FeedAther
NaturlehreBrockhaus 1882

Ather, gewöhnlicher, Athyläther, Athyl-C.HI10O wurde 1540 von Valerius Cordus zuerst dargestellt und Oleum vitrioli dulcis genannt. Derselbe entsteht, indem konzentrierte Schwefelsäure bei einer Temperatur von 130—140 C. auf starken iudende Bor wirkt. Der bei der Atherbildung stattfindende Vor uTenern in zwei Phasen. Schon bei Wrebr er emperatur und noch energischer bei höhern Wärmegraden findet Anhydridbildung felsat aus 1 Molekül Alkohol und 1 Molekül Schweelsäure treten die Elemente von 1 Molekül Wasser aus, es entsteht der saure Athyläther der S werel säure, Atherschwefelsäureoder Athylschwefelsäure nach der Gleichung: irkt dann auf die Atherschwefelsäure ein zweites Molekül Alkohol, so entsteht nicht Diäth Ichwefelsäure, sondern bie in der Atherschwefelsäure enthaltene dem Athnl 6 00½ H, tritt aus und vereint sich mit dem Athyl C.Hs des onols a zu A., während die OH-Gruppe des Alkohols an die Stelle der ausgetretenen 00He-Gruppe tritt und somit die S006. regeneriert: Faßt man beide Zersetzun kanten in eine Gleichung zusammen, so würde diese auten: Hieraus erhellt aber, daß ein und dieselbe Menge von Schwefelsäure im Stande sein muß, unbegrenzt große Mengen von Alkohol in A. zu verwandeln, und daß als Reaktionsprodukte nur A. und Waffer gebildet werden. Bei der Ausführung rern a sich aber der Prozeß etwas abweichend, insofern als ein Teil des Wassers durch die große Affinität der Schwefelsäure bei dieser zurückgehalten wird, wodurch schließlich ein Verdünnungsgrad eintritt, bei welchem Säure und Alkohol nur noch mangelhaft aufeinander reagieren; versucht man durch eine Steigerung der Temperatur die Schwefreien, von dem beltand ein, 50 Wasser zu bereien, so tritt der Ubelstand ein, daß die Säure bei der dazu erforderlichen Temperatur zerstörend unter Abscheidung von Kohle auf den Alkohol wirkt, wobei dann die Kohle wieder Zersetzung der Schwefelsäure zu schwefliger Säure hervorruft. Zur Darstellung des A. im großen dient der in beistehender Figur dargestellte Apparat: A ist eine aus Blei gegossene Destillierblase von etwa O,m Durchmesser und 0,6m Höhe, in dieselbe bringt man 5 Teile Alkohol von 90° Tr. und führt unter kräftigem Umrühren langsam 9 Teile konzentrierte Schwefelsäure von 66 B. hinzu; das Gemisch darf den Inhalt der Blase 95 stens zu Dreiviertel erfüllen. Die .½ ist so eingerichtet, daß die Heizöffnung durch eine massive Mauer von dem Destillationsraum getrennt ist; letzterer sollte bei Nacht durch in der Wand angebrachte, nur von außen zu öffnende Laternen beleuchtet werden; jedes Betreten des Raums mit offenem Lichte ist unbedingt zu vermeiden, um Feuersgefahr auszin chließen. Die Blase ist en Aasaaef Helm D mit dem in einem geräumigen . dung beginnt, wenn das in den In-Vösesnes halt der Blase tauchende Thermometer 125 C. zeigt, man steigert dann die Wärme noch bis zu 135 und sorgt durch vorsichtige Regulierung des Feuers dafür, daß die Flüssigkeit nie heißer als höchstens 140 werde und daß ihre Wärme nie unter 130“ sinke, weil erfahrungsgemäß erwiesen ist, daß der Atherbildungsprozeß innerhalb dieser Temperaturgrenzen am Watnon rn verläuft. Sobald die Flüssigkeit eine rme von 135. C. erreicht hat, läßt man durch das bleierne Trichterrohr a aus dem auf einem Gerüst ruhenden Fasse C Alkohol von 90 Tr. zufließen und reguliert den Zulauf des Alkohols so, daß betändig eine dem ubergehenden Destillat gleiche enge von Alkohol in die Blase fließt. Das Vorlegefaß G füllt sich nach und nach mit Destillat, erkennbar an dem daran angebrachten * igkeitsstandzeiger h; obald dies erfolgt, wird die Gaskeit durch den Hahn i in große starkwandige Glas⸗ + abgezapft. Beim je esmaligen Entleeren der Vorlage fließt zuerst eine wässerige 1e keit, welche man für 30 auffängt, und auf diese folgt eine viel dünnere, leichtere Schicht, der rohe A.; die