Baluta, m., im Orient s. v. w. Judenviertel (s. d.). Bälbaum, m., s. v. w. Weide (s. d.). Balbide, f., griech. 5I5is, lat. eréeta, Auslaufslinie im Hippodrom; s. unter d. Art. Cirkus. — 2. Stufe. Baltke, f., s. Balken. Balcon oder Balkon, m., 1. frz. balcon, engl. balcony, ital. balcone, lat. balcones, m. pl., maenianum. Das Wort, schon 1357 vorkommend, stammt vom altdeutschen u. mittelalt. lat. baleho, Balken, nach einer frz. Theorie jedoch vom persischen balkhaum, Obergeschoß, Obertheil der Wohnung. Der B. ist ein an der Außenseite eines Gebäudes angebrachter unbedeckter Austritt, in der Regel vor einem zur Thür verlängerten Fenster des Hauptgeschosses gelegen, oder auch an mehreren, auch wohl vor der ganzen Façade sich hinziehend, und dann fortlaufender 3., Trompetergang, franz. méniane, f., engl. Iong balcony, trumpéeter's round gen. Meist ruht der Fußboden des B.s auf Tragsteinen, die in d. Mauer eingebunden u. m. Steinplatten überdeckt sind; wo Stein zu theuer ist, kann man schmiedeod. gußeiserne Träger anwenden u. mit Steinplatten oder Eisenplatten überdecken. Wenig Dauer bietet hölzerner Fußboden; wenigstens muß derselbe dann mit Zink oder anderem Metall belegt sein, jedenfalls muß er vom Haus abwärts etwas Fall erhalten u. etwas tiefer liegen als die Zimmerfußböden. Sehr zu verwerfen, obgleich leider noch immer hier und da angewendet, ist die Auflegung des Balconfußbodens auf zwei od.mehrere durch die Mauer gehende, durch Tragsteine unterstützte Geschoßbalken, welche dann sehr leicht abfaulen. Ein mit Geländer versehener Austritt über einer Vorhalle, einem Gartensalon oder auf Pfeilern und Säulen heißt nicht eigentlich B., sondern Altan. Man verwahrt die Umfassung des Bis mit durchbrochenen steinernen, eisernen oder hölzernen Geländern. Bedeckt nennt man ihn Erker (s. d.), und er geht dann mitunter durch mehrere Geschosse durch. Vgl. auch d. Art. Wallgang, Trompetergang rce. Man nennt auch die zwischen die Gewände von bis zum Fußboden verlängerten Fenstern eingesetzte durchbrochene Brüstung B., s. d. Art. Balconfenster 3. — 2. Früher hießen in Theatern die Prosceniumslogen B.s; jetztnennt man so die unterste Galerie, welche sich vor der ersten Logenreihe herumzieht. — 3. frz. galerie, engl. balcony, stern-gallery, auch Achtergalerie, f. (Schiffsb.), bei großen Schiffen ein unbedeckter Gang am Hintertheil des Schiffes. AS. Balronfenster, n, Söllerfenster, 1. frz. fenétre ouvrante sur en balcon, engl. baleony-window, ein Fenster, welches nach einem B. hinausgeht. — 2.Eigentlich Balconthüre, frz. Porte-eroisée, f., auf einen B. hinausführende Thüre, s. Balcon 1. — 3. fr. fenétre àbalcon, besser vielleicht Fensterbalcon zu nennen, ein Fenster, das bis zum Fußboden verlängert u miteinem kleinen, blos die Breite des Fensters habenden, wenig ausladenden Balcon versehen ist; die Tiefe eines solchen Balcons darf nie unter 50 em. von den Flügeln des Fensters aus sein, so daß man auch bei geschlossenen Flügeln bequem stehen kann, sonst verdient er den vielfach solchen Baleons gegebenen Spottnamen Quetschbalcon. Ein solches B. muß stets breiter als die daneben liegenden gewöhnlichen Fenster sein, weil es sonst, im Vergleich zu denselben, zu schlank wird; doch muß man es dann auch ganz abweichend v. den übrigen dekoriren u. womöglich das ganze Feld, das Balconfeld, als Risalit oder doch als besondern Theil der Façgade behandeln. Da durch solche B. sehr leicht Wasser und Kälte in das Zimmer dringt, durch das Einsetzen einer falschen Brüstung für den Winter aber der Balcon für die ganze Dauer des ersteren unbenutzbar wird, so kann man sich eben nur durch sehr sorgfältige Konstruktion der Thüre selbst schützen. MS. Baldachin, m., frz. baldaquin, m., früher baudequin, engl. baldachin, früher baudekyn, I. reichgestickter seidener Stoff, von Baldak, wie Babylon im Mittelalter hieß, oder von Bagdad, ital. baldaccho, so genannt, daher ein aus solchem Stoff hergestellter Prachthimmel, Prunkhimmel (s. d.), über einem Altar, Expositionsthron, Bischofsstuhl, Thron, Kanzel, Bett, Grab, Katafalk