Blume, f. frz. fleur, f., engl. flower. ö A) Blumen als Ornament werden auch gleich den Blättern (vgl. d. Art. Blätter, Blatt u. Blattwerk) vielfach in der Architektur verwendet, u. zwar zumTheil in naturalistischer klassischen Stilen geschah, darüber s. d. Art. ägyptisch, assyrisch etc., und sei hier nur noch bemerkt, daß in den Ornamenten dieser Stile bes. Nymphäen und Lotos sowie Herakleen und Aronstäbe (s. Fig. 700) verwendet sind. Aus Vergleichung dieser Figur mit den Ornamenten jener Stile wird man sehen, daß die Stilisirung bei ihnen sehr weit, ja bis zum völligen Unterdrücken aller Erinnerung an die Natur unter den Schematismus ging. Die Griechen hielten bei Reliefdarstellung von Bin bei weitem fester an dem Vorbild der Natur. So zeigt Fig. 701a eine Sonnenrose, beeine Mohnblume nach griechischen Reliefornamenten; daß sie jedoch auch aus Blättern u. Früchten B.n zusammenstellten, zeigt dieaus Wein komponirte griechische 698. Fig. 699. lockwand. B. C, sowie die aus Maisdolden und einem nicht erkennbaren Blatt zusammengesetzte griechische B. e. Bei Verwendung der Bin im Fachornament trieben auch die Griechen die Stilisirung sehr weit; s. d. Art. griechischer Stil. Die Römer verfuhren noch willkürlicher bei Gestaltung ihrer Bin, indem sie die Bewegungen der Natur-— Fig. 700. Zu Art. Blume. blumen alterirten, ihre Form phantastisch umgestalteten und komponirten. Beispiele davon zeigen die römischen Ornamentblumen d f, g, h in unserer Figur, in denen man die Vorbilder nicht wieder zu erkennen vermag. Die mittelalterlichen Stile verfuhren bei Gestaltung der B.n gerade entgegengesetzt, indem sie dieselben in annähernd geometrische Form zu bringen suchten; so findet sich z. B. die Fuchsie, Fig. 702 in naturalistischer Weise gezeichnet, vielfach verwendetals Ornament,u.zwar in frühromanischnaturalistischer Behandlung nach Fig. 703, stilisirt an spätromanischen Werken nach Fig. 704, ja selbst ganz umgestaltet nach Fig. 705 und 706. Fig. 707 endlich zeigt eine gothische viertheilige B., entstanden aus Zusammenstellung stilisirter Epheublätter; s. d. Art. Rose, Kriechlume etc. Den Namen 6blume, frz. fleuron, m ührt noch besonders die Mittelblume des kor ömischen Kapitäls; s. d. Art. korinthisch und B. Blumen als Attribute und Embleme erhal legendarische Personen: Isis und Neitha eine Nymphäa; Horus ebenfalls Lotosblume oder auch den Heliotrop; Harpokrates Pfirsichblüten; Apis wird mit allerlei Bin bekränzt; Neptun mitSchilfdolden und Nymphäen, desgl. Amphitrite; Proserpina mit Narzissen; Ceres erhält neben den Aehren Feldblumen; Venus allerlei Bin, bes. Rosen; Vesta weiße Lilien; Minerva Olivenblüten; Bacchus wird bekanntlich mit Wein-⸗ od. Epheublättern bekränzt, denen auch Blüten beigefügt sind; Amor erhält Rosen; Hymen Majoran; die Faunen Rebenkränze; Sirenen, Tritonen und Nereiden erhalten Wasserblumen, ebenso die Flußgötter und Nymphen Ben von Flußpflanzen. Unter den Musen bekommt Erato Myrte und Rosen; die Grazien und Horen sowie die Zephyre bekommen Guirlanden von allerlei Bin; die Penaten Blan, die in der Umgebung der von ihnen beschützten Stadt bes. gedeihen; Somnus u. Morpheus Mohnblumen; Terminus und Flora erhalten allerlei B.n, Terminus bes. Feldblumen. In der christl. Kunst erhielt die heilige Dorotheg einen Rosenzweig oder auch Rosen in einem Körbchen, die heilige Rosa de Lima eine Rose mit aufgebrochener Stachelkrone; die heilige Rosa von Viterbo und die heilige Elisabeth Casilda erhalten Rosen in den Schöß; die heilige Rosalia hat einen weißen Roßenkranz auf dem Haupt; dem heiligen Angelus fallen Rosen und Lilien aus dem Mund; der heilige Hugo hält drei Bin in der Hand; den Leichnam der heiligen Sophronia bestreuen Vögel mit Bin etc. etc. Vgl. auch die Art. Blume, Lilie, Rose etc. in M. M. a. W. O. Blumen in allegorischer und symbolischer Bedeutung. Bei den Griechen waren Rosen, Jasmin und Lilien sowie andere rothe u. weiße Ben den Todten geweiht: Mohnblumen bedeuteten Schlaf, bestreuten sie die Lager beim Essen Zu Art. Blume. Fig. 705. Bin und warfen Bin auf den Weg und Herrscher. In der altchristlichen Zeit kommen Bin weniger vor als ganze Pflanzen und Zweige; im Mittelalter bildete sich eine förmliche Symbolik der Bin und Pflanzen aus, deren Kenntnis bis jetzt noch ziemlich beschränkt ist. Einiges darüber s. in d. Art. Pflanzen und Symbolik, sowie in M. M. a. W.