Mengen beider mnahernd in stehen bei richtig geleitetem u annähernd im Verhältnis von 1 Volumen zu 4 Bolumen. Gegen Ende, bei abnehmender Wirkungsfähigkeit der Säure, nähern sich diese dasDezillat eine mehr und mehr und endlich bildet das Destillat eine gleichmäßige Flüssigkeit, in welcher Wasser und A. durch den unzerse tübergehenden Alkohol gelöst sind. Damit ist die Beenbtgung der sonst Tag und Nacht ununterbrochen fortzusetzenden Operation an Kobe Der rohe A. enthält urch Wasser und Alkohol gelöst und ist meist dur schweflige Säure verunreinigt. Um ihn hiervon zu befreien, versetzt man ihn zunächst in Tolumen en starken Flaschen mit seinem leichen Volumen asser, dem etwas Kalkmilch zugefügt 2 und schüttelt kräftig um, wobei das Was er den Alkohol aufnimmt und der Kalk die schweflige Säure bindet. Den auf dem Wasser schwimmenden A. zieht man mittels eines Hebers ab und rektifiziert ihn durch Destillation über Chlorcalcium. Letztere Operation Sorgfalt auszuführen. Die Erwärmung des Destillationsapparats ist nur durch warmes Wasser zu bewirken, durch den Kondensator ist ein starker Strom von möglichst kaltem Wasser zu führen. Der so gewonnene A. ist für alle pharmaceutischen Verwendungen genügend rein, obgleich er noch Spuren von Wasser und Alkohol enthält. Will man ihm diese entziehen, wie es für einzelne chem. Zwecke erforderlich ist, so bringt man den A. mit zu feinen Scheiben zerschnittenem Natriummetalle zusammen; letzteres wird dabei durch das Wasser zu Natronhydrat, beides unter Freiwerden von Wasserstoff. Die Wasserstoffentwickelung dauert meist tagelang, nach ihrer Beendigung destilliert man den A. in läsernen Apparaten. ser dem bei der ersten Destillation er47 Wasser sowie im Waschwasser des rohen I. ist noch viel A. gelöst. Um diesen zu gewinnen, unterwirft man die gesammelten Wasser einer Destillation, wobei zu Anfang reiner A., dann alkoholhaltiger A. und endlich wässeriger Alkohol übergeht, die für sio zu gute gemacht werden. Der A. ist eine farblose, neutral reagierende Tbeldentt von eigentümlich 4 ½½ und beebendem Geruch, deren Dampf beim Einatmen Bewußtlosigkeit hervorruft; er siedet bei 34,5 C., verdunstet rasch an der Luft ohne Rückstand, euhchen Gewicht bei 6,9˙ C. = 0,2289; der A. der deut en Pharmakopöes oll ein Ores nicht übersteigendes spezifisches Gewicht bei 15· C. haben und auf reinem Leinen rasch verdunsten, ohne einen Geruch zu hinterlassen; sein Dampf 15 ungemein leicht entzündlich, mit Luft gemischt explodiert er gewaltsam, alle Manipulationen mit A. müssen daher mit größter Vorsicht und in beträchtlicher Entfernung von jeder Flamme ausgeführt werden. A. löst sich in 14 Teilen Wasser und nimmt selbst ½s seines t, Chio Wasser auf: ist mit Alkohol, b eist, Aceton, Chloroform in jeätherischen Ole, viele Alkaloide, Jod, Brom, Phosphor, wenig Schwe el, ferner gewisse Metallsalze, namentlich die Chloride, Bromide, Jodide von Quecksilber, Gold, Kupfer, Cisen, Aluminium, Silicium, mit denen er zum Teil chem. Verbindungen eingeht. Der A. findet Verwendung in der Technik, namentlich als Lösungsmittel für Alkaloide; in A. gelöste S ießbaumwolle ist das Collodium, pharmaceutisch wird sowohl der reine A. wie die Mischung desselben mit 3 Teilen Alkohol (Spiritus aethereus, Hoffmanns Tropfen) 3 der Essigfabri Salpeteräther verwendet, in der Spirituosenfabrikation benutzt man verschiedene Atherarten als Arrakessenz, Ae in der Zuckerbäckerei finden die Ananas⸗, Apfel⸗, Birn⸗, Erdbeer⸗ und andere Essenzen Verwendung. Lenden d Gle oder Essenzen nennt man die riechenden Bestandteile der Pflanzen. Dieselben sind nach ihrer Abscheidung aus den Pflanzen meist flüssig, aber fa sehr beweglich, wodurch sie sich von den dickflüssigen fetten Olen unte cheiden. Manche sind fest, letztere bezeichnet man als Kampferarten, manche sondern bei größerer Kälte einen festen