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Bildende KunstBau-Lexikon 1881

Antikenerkennung, f. Bei dem hohen Werth, den die Antiken an sich selbst haben, und bei dem Umstand, daß viele Leute sich Antiken anschaffen wollen, die eigentlich nichts von der Kunst verstehen, giebt es, bes. in Italien, doch auch in Deutschland etc., eine Menge Leute, die scheinbare Antiken anfertigen, theils durch Nachahmung oder Abgießen alter Sachen, theils durch Fabriziren ganz neuer, die dann in den Schlamm des Meeres, eines Flusses oder einer Kloake auf einige Zeit gesteckt oder mit Säuren bearbeitet werden, so daß sie alt erscheinen. Durch solche nachgemachte Alterthümer ist nun schon Mancher um sein Geld gebracht worden, der sie nicht von den echten zu unterscheiden vermocht hat. Diese Unterscheidung auf die Form begründen zu wollen, ist unthunlich; manche sind nämlich in dieser Beziehung ganz sklavisch treu nach antikem Vorbild gearbeitet; andere, weniger treu nachgeahmt, gerade an den verrätherischen Stellen, wo man die Mängel entdecken könnte, z. B. an geknickten Gewandfalten, in den Weichen, Kniekehlen etc., ziemlich dick mit Koth bedeckt, oder der ebenfalls oft verrätherischen Extremitäten, Hände, Füße etc., beraubt, so daß in dieser Beziehung ein Erkennen der Verfälschung nur Dem möglich ist, welcher durch langjährige Bekanntschaft mit Antiken sich in ihre Form total eingelebt hat. Für Andere sind jedenfalls technische Erkennungszeichen viel zuverlässiger. Wir wollen die hier anzuführenden durchaus nicht als ganz untrüglich und allein richtig hinstellen, verbürgen auch keine Vollständigkeit für alle Fälle, sondern geben eben nur Das, was uns selbst die Erfahrung gelehrt. Bei Marmorarbeiten, die denn doch in der Regel etwas größer und auch sehr oft schon verstümmelt sind, wird sich stets irgend ein Plätzchen ausfindig machen lassen, wo man ohne Schaden für die Form ein Stückchen abbrechen kann; geht nun da die äußere scheinbar oder wirklich durch das Alter hervorgebrachte Veränderung der Farbe, Dichtigkeit etc. nicht weiter als 6ömin hinein in den Körper, so liegt eine Versälschung vor; weiter hinein wird sich dann auch die ursprüngliche Formation nach Kern, Farbe etc. des Steins erhalten haben, wie er aus dem Bruch kam. Da nun die Brüche, aus denen die Alten ihren Marmor bezogen, zum größten, bei weitem überwiegenden Theil verfallen od. sonst unbrauchbar und unzugänglich sind, so ist der antike Marmor, das heißt der zu den Antiken verwendete, jetzt nicht mehr zu haben, u. man kann an der Struktur des Steins dann sofort die Verfälschung erkennen. Die Kennzeichen der antiken Marmorarten s. u. d. Art. Marmor. Terracotten untersucht man ebenfalls durch Abbröckeln eines kleinen Theils auf ihre Verfälschung; die alten sind bei weitem feinkörniger und auf dem Bruch feuriger roth als die neuen; beim Feilen bekommt die antike Terracotte Glanz, die neue wird rauh und feilt sich leichter. Die Glätte der alten Terracotte ähnelt mehr der Glätte von mattgeschliffenem u. unpolirtem Marmor oder Metall, die der neuen ist lackähnlich oder sie sind gar nicht geglättet. Bei den rothen u. schwarzbemalten ist die Erkennung der Verfälschung noch leichter. Beide, alte u. neue, haben oft kleine Fehler in der Zeichnung, in der Orthographie etc., bei den neuen aber spielen diese Fehler ins Steife und Ungraziöse, bei den Alten tragen sie in der Regel das Gepräge der Nachlässigkeitsfehler, die bei neuen nur selten vorkommen; bei neuen ist häufig ein Kontour falsch eingeritzt, fehlt aber selten stückweise oder ganz, was bei alten sehr häufig vorkommt. Das Schwarz ist bei neuen oft etwas bläulicher als bei alten, wo es bes. nach den Winkeln hin ins Bräunliche überspielt. Dabei trägt die antike schwarze Farbe gar nicht auf, die neuere bildet eine allerdings manchmal ganz unbedeutende Erhöhung; die eingeritzten Kontouren sind auf alten Gefäßen meist erst nach Einbrennen der schwarzen Farbe gemacht und, wie scheint, mit einem vorn rundlichen Instrument. Bei nachgeahmten haben wir oft gefunden, daß ein spitzes Instrument dazu benutzt, auch hier und da unsicher geführt worden war; manchmal war auch das ganze Gefäß durch direktes Abformen eines antiken erhalten und der vertiefte Kontour also schon vor dem Brennen vorhanden gewesen, so daß die schwarze Farbe sich hier u. da hineingezogen hatte. Ein Tröpfchen Gummiarabicum-⸗Auflösung, auf ein neues Gefäß gebracht und schnell getrocknet, bringt die Abblätterung eines feinen Thonhäutchens hervor, bei alten nicht. Die hellen Terracotten betr., sind die alten in der Regel dichter und feinkörniger als neue. Die Stukkogegenstände der Alten sind etwas grauer und grobkörniger als die neueren; sie scheinen den Gipsmit Fluß- oder Meersand vermischt zu haben. Die Bronzen sind leicht durch den Grad ihrer Oxydation zu erkennen; eine langsam, durch Zeit und Wasser oxydirte Bronze sieht ganz anders aus als eine durch Säure schnell und gewaltsam orpdirte; . übr. d. Art. Bronze und Patina. MS.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 132Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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