bleichen, akt. Z., frz. blanchir, engl. to bleach, to whiten, durch chemische Einwirkung (entweder durch künstliche Mittel oder mittels des Sonnenlichtes, der Luft und Feuchtigkeit) zahlreichen Produkten des Thier-u. Pflanzenreichs ihren Farbstoff entziehen. Nach den zu bleichenden Stoffen sind auch die Bleichmethoden sehr verschieden: A. Das Bleichen des Elfenbeins. 1. Man setze die gefärbten oder vergilbten Elfenbeingegenstände unter einer Glasglocke der Sonne aus, da sie ohne Glasdecke sehr leicht Risse bekommen, die nicht wieder wegzuschaffen sind. Wenn die Gegenstände stark gefärbt sind, bürstet man sie mit feingepulvertem Bimsstein und setzt sie noch naß unter Glas der Sonne aus; von Zeit zu Zeit müssen sie gewendet werden, damit alle Seiten gleichmäßig b.; soll es schnell gehen, wiederholt man das Bürsten mit dem Bimsstein und Wasser noch einigemal. — 2. Kleine oder dünne Stücke Elfenbein bleicht man, indem man sie über Kohlenfeuer erwärmt, in welches man etwas gepulverten Schwefel geworfen hat. Größere und dickere Stücke ertragen jedoch diese Erwärmung nicht, da sie leicht rissig werden, auch dabei die Politurfähigkeit verlieren; solche große Stücken kann man in ein Gefäß einschließen, welches man mit schwefelsaurem Gas anfüllt, auf dieselbe Art, wie man mit diesem Gas Wolle bleicht, od. man legt sie 2—4 Stunden lang in eine wässerige Lösung von schwefliger Säure. — 2. Man löscht durch Bespritzen mit Wasser 2 Hände voll Kalk, setzt dann drei Pinten (1,35 1.) Wasser zu und rührt dies unter einander, dann läßt man den Kalk 10 Minuten lang setzen, gießt das Wasser ab und läßt das Elfenbein 24 Stunden lang darin b.; hierauf wird es eine Stunde lang in Alaunwasser gekocht u. dann an der Luft getrocknet; macht ebenfalls politurunfähig. B. Das Bleichen des Oeles geschieht, indem man es in flachen Geschirren der Wirkung der Sonnenstrahlen aussetzt. Um das dabei eintretende Verdicken des Oeles zu umgehen, wäscht man das Oel lieber, d. h. man füllt es in Flaschen mit reinem Sand, worauf man durch öfteres Umschütteln die Absonderung der schleimigen Theile, die das Trocknen des Oels verhindern, bewirkt; s. übr. d. Art. Firniß, Leinöl, Oel re. C. Das Bleichen von Stroh bewirkt man durch Einweichen in heißem Wasser; nachdem man dies einige Tage fortgesetzt hat, legt man das Stroh in eine schwache Chlorkalklösung u. zieht es dann öfters durch eine schwache alkalische Lauge (Kali- od. Natronlauge). D. Bleichen des Körner- und Schellacks. Weil das Chlorgas sehr leicht die Natur des Lackes verändern kann, und auch die mit Chlor gebleichten Schellacke mehr matte und spröde Firnißüberzüge liefern, so ist diese Bleichmethode nicht zu empfehlen. Besser ist folgende: man vertheile ½ Pfd. starken Chlorkalk (s. d.) in 2 Pfd. Wasser, füge dieser Flüssigkeit so lange eine Lösung von ½ Pfd. Potasche in 1½ Pfd. Wasser hinzu, als noch ein Niederschlag, eine Trübung erfolgt (man braucht etwa ½ Pfd. der Potaschenlösung); sodann filtrire man die Flüssigkeit (Javelle'sche Lauge) ab. Diese vermischt man nach u. nach mit ½ Pfd. Schellack in 2 Pfd. Spiritus (90) und schüttelt gut um. Dann setzt man zu dieser Flüssigkeit verdünnte Salzsäure (1Th.Salzsäure, 8 Th. Wasser) unter fortwährendem Umrühren. Die Ausscheidung des schönsten weißen Lackes erfolgt sogleichG. Man wäscht nun den Lack einigemal mit kaltem, dann knetet man ihn mit heißem Wasser. Der auf diese Weise gebleichte Lack hat seidenartigen, sehr schönen weißen Glanz und löst sich in Spiritus leicht zu ganz farbloser Lösung. E. Wachs bleicht man, indem man das Wachs, in dünne Scheiben zerschnitten, der Sonne aussetzt und öfters mit Wasser begießt. ö F. Bleichen von Kupferstichen, Holzschnitten, Handzeichnungen 24. wobei auch Stockflecken vergehen. In einen möglichst großen Schwefelsäureballen mit weitem Hals bringe man ein Stück Phosphor, 7 cm. lang, 12 mi. stark u. so viel Wasser von ca. 30 C., daß der Phosphor halb bedeckt ist. Nachdem das Ganze, lose mit Kork verschlossen, im temperirten Lokal 12—18 Stdn. gestanden, wird der Kupferstich, mit destillirtem Wasser befeuchtet, aufgerollt hineingehängt und nie länger als 3 Tage darin gelassen. Wenn man die Papiere gleich darauf trocknet, werden sie brüchig und dunkeln schnell nach. Man bringt sie also in Wasser, erneuert dasselbe von Zeit zu Zeit, dis ein Lackmuspapier, an das Papier gedrückt, nur schwach geröthet wird; dann zieht man sie durch Wasser, welches mit einigen Tropfen Sodalösung versetzt ist, breitet sie auf Glastafeln aus und läßt 24 Stunden lang bei schwach geneigter Lage des Papiers Wasser in schwachem Strahl darüber rieseln; dann läßt man sie trocknen, bis sie ohne Gefahr des Zerreißens abgenommen werden können, u legt sie zum vollständigen Trocknen zwischen Filtrirpapier.