FeedAstrich
TechnikBau-Lexikon 1881

Astrich, m., griech. ναανσν; lat. rudus, ostracites, stratum, astrea, astricum, astracum, frz. estrac, m., estrée, f., badigeon, m., engl. rubble, wash-floor, ital. calcinaccio, astrico, astraco, terrazgo, span. enlosado, astrago; Estrich, Tenne. Der Name N. ist jedenfalls aus astricum entstanden. Wo man feuersichern, möglichst fugenlosen, kühlen Fußboden haben will, pflegt man N. zu x legen; geschieht dies auf Balken, so muß eigentlich erst eine Bretlage auf die Balken kommen. Legt man ihn gleich auf den Fehlboden zwischen die Balken, so heißt er Schwebästrich, dabei muß aber der Fehlboden sehr fest an die! Balken befestigt sein. Hier folgen Vorschriften zu verschiedenen Arten von A. 1. Crockener Lehmästrich, frz. aire f. de repous, engl. earthen floor; der gehörig durchgearbeitete Lehm wird 40—45cm. dick aufgeschüttet, ausgeglichen, dann mehrere Stunden hinter einander eben getreten und hierauf für die fernere Bearbeitung mit einigen Bretern belegt. Auf diesen stehend, fangen die Arbeiter an, von einer Seite der Tenne nach der andern vorschreitend, dieselbe mit Pritschbläulen (s.d.)gehörigzu ebnen. Hierauf bleibt die Tenne 48 Stunden ruhig stehen, wird dann wieder mit dichten, gleichmäßigen Schlägen mit dem Dreschflegel bearbeitet, dann läßt man sie abermals 24 Stunden stehen, während welcher Zeit man blos die etwa hier und da sich zeigenden Risse zuschlägt. Nun wird auf eirca 5 am. je ein Eimer Rindsblut oder Theergalle ausgegossen u. Hammerschlag in diese Flüssigkeit gestreut, dann festgetreten und täglich noch eine Stunde lang geschlagen. 2. RKegelschubästrich, fast wie der vorige, nur ist die Lehmschlagschicht blos 20—30 em. stark und der Hammerschlag wird mit feingesiebtem weißen Sand od. mit Steinkohlenasche gemischt. 3. Nasse Tenne, nasser Thonästrich. Der Boden wird etwas über einen Fuß tief ausgehoben, dieser Raum mit kleinen Kieseln angefüllt, geebnet, möglichst festgestampft, mit einer 10 em. hohen Lage fetten Thones in kleinen Brocken überdeckt, wieder festgestampft und in Wasser verdünnter Thon. nach und nach darüber gegossen; die beim Trocknen entstehenden Risse werden zugeklopft, zuletzt wird die Tenne mehrmals bis zu vollkommener Beseitigung auch der kleinsten Risse mit einer von folgenden Mischungen gleichmäßig überpinselt: a. 1 Theil (nach Mäß) Rindsblut, 2 Theile Wasser und 2Theile Thon; b. 2 Theile Rindsblut, 1 Theil feingesiebter Hammerschlag und 2 Theile Pferdeurin. J. Gipsästrich, frz. aire f. en plätre, engl. plaster-floor, anstatt der Dielenböden, etwas eleganter und reinlicher als die vorigen, aber nicht so elastisch, auch nur da anzuwenden, wo der Gips wohlfeil ist. Auf die Fehlböden oder Staken zwischen den Balken wird Lehmästrich gleichmäßig aufgebracht; darauf, im untern Stockwerk direkt auf die Füllerde, wird eine dünne Lage trockenen Sandes gebracht; nun wird der Fußboden durch genau wägerecht gelegte Latten in Streifen von ungefähr 80em. Breite getheilt, d. feine Sand dazwischen nochmals, 2—4em tiefer als die Oberkante der Latten, sorgfältig geebnet, hierauf das so entstandene Becken vorsichtig mit dünn eingemachtem Gips übergossen und mit einer Lehrlatte glattgestrichen. Nach einer Viertelstunde, wo der Gips sich auszudehnen beginnt, wird die einfassende Latte weggenommen u das zweite Feld übergossen etc. Nach 24 Stunden wird der Guß mit Schlaghölzern geklopft, alle 5—6Stunden dies wiederholt u nach viermaliger Klopfung mit kleinen eisernen Kellen, den Glättkellen, geglättet. 