Arbeiterkolonne, k. (Kriegsb.) Die Arbeiter für Schanzen- u. flüchtigen Sappenbau werden in Kolonnen formirt. Diese können einfache oder doppelte, halbgeschlossene Zugskolonnen sein. Jede Kolonne besteht aus einer Kompagnie Infanterie-Arbeiter, der 1 Ingenieur-Offizier, 3—4 Pionier-Unteroffiziere und 12 Pioniere beigebeben sind. Beim Bau in der Nähe des Feindes rücken die Arbeiter mit Gewehr aus. P½ε. Arbeiterwohnungen. In vielen Ländern schon hat der Mangel an wohlfeilen, kleinen und doch gesunden Familienwohnungen theils die Regierungen, theils Privatgesellschaften od. einzelne wohlhabende, mitleidige Leute vermocht, A. zu errichten. Man hat Preise für Lösung der dabei ins Spiel kommenden sehr schwierigen Frage ausgeschrieben und ertheilt. Dennoch kann die Frage gar nicht durch Aufstellung sogenannter Musterhäuser gelöst werden. Wenigstens können solche Muster nie zu allgemeiner Stichhaltigkeit durchgebildet werden. Ländern, ja oft in ganz nahe einander begegnenden Distrikten so verschieden, und ohne Berücksichtigung derselben ist ein Wohlbefinden der Arbeiter so unerreichbar, daß eine Schablone für A. in das Gebiet des Unsinns zu verweisen ist. Die verschiedenen Manieren, wie man die Frage bis jetzt zu lösen versucht hat, lassen sich in drei Hauptklassen bringen. 1. Arbeiterkolonie, frz. cité ouvrière; eine solche besteht aus kleinen Häuschen, welche dorfähnlich, also nicht dicht aneinander, höchstens in kleinen Gruppen, an Straßen entlang zusammengestellt sind; jedes derselben enthält dann Wohnungen für 2—4 Familien. Im ersteren Fall besteht das Gebäude blos aus Parterre u. Dach und enthält eine gemeinschaftliche Hausflur und zu jeder Seite derselben Stube, Kammer, Küche etc.; im zweiten wiederholt sich dieselbe Einrichtung nochmals oben. Besser ist es noch, die Häuser so einzurichten, daß jedes in 2—4 völlig getrennte Abtheilungen zerfällt, deren jede blos eine Wohnung erhält nud durch sofortigen Kauf oder allmähliche Abzahlungen in den Besitz des Abmiethers übergeht. 2. Arbeiterkasernen, d. h. große Gebäude, von einem Korridor durchzogen, an dessen Seiten sich die Wohnungen reihen. Diese Kasernen haben den Vorzug der leichteren Kontrollirung und der nahen Hülfe bei etwaigen Unglücksfällen, aber die Luft ist darin gewöhnlich ungesund und Streit zwischen den einzelnen Familien sehr leicht herbeigeführt. 3. Kleine Arbeiterhäuser, zwischen andere Wohnhäuser gestellt und zu 4—6 Wohnungen eingerichtet. Das Bestreben, bei Bietung sehr billiger Wohnungen dennoch eine leidliche Verzinsung des Baukapitals zu erzielen, hat dazu geführt, daß sehr viele Arbeiterkolonien eher mit Höhlen als mit menschlichen Wohnungen verglichen werden könnten und überdies konstruktiv schlecht gebaut sind. Damit erzeigt man den Leuten keine Wohlthat; soll der Zweck erreicht werden, so muß man an eine, wenn auch nur leidliche Verzinsung des Kapitals gar nicht denken. Einfach und ohne Luxus werden solche Wohnungen allemal gebaut werden müssen, aber folgende Regeln dürfen wegen der Sparsamkeit nicht verletzt werden: Arbeiterwohnungen müssen nämlich vor allem trocken, heiter, sonnig u. luftig gelegen sein, das Parterreniveau muß wenigstens um 4Stufen gegen die Straße erhöht liegen; Wohnstuben sind sämtlich nach Osten oder Süden zu legen: die Hausfluren, wenn gemeinschaftlich, müssen sehr geräumig sein u. gut gelüftet werden können, ohne daß geradezu Zugluft entsteht. An jedem Haus ist ein Schutzdach anzubringen, dessen Größe sich nach der Anzahl der im Haus unterzubringenden Familien richtet, damit dieselben nicht bei jedem Regenschauer genöthigt sind, in die Stube zu flüchten. Küche und Abtritt muß für jede Familie besonders da sein, gemeinschaftlich für mehrere Familien nehme man diese beiden Sachen nie an. Die Fensterbrüstungen seien nie zu niedrig, die Fenster so hoch wie möglich, aber nicht zu breit, oder wenn man die Fenster niedrig machen muß, bringe man gleich unter der Decke Ventilatoren an. Die Stubenöfen seien zum Kochen gänzlich unbenutzbar, damit kein Kochbrodem in die Stube komme; will man den Bewohnern Gelegenheit geben, an Brennmaterial zu sparen u. zu diesem Behuf den Stubenofen zum Kochen mit zu gebrauchen, so lasse man die Kochröhre durch die Wand nach der Küche zu sich öffnen; die Schlaftammer habe direktes Fenster ins Freie; hier wie in sämtlichen Räumen ist für genügende Ventilation zu sorgen.