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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Bleikammer, f., 1. (Hüttenw.) frz. chambre f. de plomb, engl. chamber of lead, zur Schwefelsäurefabrikation dienende, 1000—1600 km. haltende Kästen, die inwendig durchgängig mit Bleiplatten ausgelegtsind. Diesen Kammern wird in langen Kanälen aus den hierzu bes. konstruirten Röstöfen (Kilns, Gerstenhöfersche Oefen), schweflige Säure zugeführt, und in den Kammern selbst mischt sich dieselbe mit Salpetersäure und Wasserdampf, wodurch die sogen. Kammersäure entsteht, welche meist 48 —50 Beaumé hat. Diese Kammersäure wird entweder direkt als solche verwendet (z. B.sehr viel zum Aufschließen der Düngemittel) oder zu 60e oder 66 konzentrirt. Bis zu 60° geschieht die Konzentration in der ersten Bleikammer, Vorkammer, frz. dénitrificateur, in Bleipfannen, von denen gewöhnlich 4—6 neben einander stehen; die weitere Konzentration muß in Platinkesseln stattfinden, da 66grädige Säure das Blei zerstören würde. Von der Anwendung von Glasretorten sowie der gußeisernen Kessel zu Herstellung der 66grädigen Säure ist man trotz des hohen Preises der Platinapparate neuerdings fast überall abgekommen. Ein Platinkessel zu 400 J. Inhalt wiegt ca. 62 kg. und kostet gegenwärtig ungefähr 43 000 Fres. Näheres darüber s. im Art. Schwefelsäurefabrikation. — 2. Gefängnis, Dachkammer unter den Bleidächern des Dogenpalastes in Venedig.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 411Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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