Blattwerk, n., frz. feuillage, m., engl. foliage, leaf-Work, heißen besonders in den mittelalterlichen Stilen die aus Blättern (s. d.) zusammengesetzten Verzierungen, in anderen Stilen häufig auch Laub- als Verzierungen für geschweifte Pilasterkapitäle, Sparrenköpfe Die Wahl der zu kopirenden Blät-Stil des Gebäudes und nennt vgl. d. Art.; bereits in der Antike verwendete lich stilisirte Blätter zu Besetzung von Gliedern, s. d. Art. Blätterstab u. Kapitäl. In den primitiven Stilen findet man das Blattwerk stets der Natur des betreffenden Landes ent- = nommen, so z. B. im ägyytischen Stil Lotos- und Palmblätter, im thus, Stechpalmen, Disteln, Lilien, im römischen Stil ähnlich. Die altchristliche Kunst folgte auch hierin der Antike. Verwendung fanden namentlich einzelne aufrecht stehende Blätter, meist von einheimischen Wasserpflanzen u. vom Akanthus entnommen an Kapitälen, an laufenden Gliedern bes. Olive, Ilex, Lorber, Wein, Petersilie u. Palme, je nach der Gegend. Im byzantinischen Stil kamen bes. Schilf, Seegras, Dattelpalme, Oliven 2c. vor, im arabischen Farnkraut, Schneckenklee, Heidekraut etc., im deutsch-romanischen und deutsch-gothischen Epheu, Eichen, Ahorn, Schell— 0 kraut, Stechapfel, Wein, Distel, Hopfen etc. Um die Art, wie man Blätter für die Verwendung zu stilisiren pf machen, geben wir hier eine Anzahl Beis 642, 643 Ahorn, in verschiedenen Graden Malve, beide vom Kölner Dom; Fig. 646 Dom zu Straßburg; Fig. 647 Wein, stili Wegerich, stilisirt, vom Kölner Dom, ne Fig. 649 Wein vom Kölner Dom; Fig. 650 und Fig. 651 vom Kölner Dom, so stark stilisirt, daß man das Original kaum wieder erkennt, welches bei Fig. 651 ein Eichenblatt war. Man vgl. auch die Art. Blatt, Blätterstab, Blume, Tudorblume u. viele andere. Viele dieser Blätter haben auch symbolische Bedeutungen‚ s. d. Art. Symbolik. — 2. An lange laufende Glieder stellt man die Blätter zwar auch einzeln neben einander, öfter aber vereinigt man sie, je nach der Fülle, die man dem Ornament zu geben wünscht, an einem Stengel, dem Wuchs der Pflanzen gemäß, zur lockern Ranke, die entweder ganz naturell behandelt od. durch ornamentale Schwingung des Stengels stark stilisirt wird, oder auch zur dichten querhängenden Guirlande, gewöhnlich Behänge gen., od. zur Wulst etc.; auch lockere, herabhängende Guirlanden, eigentliche Blumenbehänge, sowie Kränze, einzelne 3 gruppen etc. kommen vor. Kurz, die Gestaltung des B.s ist so un e man bekannt-gendes darüber geben läßt. Einzelne Andeutungen finden Fig. 648. Zu Art. Blattwerk. Fig. 649. flegt, einigermaßen anschaulich zu spiele: Fig. 640 Akeley; Fig. 641, üstilisirt; Fig. 644 Epheu und 645 Wein, naturalistisch behandelt im lisirt, vom Kölner Dom; Fig. 648 ebst beigezeichnetem Naturmuster; zweige, Blätter-sich noch in den Stilartikeln, sowie in den Art. Arabeske, gemein manch- Hlattzapfen, m., I. (Zimm.) eine Verbindungsform, dung kommt. ö 1. Bei Verlängerung sowohl liegender (Stoßung) als stehender Hölzer (Aufpfropfung, s. d.) wird der B., frz. entement par enfourchement, entweder einfach und gerade, oder mit Grat auf dem Stoß gestaltet; letzteren nennt man auch B. mit eingreifender Versatzung des Zapfens u. der Gabelblätter; s. Fig. 652. Richtiger würde diese Verbindung eigentlich Anscherung, Anschlitzung, der Zapfen selbst Schlitzzapfen od. Scherzapfen genannt. 2. Bei Verknüpfungen stehender mit liegenden Hölzern; Fig. 653 ist ein einfacher B. mit einseitiger Schere ohne Zu Art. Blattzapfen J. 1. Einlassen des Blattes in den Rahmen, Fig. 654 ein verlängerter doppelter B., Fig. 655 ein einfacher B.mit eingelassenem Blatt. II. Frz. pivot m. à patteé, engl. pivot with cheeks (Maschinenbau); diese besondere Art von Zapfen bei hölzernen Wellen an Wellrädern oder oberschlächtigen Wasserrädern besteht, meist von Gußeisen aus einem Stück angefertigt, aus 3 unterscheidbaren Theilen: dem eigentlichen, rund abgedrehten Zapfen, einem sich vom eigentlichen Zapfen aus nach hinten schlank verjüngenden Kegel und aus zwei an diesen Kegel angesetzten, in einer Ebene liegenden oder vier kreuzförmig gestellten Flügeln, wonach man zwei- und vierblätterige Flügelzapfen unterscheidet. Diese Blätter od. Flügel, frz. pattées, branches, f., engl. cheeks, arms, nehmen vom Kegel aus in der Dicke etwas ab. In die Welle werden Vertiefungen zu Aufnahme der Flügel u. des Kegels eingeschnitten und dann diese Theile eingetrieben, der Spielraum mit dem Holz hierauf verkeilt und endlich ein schmiedeeiserner Ring um die Welle gelegt. Für hölzerne Wellen von geringerem Durchmesser u. geringerer Widerstandsleistung genügt der Hakenzapfen (s. d.); für solche von größerem Durchmesser wendet man Flügelzapfen mit 4rechtwinklig aufeinander stehenden Blättern oder besser noch Ringzapfen an, die außerdem noch einen dicken Ring angegossen erhalten. Sco.