Archon hieß in Athen nach dem Untergange des alten Königtums der höchste Staatsbeamte. Nach dem Tode des Königs Kodros (um 1068 v. Chr.) trat nach der gewöhnlichen Überlieferung ein verantwortlicher A. an die Spitze des Staats, der aus dem Geschlechte des Kodros .cbenen nach dem Rechte der Erstgeburt und auf Lebenszeit erwählt ward. Neuere Forschungen haben jedoch festgestellt, daß erst 752 v. Chr. die Adelsgeschlechter (Eupatriden) das Königtum abschafften und nun von je 10 zu 10 15 mht einen der Kodriden an die Spitze des Staats stellten. Im J. 712 wurde dann der Zutritt zur Herrschaft allen Eupatriden be sistg und 683 eine einjährige Dauer der Würde festgesetzt und ihre Macht unter neun Amtsgenossen, welche nunmehr Archonten hießen, verteilt. Die Reformen Solons Ahaste u allen Athenern, welche die oberste Steuerklasse bildeten, mochten dieselben Eupatriden oder Demoten sein, den Zutritt zu dem höchsten Staatsamte, und Aristides eröffnete denselben endlich 477 allen athenischen Bürgern ohne Unterschied des Vermögens. Wahrs 985955 477 v. Chr. trat an die Stelle der derhn das Los, bis anscheinend seit daßstolene der Römerherrschaft wieder die Wahl das Los ersetzte. Der erste der neun Archonten hieß vorzugsweise der «Archono, mit dem Beinamen Eponymos, weil nach seinem Namen in allen öffentlichen Urkunden das Jahr bezeichnet wurde. Derselbe stand formell an der Spitze des Gemeinwesens, präsidierte dem Rate und den Gemeindeversammlungen, hatte ferner die Leitung der Dionysosfeier und die Gerichtsbarkeit in allen Erbschaftsangelegenheiten und in andern in das Familienrecht eindchlagenden Prozessen. Der zweite A., welcher den Titel des Königs (Sceue) fortführte, verwaltete vorzugsweise die religiösen Angelegenheiten des Volks, womit in Verbindung stand, daß er auch die Anklage der Religionsfrevler und Mörder zu bewirken hatte. Der dritte A. führte von der Leitung des Kriegswesens, die ihm übertragen war (bis ihm seit der Zeit des Kleisthenes zehn Strategen zur Seite gestellt wurden), den Namen m In späterer Zeit hatte derselbe namentlich die Leichenfeierlichkeiten zu Ehren der im Kampfe gefallenen Krieger zu leiten und die Gerichtsbarkeit, welche Nichtbürger betraf. Die übrigen sechs Archonten hatten keine besondern Hoheitsrechte und wurden unter dem Namen der Thesmotheten, ein Name, den man bisweilen auch für alle Archonten gebrauchte, zusammengefaßt. Sie bildeten gewissermaßen ein besonderes Kollegium; ihnen lag die Gerichtsbarkeit (d. h. wie den drei ersten Archonten seit Perikles' Staatsleitung in der Regel nur die Voruntersuchung und Leitung des Prozesses vor dem Gericht, während das eigentliche Urteil die u. Pugzesen Gerichtshöfe fällten) so ziemlich in allen Prozessen ob, welche nicht ausdrücklich andern Beamten zugeteilt waren. Waren die Aronten gewählt, so Rot e sie sich einer doppelten Lsamtheit de dem Rat (der obvi) und vor der esamtheit der jährlich aus dem Volke ausgehobenen Geschworenen, zu unterwerfen, wobei sie insbesondere den Beweis zu führen hatten, daß ihre Vorfahren drei Generationen hindurch athenische Bürger gewesen, zugleich eidlich versichern mußten, die Staatsgesetze gewissenhaft beobachten zu wollen. Bei dem Austritt aus dem Amte mußten sie Rechenschaft über ihre Amtsführung ablegen und wurden wenn letztere tadellos gewesen, Mitglieder des Areopags. In der Zeit seit der Herrschaft der Römer in Griechenland tritt die Bedeutung der Archonten merklich zurück hinter der des Stadthauptmanns oder ersten Strategen. Nichtsdestoweniger stand doch in der Zeit, wo Griechenland seine polit. Selbständigkeit vollständig verloren hatte, die Archontenwürde in so m Ansehen, daß selbst einige Ehertraaen 1 gesinnte röm. Kaiser dieselbe sich gern übertragen ließen. Im Laufe des 5. ½— Jahrhunderts, nach Theodosius II., verschwindet mit andern Eigentümlichkeiten der alten athenischen Verfassung allmählich auch das Archontat. Im spätern byzant. ntn und zur Zeit der fränk. Herrschaft in Griechenland sind «Archonten) die griech. großen Grundherren oder Barone. Bei den Juden in der Diaspora (s. d.) hatte der Name A. verschiedene Bedeutungen. Auch wird er im Neuen Testament als griech. Ausdruck für Würdenträger in Die Mite gebraucht. Am häufigsten heißen so die Mitglieder des Sanhedrin. ei den Gnostikern wurden die der Welt entsprossenen Ronen oft mit dem Namen Archon00 belegt, hie. auch eine gnostische Sekte Arontiker hieß.