung der Internationale zuflossen, blieben immer sehr geringfügig und außer Verhältnis zu den Versprechungen. Am meisten Aufsehen erregte die Internationale durch 2— Kongresse, die alljährlich stattfinden sollten. Die erste dieser Versammlungen wurde 1866 in Genf abgehalten, und in den nächsten Jahren folgten die Kongresse in Lausanne, Brüssel und Basel (1869). Auf dem letzten wurde bereits die Abschaffung des privaten Grundeigentums beschlossen, wie denn überhaupt die weitere Abweichung nach links von Kongreß zu Kongreß deutlich hervortrat. Nach dem Deutsch-Französischen Kriege begann für die Internationale eine Periode des raschen Verfalls. In Frankreich wurde 1872 ein besonderes Gesetz gegen sie erlassen; aber auch ohne diese Maßregel würden die franz. Arbeiter in den ersten Jahren nach der Commune sich mehr mit der Wiederherstellung ihrer innern Organisation als mit den internationalen Beziehungen beschäftigt haben. Außerhalb Frankreichs aber führte der Gegensatz zwischen der von Marx geleiteten autoritativen Fraktion und der anarchistischen Partei, als deren Führer sich Bakunin (s. d.) aufwarf, zu einer offenen Spaltung der Internationale. Auf dem