Teil oft krystallinisch, ab (Stearopten), während der Rest flufsig bleibt'(Eläopten). Sie kommen in den Pflanzen entweder isoliert oder mit Harzen gemengt vor (Balsame) und finden sich entweder im Zell verteilt oder in eigenen Behältern, Drüsen, Olgängen, aufgespeichert. Während bei vielen Pflanzen die Blüte der riechende Teil ist, so ist bei andern das ätherische ol in den Fruchtschalen, in Blättern, im Holze, in den Samen, in den Wurzeln enthalten, einzelne r. verhältnismäßig große Massen, in andern, häufig sehr stark riechenden, kommt das Öl in so geringen Mengen vor, daß es bisher noch nicht möglich gewesen ist, es in Substanz daraus abzuscheiden. Wieder in andern Pflanzen mi man statt des ätherischen Ols bestimmte chem. erbindungen, die erst durch weitere Umsetzung ätherische le liefern. Hierher gehört das Bittermandelöl, 1 üher u. a. chem. eziehung sind die einzelnen ät babenz le weit voneinander verschieden, sehr viele haben zwar gleiche Zusammensetzung, sie sind Terpene, Kohlenwasserstoffe von der Formel CuoHIe, aber trotz ihrer gleichen Zusammensetzung sind sie in ihren Eigenschaften doch weit voneinander abweichend. Andere bestehen entweder ganz oder zum Teil aus Alkoholen, Aldehyden, Säuren, Athern, Acetonen, die wieder den verschiedensten chem. Reihen wesel un außerdem werden noch manche aus Schwefel und Stickstoff enthaltenden Verbindungen gebildet. Von einem ö ber lane Re chem. oder physik. Verhalten kann daher keine Rede sein, von ihren nähern Eigenschaften wird aus diesem Grunde bei den einzelnen Olen in besondern Artikeln gehandelt werden. Die Darstellung der Ole geschieht entweder aus frischen, sehr vielfach aber auch aus getrockneten Pflanzen. Im erstern Falle ist sie an den Ort des Wachstums der flanzen gebunden, wo dann häufig zu diesem Zweck Massenkulturen dieser Pflanzen ausgeführt werden, wenn R nicht durch klimatische Verhältnisse in reichlicher Menge wild wachsen; im andern Falle wird die Abscheidung der Gle in eigenen Fabriken vorgenommen, in denen die aus allen Ländern und allen Weltteilen zusammengebrachten Pflanzenteile verarbeitet werden. Zu den 4 Jabril ten und am musterhaftesten eingerichteten Fabriken dieser Art gehört die von 4½ u. Comp. in Leipzig. Bei der Fabrikation kommen folgende Methoden in Betracht: I) Auspressen der frischen Pflanzenteile. In den äußern Schichten der Schalen der Orangen, Citronen und anderer Früchte findet sich das Ol in großen Drüsen; — 4½ werden auf einer Art Reibeisen abgeraspelt, aus der so erhaltenen Masse fließt nach dem Pressen das Ol mit dem Safte ab und wird von letzterm auf rschen Plan Wege getrennt. 2) Destillation der frischen %½. * wandt z. B. bei der Konstigen h es Rosenöls. ie mit Wasser lange destilliert, als das Übergehende noch riecht. Je nach dem Gehalt der Pflanzen scheidet sich aus dem Destillat mehr oder weniger Ol ab, oder es bleibt auch alles gelöst; nach Abscheidung des Ols unterwirft man das wohlriechende Wasser einer zweiten Destillation, wobei das darin noch enthaltene Ol mit den ersten Anteilen der en Andämpfe übergeht. Man erhält so wieder einen Anteil Ol nebst wohlriechendem Wasser, letzteres wird wieder der gleichen Behandlung unterworfen. 3) Detillation trockener Pflanzenteile. Die auf diese eise zu verarbeitenden Substanzen, Samen, Kräuter, Holz, Wurzeln, werden zunächst auß Zerquet-Wei Zerschneiden, 10 Dann Mahlen auf geeignete eise vorbereitet und dann entweder unter Zusatz von Wasser oder ohne Wasser in Destillationsapparaten durch direkt einströmenden Dampf erhitzt, wobei die Ole mit den Wasserdämpfen sich verflüchtigen und mit diesen gemeinsam verdichtet werden. Nachdem das Öl vom Wasser getrennt ist, wird das noch mit Ol gesättigte Wasser entweder sofort in den Destillationsapparat zurückgeleitet oder in einem besondern Apparat der Rektifikation, wie bei der Destillation frischer anenen Pran⸗ unterworfen. 