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NaturlehreBrockhaus 1882

Arsen, Arsenik, Fliegenstein, Scherbenkobalt, Cobaltum (chem. Daden As; Atomgewicht 75); ein zu den Metalloiden ezählter eusacher Körper, welcher der Reihe Stickstoff, Phosphor, A., Antimon angehört und einerseits viele Eigenschaften des Phosphors teilt, andererseits aber dem Antimon sehr ähnlich ist. Es kommt in der Natur gediegen vor, namentlich auf Gängen im krystalaber in Verbindung mit Schwefel oder Sauerstoff und andern Körpern. Die wichtigsten Arsenikalien sind weseleren Mispickel, Giftkies, Arsenschwefeleisen FeAss und Arsenikalkies, Arseneisen von der Zusammensetzung FeAs, und Fer As3. Außerdem ist es Bestandteil einer großen Anzahl von Mineralien, die jedoch für die Arsenindustrie von keinem Belang sind, und findet sich endlich, allerdings in nur unmerk ich kleinen Mengen, ungemein verbreitet, viel mehr als man dies Hhen Haturithen Nan So hat man es in sehr vielen natürlichen Mineralwässern und den sich daraus abscheidenden Niederschlägen, in der Ackerkrume, im lußschlamm, in Steinko len, ja selbst in manchen Pflanzen nachgewiesen; fast alle Schwefelkiese enthalten A., aus diesen geht es in die daraus dargestellte Schwefelsäure über und durch letztere, wenn sie nicht durch ein umständliches Firert nre gereinigt wurde, in alle direkt oder indirekt daraus dargestellten Fabrikate; da Ars ensäure sehr vielfach (wiewohl nicht immer) zur Fabrikation der Anilinfarben (s. d.) gebraucht wird, so ist bei deren Verwendung zum Färben von Nahrungsmitteln Vorsicht geboten. Das A. des Handels ist entweder gediegen oder aus Arsenkies und Arsenikalkies durch starke Erhitzung abgeschieden, wobei ersterer Einfach-Schwefeleisen, letzterer Einfach-Arseneisen zurückläßt. Bei der vorzugsweise in Reichenstein in Schlesien ausgeführten Fabrikation wird das Erz in thönernen, 60—70 em langen, 13—18 em weiten, am hintern Ende geschlossenen Röhren, die zu 26—26 Stück horizontal in einen Ofen gelagert sind und durch ein gemeins chaftliches Feuer erhitzt werden, stark geglüht; in den vordern, krystallinische Masse an der Oberfläche des Eisenblechs verdichtet und wird durch Aufrollen und Abpochen losgelöst, zum Teil als grauschwarzes Pulver an der kältern Wandung der Röhre oder in der Vorlage; nur das krystallinische A. wird in den shicun gebracht, das 3—5 wird der nächsten Bechickung beigefügt. Die 26 Röhren eines Ofens fassen etwa 250 kg und liefern durchschnittlich 50 kg A. Das reine A. tritt in verschiedenen Modifikationen auf. Bei der Sublimation erhält man dasselbe, wenn die Dämpfe nicht weit unter der Dampfbildungstemperatur verdichtet werden, als bläulich weiße, krystallinische oder rhombosdrisch krystallisierte Masfe von 5,2rs spezifischem Gewicht; läßt man A. in einem Strom eines indifferenten Gases, wie Wasserstoff, in einem Rohre verdampfen, so scheidet sich an der erhitzten Stelle zunächst etwas krystallistertes A. ab, in etwas weiterer Entphes 20 agert sich glasglänzendes, schwarzes, amorphes A. als kompakte Schicht von 4 spezifischem Gewicht ab, in dem kältesten Teil der Röhre findet sich dann noch A. in Form eines grauen Pulvers von 4,71 ů ezifischem Gewicht, welches mikroskopisch als aus kleinen, reihenförmig zusammenhängenden Körperchen bestehend erscheint; es ist wohl wahrscheinlich, daß das graue Pulver und das schwarze amorphe A. identisch sind, beide gehen, wenn sie auf eine Temperatur von 360˙ C. erhitzt werden, lihen unter starker Wärmeentwickelung in gewöhniches kry tallinisches A. über. Der Arsendampf hat gelbe Farbe, eigentümlich knoblauchartigen Geruch (charakteristisches Erkennungsmittel) und 10,2 spezifisches Gewicht. Unter gewöhnlichem Druck verdampft es, ohne zu schmelzen, unter starkem Druck wird es in hoher Temperatur flüssig. An —. 3 Luft orydiert sich A., das krystallinische rascher als das schwarze 1 Schicht und überzie ich dabei mit einer grauen Schicht von sog. Arsenuboxyd, in trockener Luft kann es auf 80—90 C. erwärmt werden, ohne sich zu verändern, in höherer Temperatur verbrennt es zu arseniger Säure, die ich in Form eines weißen, krystallinischen leicht flüchtigen Beschlags an kältern Stellen abla ert; n Sauerstoff verbrennt es unter lebhafter Lichterscheinung. Im gepulverten Zustande in Chlorgas eingetragen entzündet es sich, Ehlo erwärmt worden zu sein, und verbrennt zu C lorarsen. Salpetersäure oxydiert es zu arseniger und Iur arsenige Schwefelsäure bildet bei hoher Temperatur ar enige Säure und schweflige Säure; von shmelhenden Alkalih draten wird es unter Wassersto entwickelung zu arsenigsaurem Alkali oxydiert; mit chmelzendem Salpeter verpufft es; Gemenge von A. und chlorsaurem Kali detonieren durch Stoß. Es lost sich in fetten Olen beim Erwärmen, ist in Alkohol und Ather unlöslich. Da das Atomgewicht des A. 75, sein Molekulargewicht aber 300 . o enthält ein Molekłul demna 4 Atome A.; A. ist fünfwertig. Bezüglich der Arsen-Verbindungen ist zunächst zu bemerken, daß A. in den meisten seiner Verbindungen dem Antimon äußerst ähnlich ist; wie dieses bildet es zwei Reihen von Verbindungen, die eine, in der alle fünf Affinitäten des A. gesättigt sind, die andere, in der nur drei Verwandtschaftseinheiten gesättigt sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 8Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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