Feedabschwefeln
NaturlehreBau-Lexikon 1881

abschwefeln, 1. frz. dépouiller du bitume, dessoutrer, engl. to clear of sulphur, to desulphurate, von Schwefeltheilen befreien. Steinkohlen und Erze werden abgeschwefelt, indem man durch nicht zu heftiges Erhitzen den Schwefel in Dampfform od. in Gestalt von schwefliger Säure daraus zu entfernen sucht. So hat man z. B. die Koaks „abgeschwefelte Steinkohlen“ genannt. — 2. Zuführen von Schwefeltheilen, frzsoukrer, engl. to impregwithsulphur. Geschieht z. B. mit Gips, welchen man zum Abformen benutzen will, indem man demselben vor dem Einrühren gepulverte Schwefelblumen beimengt; oder man schwefelt die bereits fertigen Abgüsse resp. Formen ab, indem man sie Schwefeldämpfen aussetzt. Ferner dient das A. mittels Schwefeldämpfen dazu, Theer-⸗ und Pechanstriche hart zu machen, z. B. bei Abtrittsschloten, oder man benutzt die Dämpfe des brennenden Schwefels, also die schweflige Säure, als Desinfektionsmittel, um üble Gerüche zu entfernen, z. B. zum Ausräuchern von Abtrittsschloten. Schließlich finden die Dämpfe des brennenden Schwefels auch noch Anwendung als Bleichmittel; sebleichen. Man hat dabei wohl zu unterscheidenzwischen den Dämpfen des unverbrannten und des verbrannten Schwefels. Im ersten Fall ist derselbe durch Erhitzung nur in Dampfform verwandelt oder fein zertheilt worden, ohne seiner chemischen Natur nach verändert zu sein; im zweiten Fall ist er durch stärkere Erhitzung entzündet und durch Aufnahme von athmosphärischem Sauerstoffoxydirt und in schweflige Säure umgewandelt worden, die in farblosen, nicht sichtbaren Dämpfen mit höchst stechendem Geruch entweicht. Die schweflige Säure hat großes Verlangen, Sauerstoff aufzunehmen u. sich in Schwefelsäure umzuwandeln; diese Eigenschaft wird zu Zerstörung von schlechten Gerüchen und organischen Farbstoffen benutzt etc.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 22Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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