etc.; auch die Traghimmel, Frohndächer wurden so genannt, daher Manche das Wort B. von Walldach ableiten wollten, s. d. betr. Art., vgl. auch d. Art. B. in M. M. a. W. — 2. Nicht ganzkorrekt nennt man so auch die festen Altarüberbauten, s. d. Art. Ciborium und Altarüberbau. — 3. Das von Konsolen getragene Dächlein über einer Statue, s. d. Art. Obergehäuse. Balètre, f., frz., Gußgrat von bedeutender Höhe. Baléêvre, f., 1. Unebenheit der Mauerflucht, welcheentsteht, wenn ein windschiefer Stein über den benachbarten vorsteht, dafern der Vorstand gering und nur an der Fuge sichtbar ist; auch ausgesprungener Steinsplitter an einer Fuge. — 2. Unebenheitannicht genau passender Formnaht, nicht zu verwechseln mit balètre. Balg, m., 1. frz. gousse, engl. slough, eig. jeder hohle, weiche, zur Hülle eines andern dienende Körper. — 2. frz. sOufflet, m., engl. bellow, ital. mantice, implur. Bälge oder Balgen, s.v. w. Blasebalg (s. d.) u. Gebläse, d. h. der Raum, wo man die Luft, welche dem Feuer zugeführt werden soll, ansammelt u. verdichtet, damit sie dann in schneller Strömung auf das Feuer wirke. Bei den Kolbengebläsen, im Gegensatz zu der Art, wo Wasser die Stelle des Kolbens vertritt, ist die Kolbenbewegung entweder gradlinig oder absetzend kreisförmig; bei der ersten Gattung steht die Wandung des Balges fest, bei der kreisförmigen Bewegung aber besteht der Kolben sowie die zwei mit demselben unter einem spitzen Winkel zusammenstoßenden Wände aus Bretern, die anderen Wände hingegen aus einem mög— 55 dichten, aber biegsamen und in Falten gelegten Stoff. Während der einen Richtung der Bewegung öffnet sich eine Art von Ventilen, während eine andere Art sich schließt, u. zwar dienen diese beiden Arten dazu, um 1. äußere Luft in den luftleeren Raum des Balges einströmen zu lassen,2 diese Luft durch die Balgdeute (s. d.) dem Feuer zuzuführen. Wird nun die Luft nur bei der einen Richtung der Kolbenbewegung, d. h. nur auf einer Seite des Kolbens, eingesogen, ist also nur ein B. vorhanden, so heißt das Gebläse einfach wirkend; wird die Luft aber auf beiden Seiten des Kolbens abwechselnd, also bei beiden Richtungen der Kolbenbewegung eingesogen, resp. ausgestoßen, sind daher zwei Bälge angebracht,so heißt das Gebläse doppelt wirkend. Zu den Gebläsen mit geradliniger Kolbenbewegung gehört das Kasten- u. das Cylindergebläse, auch Windlade genannt, bei welchem sich in einem Kasten, resp. Cylinder, ein Kolben in derselben Weise bewegt, wie der Kolben im Cylinder der Dampfmaschine. Hier ist der bewegliche Kolben zum luftdichtern Verschluß mit einem Liderungsring versehen. Bei den ledernen Kastenbalgen ist hingegen der Kolben sehr häufig fest an dem gefalteten Mantel des Kastens; das ganze Gebläse hat die Form der Ziehharmonika, der Mantel legt sich zusammen, um die Luft auszustoßen. Bei den Spitzbalgen findet absetzend kreisförmige Bewegung statt, die Bälge haben mehr Ahnlichkeit mit den Blasebälgen in unseren Zimmern, bes. bei den ledernen Spitzbalgen, frz.souftlet de cuir, engl. Ieathern bellows. Bei den ganz hölzernen Spitzbalgen, auch Schwinderling, m., frz. soufflet pyramidal, s. à charnière, engl. wooden bellows, hat der Kasten ringsum feste Wände und die Gestalt eines Prisma von kreisausschnittförmigem Querschnitt; je nachdem sich nun der Kasten oder der Kolben um eine feste, in der scharfen Kante des Prisma angebrachte Achse dreht, unterscheidet man zwei Arten, und zwar heißt die letztere Art mit festem Kasten u. drehbarem Kolben auch Windholmgebläse— — Weisbach giebt im 3. Theil seiner Mechanik (S. 1009 und 1010) Abbildungen für doppeltwirkende Leder- u. Cylinderbälge; s. auch d. Art. Blasebalg und Gebläse. 418.) 3. Bei einer Orgel liegen gewöhnlich mehrere Bälge neben einander, welche den Wind gemeinschaftlich in einen Kanal blasen, der ihn der Orgel zuführt; man setzt die B. gewöhnlich durch als Hebel wirkende Balken, welche ein dazu bestimmter Mann (Balgtreter) tritt, in Bewegung, bei ganz kleinen Werken aber werden sie durch Riemen gezogen oder mittels einer Kurbel emporgehoben. Ms.