Athiopische Nasse (Varietas Aethiopica) nannte Blumenbach den Menschenschlag, welcher das mittlere und südl. Afrika bewohnt. Gegenwärtig hält nur noch R. Hartmann an dieser Beuuf aue Wewe indem er den Ausdruck Nigritier auf alle Bewohner Afrikas, mit Ausschluß der in histor. Zeit eingewanderten Araber, ausdehnt, während andere die äthiop. Rasse in zwei (Buschmänner-Hottentotten und Neger-Bantu-Fulah) oder vier * zerlegen. (S. Mensch, naturgeschichtlich.) ithiopische Sprache, Schrift und Litteratur. Die seit Anfang oder Mitte des 16. Jahrh. ewöhnlich Athiopisch, von den Eingeborenen aber eez genannte Sprache gehört dem semit. Sprache stamme an. Sie war ursprünglich nur die Sprache eines der aus Südarabien eingewanderten, später in Tigre und seiner Hauptstadt Axum (s. d.) angeildung des Arumitischen Reichs die Herrschaft als Reichs⸗ und Kirchensprache, neben welcher die Dialekte anderer Stämme nur als Volkssprachen fortlebten. Erst im 14. Jahrh. scheint sie infolge einer Regierungsveränderung durch die Amharische Sprache (s. d.) aus dieser Stellung verdrängt worden zu sein, während zugleich in ihrem Stammlande Tigre und weiter nordwärts im Munde des Volks zwei Tochterdialekte derselben fortlebten. Aber obwohl seit Jahrhunderten ausgestorben, blieb sie noch lange heilige und Büchersprache, wurde von den Gelehrten in den Schulen gelehrt, auch zur Abfassung Kader dhe Werke benutzt. Erst die in neuerer Zeit über Abessinien hereingebrochene Verwilderung hat der e Sprache wenigstens genauern Kenntnis dieser Sprache fast ein Ende gemacht, obgleich dort die in ihr geschriebenen Bü er noch immer fortgepflanzt werden. In grammatischer und lerkalijcher Hinsicht schließt sie sich vielfach an die arab. Sprachen an, geht jedoch —„ auch mit dem Aramäischen oder Hebräischen, selbst mit dem Assyrischen zusammen, und hat sogar einiges recht Altertümliche vor den andern Gliedern der Sprachfamilie voraus. An Reichtum der Formen und des Wortvorrats steht sie hinter dem Schriftarabischen zurück, obgleich sie einzelne Formen noch folgerichtiger als entwickelt hat; die feine und strenge syntaktische Regelung des Arabischen hat sie nie gehabt, erfreut sich dagegen größerer Freiheit des Satzbaues. Eine für ihre Zeit vortreffliche earbeitung der äthiop. Sprache gab ob Ludolf in der Grammatik (Frankf. 1702) und im Lexikon (Frankf. 1699); neuerdings wurde sie, der heutigen Sprachwissenschaft entsprechend, dargestellt von Dillmann in der Grammatik (Lpz. 1857) und im Lexikon (Epz. 1862 — 65). Von den beiden noch lebenden Töchtersprachen des Geez kommt ihm die eine, nämlich das nordwärts vom Quellland des Anseba und Mareb von halbnomadischen Stämmen gesprochene Tigre, no uovinz. A. wogegen die andere, das in der alten Provinz Tigre und den angrenzenden Distrikten gesprochene Tigrisia, stärker entartet und mit Amharischem mehr gemischt ist. Grammatisch bearbeitet hat diese Prätorius in seiner Grammatik der Tigrifaspracher (Halle 1872). Das Geez hat eine eigentümliche Schrift, fortgebildet aus der himjarischen Schrift, mit der sie ursprünglich identisch war, und wie diese zuletzt mit der altsemit. (phönizischen) Schrift zusammenängend. Sie wird von links nach rechts geschrieen und hat, obgleich ursprünglich reine Konsonantenschrift, sich doch ziemlich rüh dahin vervollkommnet, daß die Vokale mit Ausnahme des kurzen a regelmäßig, und zwar persch kleine dem Konsonanten angefügte oder damit verschmolzene Zeichen, mit geschrieben werden. Als Trennungszeichen der einzelnen Wörter 920 noch immer die altertümlichen zwei Punkte gebräuchlich. Zu den ältesten äthiop. Schriftdenkmalen gehören einige von Salt und Rüppell mitgeteilte Inschriften auch Münzen. Die Litteratur beginnt erst nach der Einführung des Christentums in Abessinien und ist vorwiegend —7 Den Grund derselben bildet die Übersetzung der Bibel, welche aus dem Griechischen gemacht ist und, mit Ausnahme der Makkabäerbücher, sämtliche biblische Bücher des Alten und Neuen Testaments, auch die apokryphischen, 9½ und an welche sich hlies andere spätjüd. oder a tchristl. Schriften anschließen, wie das Buch der Jubiläen (herausg. von Dillmann, Kiel 1859), das Buch Henoch (s. d.), das vierte Buch Esra, die Ascensio Jesaiä, der Hirter des Hermas (. d.) u. a. Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß die Übersetzung der eigentlichen biblischen Bücher mehrmals revidiert wurde, teils aus dem Griechischen, teils aus dem Hebräischen, sodaß man bei denselben mindestens bald zwei, bald drei Rezensionen unterscheiden muß. Vom Alten Testament waren früher außer den von Ludolf (1701) herausgegebenen Psalmen mit dem Hohenliede nur einige kleine Stücke Iim Tef⸗ seit 1853 ist eine Gesamtausgabe des Alten Testaments von Dillmann begonnen. Das Neue Testament ist 1548 zu Rom nach einem guten Text, aber sehr fehlerhaft und dann in der londoner Polyglotte noch fehlerhafter Tert, 5. eine neue Ausgabe, nach einem gemischten ext, hat Platt besorgt (Lond. 1826). An diese biblischen Schriften, die Grundlage der ganzen äthiop. Litteratur, reihen sich Übersetzungen von andern n Teiti kirchlichen und geschichtlichen Werken, zum Teil in der ältern Zeit aus dem Griechischen, zum Teil gegen das Ende des Mittelalters aus dem Arabischen, zum Teil auch aus dem Koptischen gemacht, z. B. Werke der Kirchenväter, Liturgien, Sammlungen der Kanones, Kirchenrecht, Homilien, jüd. und arab. Chroniken, Heiligengeschichten. Die Werke von einheimischen Schriftstellern sind ebenfalls meist christl.⸗kirchlichen Inhalts; zu den wichtigsten gehören die Graden Kir-Dherte über die (mit Gesangnoten versehen), die erke über die einheimische Königsgeschichte (übrigens meist im Tarikstil, d. h. in einer aus Geez und Amharisch gemischten 6 rache geschrieben) und eine Menge von fder Aurch ichten. Die Poesie ist ganz in den Dienst der Kirche getreten; ihre Erzeugnisse bder Heit abgesehen von der edlern Hymnenpoesie der Gesangbücher, fast ganz in gereimten Gebeten oder Lobpreisungen von Heiligen. Sammlungen äthiop. Handschriften finden u zu Rom, Paris, Tübingen, im Britischen Museum, zu Oxford, Frankfurt a. M., Berlin, München und Wien; die größte hatte früher Abbadie (s. d.); seit dem Erwerb der Magdala-Sammlung von 348 Nummern steht das Britische Museum an Reichhaltigkeit obenan.