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ReligionBrockhaus 1882

Albert, Graf von Bollstädt, gewöhnlich A1bertus Magnus genannt, einer der gelehrtesten und kenntnisreichsten Männer des Mittelalters, wurde 1193 zu Lauingen in Schwaben geboren und, da er wegen seiner Schwächlichkeit zur kriegerischen Laufbahn nicht taugte, für den geistlichen Stand bestimmt. Nachdem er seine Studien in Padua beendet, trat er 1223 in den kurz vorher erst gegründeten Orden der Dominikaner, deren Obere ihn nach Deutschland sandten, wo er in verschiedenen Klöstern in Köln, Hildesheim, Freiburg, Regensburg und Straßburg lehrte. Den größten Teil seines Lebens brachte er in Köln zu, wo er zahlreiche und ausgezeichnete Schüler, wie vor allen Thomas von Aquino, bildete. Eine Zeitlang nahm A. auch den theol. Lehrstuhl der Dominikaner an der Universität r Paris ein, und hier soll er des ungemeinen Zurangs halber seine Vorträge unter freiem Himmel gehalten haben. Seit 1254 wirkte er als Provinzial seines Ordens in Deutschland. Als einige Jahre später der Haß der pariser Universität gegen die Dominikaner auf das heftigste ausbrach, sodaß sich 1256 Abgeordnete beider Parteien nach Rom wandten, errang A. durch seine Beredsamkeit den Sieg für den Orden und ward hierauf zum Lehrer der Theologie bei der päpstl. Kurie (Magister Palatii) ernannt. Papst Alexander IV. erhob ihn 1260 auf den Bischofsstuhl zu Regensburg, aber schon 1262 wirkte sich A. von dessen Nachfolger Urban IV. die Erlaubnis aus, den Bischofsstab niederlegen zu dürfen. Er kehrte als Lektor nach Köln zurück und widmete sich jetzt ganz den Wissenschaften. Als I und Ratgeber des Erzbischofs Konrad von Hochsteden soll er einen großen Anteil an dem Plane zur Erbauung des Kölner Doms 9—— haben. Er starb zu Köln 15. Nov. 1280, nachdem er schon einige Jahre vorher stumpfsinnig geworden war. Unter den Gelehrten des 13. Jahrh. besaß A. die vielseitigste Bildung, weshalb er von seinen Reinamelled wie auch von der Nachwelt mit dem einamen des Großen oder auch des Doctor universalis geehrt wurde. Doch unterscheidet er sich von den übrigen Scholastikern nicht sowohl durc) eine größere Energie selbständigen philos. Denkens, als vielmehr nur durch die ausgedehntere Fülle des mit großem Fleiße bearbeiteten Materials. Er war der erste, welcher im größern Maßstabe einerseits die mit dem Beginn des 13. Jahrh. bekannt werdenden Originalwerke des Rristoteles, andererseits die byzant., arab. und jüd. Kommentare benutzte und durch die erdrückende Macht dieser Stofffülle dem scholastischen Denken die Aristotelische Wendung gab. So ist A. der Hauptlehrer der Arisotelischen Philosophie und der Begründer ihres entscheidenden Ansehens geworden, obwohl er in der Auffassung derselben durchaus nicht originell, sondern wesentlich von seinen Quellen abhängig war. Bedeutender und selbständiger war er auf naturwissenschaftlichem Gebiete, wo er die Aristotelischen Untersuchungen durch eigene bereicherte und vervollständigte. Namentlich in der Botanik zeichnete er sich durch eingehende Forschungen aus. Seine für die damalige Zeit ungewöhnlichen Kenntnisse in der Physik, Chemie und Mechanik brachten ihn in den Verdacht der Zauberei, und vielfache Sagen haben sich in dieser Beziehung an seinen Namen geknüpft. Seine Schriften, die von Jammy, jedoch nicht vollständig, gesammelt (21 Bde., Lyon 1651) wurden, Ien das teils in Kommentaren zu den philos. Werken des Aristoteles, teils sind sie hysik., alchemist. und naturhistor. Inhalts. Eine ritische Ausgabe eines Teils der letztern haben unter dem Titel Alberti Magni de vegetabilibus libri VII, historiae naturalis pars XVIIIo Ernst Meyer und Karl dein (Berl. 1867) veranstaltet. Seine theol. Werke bestehen hauptsächlich in Auslegungen biblischer Bücher und Schriften dogmatischen Inhalts. Zu letztern zählt das «Compendium theologicae veritatiso (zuerst Nürnb. 1473), welches, wie viele andere Schriften A.s, in zahllosen Drucken aus dem 15. und der ersten Hälfte es 16. Jahrh. verbreitet worden ist. Dasselbe gilt auch von den apokryphen Schriften Liber secretorum Alberti Magni de virtutibus herbarumo etc. und De secretis mulierumo. Eine Übersetzung der erstern Schrift ist noch in neuester Zeit (Reutlingen 1871) erschienen. Vgl. Sighart, Albertus Magnus 5 (Regensb. 1857); Joel, «Verhältnis A.s d. Gr. u Moses Maimonides» (Bresl. 1863); Octave Assailly, «Albert le Grando (Par. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 334Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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