4) Extraktion. Die trockenen Pflanzenteile werden in geeigneten Apparaten mit flüchtigen Lösungsmitteln wie Ather, Dr Srteakt Schwefelkohlenstoff ausgezogen, das Extrakt in Destillierapparaten gelinde erwärmt, wobei das Lösungsmittel verdunstet, während das Leibt undi Ol, gemengt mit Fett, Harz u. dgl. zurückbleibt und durch Destillation mit Wasser gereinigt wird. Manche Pflanzendüfte sind so subtiler Beschaffenheit, daß sie sich nur fixieren lassen, indem man sie auf einen andern Körper der sie fest uhalten vervoll überträgt. Hierzu eignet sich 30 so gut wie vo kommen frisches, gut geläutertes Fett, welches man schmilzt und bei möglichst niedriger Temperatur mit den Pflanzenteilen maceriert. Das so mit Wohlgeruch beladene Fett dient entweder zur Darstellung von Pomaden, oder es wird mit feinem Alaibt! geschüttelt, an welchen es das Riechende abgibt. Einzelne Riechstoffe widerstehen aber auch dieser Behandlung; sie lassen sich aber auf kaltes Fett übertragen, indem man die Blüten zwischen mit er Geru Fett bestrichene Glastafeln legt, wobei der eruch vom Fett aufgenommen wird. Die ätherischen Ole finden vorzugsweise Verwendung in der Parfümerie zur Darstellung wohlriender Seifen, Ole, Pomaden, Esprits, Wasser u. dgl., ferner in der Liqueurfabrikation zur Bereitung von Kümmel, Anis, Wachholder, P efferminz u. a. und in verhältnismäßig geringer Menge in der atherihen! Infolge ihres hohen Preises sind die ätherischen Ole vielen Verfälschungen ausgesetzt, und wohl auf keinem Gebiete der chem. Industrie wird diese Fälschung so offenkundig, so systematisch betrieben wie auf diesem, da die chem. Analyse nur sehr unvollkommene Mittel zur Unterscheidung und Erkennung der echten ätherischen Gle darbietet. Gewisse Zusätze, wie fette Ole, Alkohol Chloroform, sind allerdings leicht n allein diese bilden die Ausnahme; die Regel ist die Fälschung mit andern wohlfeilen ätheri en Olen (Terpentinöl Citronenöl, Eukalyptusöl), die fan oft weder durch Reaktionen, noch durch ihre Zu ammensetzung von dem der Ver älschung unterworfenen ätherischen Ole unterscheiden und bei denen man einzig und allein auf den schr angewiesen ist, der sich zwar durch Routine sehr schulen läßt, aber dennoch zu Täuschungen Veranlassung geben kann. Atherisieren, Ather als anästhetisches Mittel anwenden, s. unter Anästhesieren. Atherisim Gegensatz zu den diathermanen (s. d.). Atherom (grch.) oder Grützbreigeschwulst nennt man haselnuß⸗ bis hühnereigroße gutartige Geschwülste im Unterhautzellgewebe, die durch Ansammlung des Talgdrüsensekrets nach vorausgeangener Verstopfung des auptsuchluh aus entsehen und einen breiigen, — tsächlich aus Fetttropfen, Fettkrystallen un Epidermis ellen bestehenden Inhalt besitzen. Das A. indet sich vereinzelt oder zahlreich am Kopfe, besonders dem behaarten Teile desselben, im Gesicht und Nacken, seltener am Stamme, macht nur dann Beschwerden, wenn es sich entzündet, und wird am zwe 1öser mit dem Messer exstirpiert. — Atheromatöser der tter oder atheromatöse Entzündung der Arterien (Arteriütis chronica deformans) zeigt eine chronische, vorzugsweise das höhere Mannes- und reisenalter befallende Erkrankung der Arterien, bei welcher die Gefäßwandungen stellenweise fettig entarten und erweichen, dadurch ihre Festigkeit und Elastizität verlieren und dem Blutdruck nicht mehr den erforderlichen Widerstand entgegensetzen können. Atheromatöse Arterien zerreißen sehr leicht und führen zu Blutungen, insbesondere Ge-Aneuremen oder Schlagflüssen, zur Bildung von neurysmen (s. d.), zu Altersbrand (s. Brand) sowie zu Thrombose und Embolie (s. d.). At ther (ewöhniich (Athylschwefelsäure), s. unter Ath er (gewöhnlicher).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 126Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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