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TierreichBau-Lexikon 1881

Buhne, 1. (Wasserb.), Zuhn, Zaune, Benne, f., auch Abweiser, m., Stach, n., Stacke, Schlange, Aribbe, Krippe, Schlechte, f., Packwerk, Flügel etc., frz. Clayonnage, m., créche, f., éperon, m. (im Fluß: quai en fleuve), engl. groin, dikedam (im Fluß: wharf, quay, dam-dike in a river), heißt ein vom Ufer in das Wasser hervorragender, dammartiger Bau von Pfählen, Faschinen od. Mauerwerk, welcher den Lauf der Strombahn vom Ufer abweist, um den Stoß des Stromes vom Ufer abzuleiten. Sie werden eingetheilt in angreifende, d. h. solche, welche die Normalbreite des Stromes schmälern, u. beschützende, welche eben blos das Ufer vor Beschädigung durch den Strom behüten. A. Eintheilung nach dem Zweck. a) Schutzbuhnen oder Abweiser zu Beschirmung des Ufers. Vorspringende Uferstellen können als solche benutzt werden, man muß sie aber nöthigenfalls durch Vorstreckung vor Abspülungen re. schützen. Bei Beschädigung geradliniger od. eingebogener Ufer untersuche man erst den Stromstrich; ist derselbe noch normal, d. h. in der Mitte des Bettes, sogenügtzu Wiederherstellung des Rasens eine Anpflanzung, s. Anhägerung; liegt aber der Stromstrich zu nahe am angegriffenen Ufer, so lege man eine Schutzbuhne an. Dieselbe darf den Strom nicht bis an das jenseitige Ufer treiben und letzterem nicht so nahe kommen, daß die Normalbreite des Stromes verengt werde. Diese Normalbreite bestimmt, vom gegenseitigen Ufer aus gemessen, die äußerste Spitze der B., welche stromabwärts gekehrt wird. Ist das beschädigte Ufer (Schartufer) lang, so muß man zwei oder mehrere Schutzbuhnen anlegen. Kurzen u.tiefen Einrissen legt man blos ein Packwerk in der Höhe des Tiefwassers bogenförmig vor, und der Strom selbst wird das dahinter liegende Loch verschlicken. P) Treibbuhnen, welche die Stromkraft so lenken, daß Inseln, Sandbänke od. Stücke des gegenüberliegenden Ufers, Landzungen re. weggerissen werden sollen. Die Treibbuhnen bilden einen bei weitem stumpferen Winkel mit der Strombahn als die Schutzbuhnen, müssen aber auch stärker u. stets etwas stromaufwärts vor dem wegzureißenden, gegenüberliegenden Land angelegt werden; ein Stück stromabwärts legt man eine zweite an, fast normal gegen den Stromstrich, welche das durch die erste abgerissene Erdreich am Ansetzen hindert, welche man aber eingehen läßt, sobald der Zweck erreicht ist. Inseln, Hägeree. schafft man durch an beiden Ufern angelegte Treibbuhnen fort. c) Fangbuhnen sollen blos anhägern, ohne, gleich den Treibbuhnen, den Strom an das jenseitige Ufer zu leiten; sie müssen also den Strom möglichst zertheilen und nicht vom Ufer zu sehr abweisen; man macht sie daher in der Regel in Gestalt eines Quadranten mit stromabwärts gekehrter Spitze. Diese Fangbuhnen müssen über das Wasser vorragen, sonst stürzt dasselbe über sie weg, und es entstehen Kölke (Höhlungen) hinter den Bin statt der gewünschten Anhägerungen. d) Die Ankerbuhnen oder Pfeilbuhnen dienen dazu, Inseln etc. stromaufwärts zu verlängern. e) Schöpfbuhnen oder Spaltbuhnen werden mit dem Kopf stromaufwärts gesetzt und fangen so das Wasser auf; sie dienen dazu, verschlämmte Stromarme aufzuräumen oder auch Kanäle zu vertiefen, indem sie das Wasser in die gewünschte Richtung leiten. Alle B.n, die etwas am Ufer zu decken haben, also alle, exel. der Treibbuhnen, müssen dieselbe Höhe wie die Ufer haben, oder mindestens den gewöhnlichen Hochwasserstand erreichen. Wenn sie sich senken, was in der Regel ein pär Jahre lang fortgeht, so werden sie mit neuen Hauben belegt. Die Breite macht man bei großen Bin meist gleich der Höhe, bei kleinen mindestens gleich einer Faschinenlänge. B. Andere Eintheilungsweise. a) Richtbuhnen od. Leit. buhnen, welche die Stromrichtung bestimmen (sind Schutz⸗-, Treib- u. Schöpfbuhnen). b) Bildungsbuhnen sind Fangu. Anhägerungsbuhnen, Verlandungsbuhnen u. auch die Schutzbuhnen gewissermaßen. e) Rauschbuhnen sind einander gegenüber angelegte Treibbuhnen, welche den Strom einengen u. dadurch tiefer machen. d) Winkel⸗ und Bogenbuhnen, zu vollständiger Schließung eines Einrisses. C. Nach den Materialien unterscheidet man: a) Faschinenbuhnen, sie gehen ca. m. in das Ufer hinein, bestehen aus Vorleg-u. Bundfaschinen, alle 50—85em. weit verpfählt, mit Erde u. Rasen belegt, mit Weiden u. Erlen bepflanzt. b) Steinbuhnen haben eine blos durch Einwerfen von Steinen gebildete Grundlage und eine gewölbartig regelmäßig überlegte Krone. e) Erdbuhnen müssen durch Spundwände gesichert sein. D. Theile der Buhnen: Wurzel oder Sohle heißt die Grundlage, Kopf das äußerste Ende, Krone, Kamm oder Rücken die obere, gewöhnlich konvexe Fläche, welche nie unter 2¼ m. breit sein darf, die Strichseite die stromaufwärts gerichtete Seite, die andere Rückseite. Als Mittel zu Stromregulirung werden Bin in Sachsen u. Bayern gar nicht mehr, im übrigen Süddeutschland nur selten noch angewendet, da die Erfahrung gelehrt hat, daß sie den Zweck jeder Regulirung: möglichst gleichmäßigen Verlauf des Wassers, nicht erfüllen, sondern genau das Gegentheil: Kolkungen, Wirbel etc. Dagegen haben sich Parallelwerke (s. d.) trefflich bewährt. Rhein und Elbe haben nur die letzteren v. Wag. 2. (Mühlb.) Ben heißen auch die hölzernen Kais und Holzgerüste mit Bohlenbeleg am Mühlengerinne re., daher abbuhnen, s. v. w. bühnen (s. d.). — 3. (Schiffb.) B. eines Fischerkahnes, frz. vivier, m., engl. well, Behältnis in der Mitte des Kahns, zu Aufnahme der Fische. Der Boden des Kahns ist an dieser Stelle durchlöchert, aber dieselbe mit dicht kalfaterten Planken umgeben. — 4. Bin, frz. bordigue, f. engl. crawl, zum Fischfang bestimmte Einhegung am Meeresufer. — 5. Hof zu Aufbewahrung ausgeladener Güter bis zu deren Unterbringung im Speicher.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 549Scan: Getty Research Institute (Internet Archive) · gemeinfrei

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