5. Venetianischer Astrich, s. Battuta. 6. Signinum opus, römischer A., bei den Römern so gen., weil sie ihn aus Kalk und zerstoßenen Scherben bereiteten, wozu man am liebsten Scherben von in Signium gebrannten Töpfen nahm, da sich der Signinische Thon am besten dazu eignete. Die Italiener haben zum Theil diese Bereitungsweise beibehalten und legen den A. durch Färbung des Kalkes mit Sternen etc. aus, daher der Name Astricum, von dem unser A. abgeleitet ist. 7. Pompejanischer A. besteht in der Unterlage aus denselben Bestandtheilen wie der frühere, darauf wird eine 2 em. starke Lage Kalk, Gips und Flußsand (in ungefähr erbsengroßen Körnern) gegossen, und ehe diese ganz erhärtet ist, eine zweite Lage derselben Mischung, aber viel feiner; in diese werden Steinchen eingedrücktnach gewissen Mustern, so daß sie ungefähr ½ em. vorstehen; die Fläche dazwischen gießt man nun mit gefürbtem, ganz feinem Gipskalk aus, und zwar, wenn man verschiedenfarbige Felder haben will, theilt man diese durch hingelegte Leisten ab, die man 10 Minuten nach d. Aufgießen wieder wegnimmt, um das nächste Feld auszugießen. Ist dieser Guß halb trocken, so wird er mit Wasser übergossen und mit Steinplatten abgeschliffen. Wenn man die ganze Fläche mit regelmäßig gestalteten Steinen auslegt, so entsteht eine Mosaik, s. d. Art.; wenn man sie unregelmäßig bestreut, so nähert sich dieser A. der Battuta; s. d. Art. 8. Gipsästrich mit Streifen und Verzierungen. Man verfährt im ganzen, wie unter Jangeführt; da, wo Streifen und Verzierungen hinkommen sollen, legt man vor dem Gießen Leisten od. d. in Bret ausgeschnittenen Verzierungen hin; eine Viertelstunde nach geschehenem Aufguß des Gipses nimmt man die Breter etc. weg und gießt die Zwischenräume nun mit farbigem Gips aus. Wenn auch dieser angezogen hat, wird das Ganze geschlagen, nachdem Alles trocken ist, mit gewöhnlichen Tischlerhobeln abgehobelt und dann mit heißem Leinöl dreimal getränkt. Damit das Ol besser anziehe, werden flache eiserne Blechkasten mit glühenden Kohlen in geringe Entfernung vom Fußboden gehängt, den man zuletzt mit Blutstein polirt. 9. Russischer Rörtelästrich. Eine festgestampfte Aufschüttung von Steinen kommt zunächst auf den Grund. Trocken gelöschter Kalk wird ganz fein gesiebt, 1 Theil Kalkpulver mit 2 Theilen Kies gemischt u. mit möglichst wenig Rindsblut angefeuchtet, diese Mischung auf dem Boden ausgebreitet und unter fortgesetztem Anfeuchten gestampft, dabei“ auch immer von dem trockenen Gemisch zugestreut und so lange fortgestampft, bis der Astrich steinhart wird; soll die Fläche sehr fein werden, so nimmt man zur nächsten Lage 10 Theile feingesiebten Kalk, 1 Theil Roggenmehl, etwas Rindsblut, stampft dies zuzähem Mörtel, ebnet mit d. Kelle, wiederholt dies nach 24 Stunden u. fährt so fort, bis Alles trocken ist, worauf man es nochmals mit Rindsblutod. auch mit Olfarbe streicht. 