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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Baumaterial, n., fälschlich auch Baumaterialie, f., besser Baustoff, m., meist im Plural gebraucht, frz. matériaux m. Pl. de construction, altfrz., provinziell noch jetzt maréchaussée, f., engl. building-materials, lat. materiamen, weder an und für sich oder in Verbindung mit anderen, in ihrem natürlichen Zustand oder nach gehöriger Vorbereitung von Baugewerken zur Ausführung von Bauwerken verbraucht werden. Man theilt dieselben am besten in folgender Weise ein. A. Hanpimaterialien. J. Bausteine. Dieselben sind theils natürliche, theils künstliche. Näheres s. unter d. Art. Bausteine, sowie in den die einzelnen Steine betr. Artikeln. II. Bauholz. Ueber dessen Eintheilung re. ist in Art. Bauholz u. Holz das Nöthige nachzusehen, sowie in den die einzelnen Holzarten betr. Artikeln. III. Metalle. Von diesen gehören zu den Hauptmaterialien bes. Eisen, Kupfer u. Zink; s. d. betr. Art. B. verbindungsmaterialien. Es sind dies diejenigen Stoffe, die zu Bereitung der Kitte u. Mörtel gehören, also bes. der kohlensaure Kalk, soweit er nicht als Hauptmaterial dient, der schwefelsaure Kalk(Gips), die verschiedenen Arten Sand, Chamotte, Marmorstaub, Lehm, Thon, Aschenkalk, Puzzolane, Beton, Cement, Traß u. die verschiedenen aus diesen bereiteten Kitte, Mörtel u. Cemente, ferner auch einige als Kitte gebrauchte Metalle, z. B. Blei, Schwefel re., endlich einige Harze und harzähnliche Substanzen, z. B. Pech, Kolophonium, Gummi, Asphalt etc. C. Nebenmaterialien. Hierzu gehören die künstlichen Deckungsmaterialien, Dachpappe, Dachfilz, Holzeement; Leinwand; Kautschuk, Guttapertscha, Leder, Glas, Rohr, Stroh, Schilf, Flachsschäbe, Moos, Hanf, ferner alle zu Anstrichen od. Ueberzügen, Firnissen etc. dienenden Stoffe, darunter bes. viele Oele, Erden, Alkalien u.chemische Fabrikate, ferner Papier, Tapete etc., sowie viele Metalle u. Metalllegirungen, bes. aber viele Fabrikate aus Eisen, 3. B. Draht, Nägel re. D. Hülfsmaterialien. Unter diese rechnet man, außer Stroh, Heu, Bast, auch sämtliche Baugerüthschaften, Requisiten und Maschinen. Schon die blose Aufzählung der Materialien, namentlich der unter Bu. Obegriffenen, würde hier zu viel Raum in Anspruch nehmen. Alle nur irgend wichtigen unter denselben sind in besonderen Artikeln behandelt, u. vergleiche man daher die betr. Artikel. Die Wahl der passenden Materialien für jeden speziellen Einzelzweck, die genaue Prüfung der auf Bestellung an den Bau gelieferten Materialien in Bezug auf ihre Güte sowie die richtige Verwendung und Behandlung derselben sind sehr wichtig für die Festigkeit des Baues, u. daher ist die Baumaterialienkunde einer der wichtigsten Zweige der Bauwissenschaft, der aber, gleich den meisten anderen, nicht blos theoretisch durch Studium der technischen Mineralogie, Botanik u. Chemie, sondern auch praktisch durch Versuche re. erlernt werden muß, wenn man nicht in große Fehler und dadurch in peinliche Verlegenheiten gerathen will. Namentlich ist bei den schnellen Fortschritten, die die Naturwissenschaft jetzt macht, ein fortgesetztes Studium nöthig, um nicht in der Kenntnis der für das Bauen verwendbaren Materialien hinter der Zeit zurückzubleiben. Ms.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 306Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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