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TechnikBau-Lexikon 1881

Ablaß, m. (Wasserb.), 1. frz. décharge, f., égout, m., engl. out-let, Vorrichtung zur Verhütung des (durch Gewitterregen etc. bewirkten) Ueberlaufens von Flüssen, Kanälen etc., besonders oft in der Nähe der Einmündungen von kleineren Wasserläufen, A, in größere, BB (Fig. 18), nöthig. Man legt kurz oberhalb der Einmündung einen seitwärts einmündenden Kanal OO an oder man verbindet an den besonders gefährdeten Stellen den Fluß oder Kanal A A(Fig. 19) mit der zugehörigen Flutrinne BB durch einen solchen Zweigkanal CC. Die in diesen Zweigkanal, den Ablaßgraben, eingebauten oder demselben vorgebauten, oder auch im Hauptbett angelegten Ablässe D E, F G, H ermöglichen nun eine Regulirung des Wasserlaufs je nach Umständen. Man kann zunächst offene und verdeckte Ablässe unterscheiden. Zu den offenen Ablässen gehören die Ablaßschleußen D Eund F Gein Fig. 18 und 19. Diese werden aus Mauerwerk mit Cement oder hodraulischem Kaltmörtel hergestellt, durch Lehmrammung, Verheerdung oe. geschützt und für gewöhnlich mit beweglichen Schützen, Ablaßschützen, engl. sluice-board, versetzt. Bei plötzlich eintretender Gefahr kann es aber leicht vorkommen, daß die Schützen nicht zu rechter Zeit gezogen werden. Man sorgt daher oft dafür, daß das Wasser, wenn es bis zu einer geweder durch Ablaßwehre (E in Fig. 18 und 19) oder durch mechanische Vorrichtungen, wie z. B. Schwimmer, welche mit dem Wasser steigen und eine Schütze öffnen, oder Schleußenthüren, welche sich um eine horizontale Achse drehen, die nur wenig unter dem Normalwasserstand liegt, so daß beim Steigen über die bestimmte Höhe der Wasserdruck die Thüre öffnet, oder auch Kästen, in welche das Wasser einfließt, sobald es eine gewisse Höhe im Kanal überschreitet, und welche beim Niedersinken die Abflußklappe öffnen, oder durch verdeckte Ablässe, zu denen vor Allem die Ablaßducker (s. d.) gehören. Sνραο, v. WHr.] — 2. frz. saignée, f., empellement, m., palle, f., engl. sluice-board, sluice-stay, Vorrichtung zu völliger Entwässerung eines Teiches, Kanals etc., ähnlich der sub 1, oder in Form einer durch einen Zapfen verschließbaren Röhre (Mönch, frz. bonde), oder eines Ständers mit beweglichen kleinen Schützen etc. — 3. frz. Iancière, f., engl. léeat, auch Freifluter, Freigerinne, Freilauf, Leerlauf, Wüstengerinne, bei Wassertriebwerken dasjenige Gerinne oder auch das Wehr(Ablaßwehr), durch welches das ganze Betriebs- od. Aufschlagwasser fortgeführt werden kann, ohne den Motor zu berühren, also bes. wenn das Triebwerk reparirt werden oder überhaupt stillstehen soll; s. auch Ablaßgraben, Ablaßwehr und Abschlag.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 15Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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