10. Schwedischer Lehmästrich. Im ganzen wie 9., aber auf jede Lage wird frischgebrannter Gips aufgesiebt und dann die Lage festgestampft. 11. Asphaltäslrich, Asphalt I., II. III., IV. etc. 12. Steinkohlentheerästrich. Man kocht d. Steinkohlentheer so lange, bis ein hineingetauchtes Stückchen Holz sich ganz wie lackirtes Leder färbt. Dann rührt man zu 1Th. Theer 4 Th. erwärmten reinen Sand zu, gießt das Gemisch 1em. stark auf eine Unterlage von in Sand verlegtem Ziegelpflaster und ebnet es mit einem Richtscheit. „3. Cementästrich, s. Cement. Gewöhnlich bildet ein solcher A. mehrere Lagen, wovon d. unteren gröber sind, d. oberen immer feiner werden und endlich in ganz feinen Cementmörtel übergehen. 14. vitruvianischer A. Zuebener Erde wird der Boden, wo er nicht schon fest ist, sorgfältig festgestampft und man bringt direkt darauf die erste Lage —statumen — aus faustgroßen Steinen. In höheren Geschossen muß man darauf sehen, daß etwa unter dem bet. Fußboden stehende Scheidewände nicht ganz an denselben anstoßen, sondern er überall freihänge. Auf einer sorgfältig gemachten Bretunterlage (Fehlboden) wird das statumen aus eigroßen Steinen aufgetragen. ö Auf das statumen nun kommt ein Gemisch von Ziegelschutt und Kalk, bei neuem Material 3 Theile Brocken auf 1 Th. Kalk, bei schon gebrauchtem Material 5 Th. Brocken auf 2 Theile Kalk. Diese Masse wird ausgebreitet und gerammt, bis sie blos , ihrer ursprünglichen Dicke hat. Darauf kommt der Kern, eine Mischung von 3 Theilen Ziegelmehl und 2Theilen Kalk. Der ganze N. wird circa 15em. stark. Man kann ihn nun so lassen oder noch Platten darauf legen. ö 15. Vitruvianischer Astrich unter freiem Himmel, aufn dem festgerammten Boden oder auf einer doppelten Bretunterlage (für flache Dächer, Altane, Perrons etc.). Von l der Astrichmasse Nr. 14 nimmt man 3 Theile, dazu ! Theil gestoßener Mauerziegel. Von dieser Mischung werden 5Theile genommen und dazu 2 Theile Kalk gethan. Die so erlangte Mischung wird auf das statumen aufgetragen und gerammt, darauf wird der Kern wie in Nr. 14 aufgetragen und für das nöthige Gefälle gesorgt. Durch Tränkung mit Olhefen wird dieser A. vor Schäden durch Nässe u. Suose geschützt. Um noch sorgfältiger Zu verfahren, lege man Dachsteine über die Grundmasse so in Mörtel ein, daß alle Fugen oben zolltiefe Rinnen behalten, die man mit in Olangemachtem Kalkausgießtu. verstreicht darauf kommt dann erst der Kern. 16. Griechischer Astrich für Winterspeisezimmer nach Vitruv: Man gräbt unter dem Fußboden 0, m. tief aus, rammt den Boden fest und überzieht ihn entweder mit der Astrichmasse Nr. 14 oder pflastert ihn mit Ziegeln, mit so viel Gefälle, daß eine Abzugsrinne angebracht werden kann; darauf trägt man Kohlen, stampft diese fest, zieht einen Müörtel von grobem Sand, Kalkeu. Flugasche 15em. stark nach Richtschnur und Setzwäge darüber und schleift die Oberfläche mit einem Stein. Dieser A. ist schwarz, saugt alle darauf kommende Flüssigkeit gleich auf und erhält die Füße warm. 17. Lothringischer Cementästrich. 4s½ Theile nußgroßen Flußsands und ein Theil ganz frisch gelöschten Graukalks werden gleich nach dem Mischen auf die gepflasterte Unterlage schnell aufgetragen und nach 24 Stunden mit glatten Bretschlägeln überklopft; dies wird 8 Tage lang alle 24 Stunden wiederholt und zwar immer stärker geklopft, je fester derCement wird. 18. Der vorige verbessert. Nach dem ersten Klopfen übersiebt man den Boden mit einer dünnen Lage Ziegelmehl, nach dem zweiten K lopfen abermals mit ganz feinem Ziegelmehl, die folgenden Tage wird aber blos geklopft. 19.Brabanter oder Mastrichter Astrich. Kalkwird mit Steinkohlen gebrannt, dann naß gelöscht, aufgehackt, gehäufelt und 4 Wochen stehen gelassen; dies wird dreimal wiederholt; beim dritten Mal wird scharfer Sand und Ziegelbrocken höchstens haselnußgroß) hinzugemischt, die Masse wird tüchtig vermengt aufgetragen, mit einem Spachtel geklopft, mit Hammerschlag bestreut und dieser hineingeklopft. 20. Craßästrich. 3 Theile Kalk, 8 Theile Traß u. 6 Theile Kohlenasche werden mit Wasser zu einem zähen Brei angemacht, 20em. hoch aufgetragen u. bis auf 12cm. zusammengepocht; in die Oberfläche werden Kerben eingehauen, Eisenfeilspan und Kalkstaub aufgestreut und wieder gepocht. 21. Ochsenblutästrich. Man mischt hierzu den Kalk mit gestoßenen Ziegelsteinen und Ochsenblut, trägt dies 10 em. stark auf, schlägt es breit u. übergießt es nochmals mit derselben, aber dünner eingemachten Mischung. 22. Kalkgußästrich, frz. aire de chaux, engl. limewashfloor. Pro qm. werden je 10—111. frisch gebrannter Weißkalk, statt mit blosem Wasser, mit Flußsand gelöscht, der schon mit Wasser gesättigt worden ist. Diese Masse wird 2—3 cm. hoch aufgetragen und mit Streichplatten wie bei Nr 4 geebnet; während des Trocknens bilden sich Blasen, welche aufgestochen werden müssen. 23. Kalkkrumpenästrich. Von den beim Ablassen des gelöschten Kalkes im Kasten zurückbleibenden Brocken nimmt man 4 Theile, dazu 3 Theile Brocken ungebrannten Kalkes, 2 Theile Steinkohlenasche oder Sand. Mit dieser Mischung überträgt man den vorher geebneten u. gestampften Grund mindestens 8 em. hoch und gießt darauf so viel Kalkwasser, bis das Ganze zu schwimmen beginnt, wodurch sich von selbst eine wägerechte Fläche herstellt. Nach 4Tagen etwa, d. h., wenn es so weit trocken ist, daß man ohne einzusinken darauf treten kann, dabei aber der Fuß noch anklebt, werden Breter u u. von ihnen aus der N. tüchtig geklopft; dies wird nach 2Tagen wiederholt; nach abermals 2 Tagen kann man zum Schleifen mittels eines an eine Stane ge gebundenen Schleifsteins schreiten. 24. Astrich aus altem Mörtel, frz. aixe de récoupes. 2 Th. gelöschten Kalkes werden mit 3 Theilen Brocken von altem Kalkmörtelputz (von Haselnußgröße), 5Th. Sand u. 3 Th. Steinkohlenasche zu einem dicken Brei angemacht, aufgebracht und grob geebnet; nach eirea 4 Stunden wird das Ganze mit einem dünnflüssigen Brei aus 2 Th. Kalt, 3 Th. gesiebten alten Mörtels, 1 Th. Ziegelmehl u. 1 Th. Tünchsand übergossen, dann aber verfahren wie bei 23. 9 1 Weitere Vorschriften s. in Fink: Der Tüncher. Leipzig, Otto Spamer, 1866, Seite 174 ff.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 174Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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