Amharische Sprache, so benannt nach der Provinz Amhara (s. d.), auch Königssprache genannt. ist seit dem Aussterben der une chen oder) Geez-Sprache die Hauptverkehrssprache Abessiniens d.), und wird von dem größern Teile der Bevölkerung in den Ländern zwischen den Flüssen Takazze und Abai sowie in Schoa gesprochen, während im Nordosten Abessiniens, nördlich vom Takazze, die Tigre⸗ und Tigrifasprache herrscht. Die amhar. Sprache schließt sich grammatisch und lexikalisch unter den semit. Sprachen am meisten dem Geez an, ist aber keineswegs bloß eine jüngere Gestaltung von diesem, sondern die Tochter eines dem Geez nächstverwandten altamhar. Dialekts. Obgleich das Amharische manche Reste altsemit. Sprachgutes bewahrt hat, stellt es doch dem Geez gegenüber eine spätere Entwickelungsstufe des Südsemitischen dar. In allen Lautverhältnissen ist das Amharische sehr entartet, die grammatischen Formen sind in hohem Grade zusammengeschrumpft oder durch Neubildungen ersetzt. Die alten Wort- und Wurzelbedeutungen haben vielfach neuen Platz gemacht, auch aus den benachbarten afrik. Sprachen sowie aus dem neuern Arabischen sind manche Wörter aufgenommen. Am weitesten hat es sich von der Art aller andern semit. Sprachen in der Wortstellung und im Satzbau entfernt. Nachdem die amhar. Sprache viele Jahrhunderte nur im Munde des Volks gelebt, begann man dieselbe nach dem Absterben des Geez zu schreiben und benutzte dazu das äthiop. Alphabet, indem man zullete für die eigentümlich amhar. Laute durch eichte Modifikationen der rldrs Buchstaben neue Schriftzeichen erfand. Obwohl das Amharische keine eigentliche Litteratursprache genannt werden kann, so ist doch, namentlich seit 1600, mancherlei darin geschrieben worden, teils übersetzungen und Erklärungen biblischer und anderer äthiop. Bücher und Vokabularien, teils kurze Geschichtsabrisse, dogmatische und ethische Kompendien, Beichtformulare u. dgl., für das gemeine Volk bestimmt, teils mediz. und magische Schriftchen. In den äthiopisch-amharisch geschriebenen Büchern der eineimischen Königsgeschichte werden auch ältere amar. Gedichte mitgeteilt. Gedruckt sind bis jetzt außer der amhar. Bibel fast nur Missionss hart-Grammatisch und lexikalisch wurde das Amharische ziemlich dürftig von Ludolf (Frankf. 1698), vollständiger von Isenberg (Lexikon, Lond. 1841; Grammatik, Lond. 1842) bearbeitet. Ein grammatisches lat. Handbuch zur Erlernung der amharischen und der Galla⸗(Oromo⸗) Sprache wurde 1867 von Massaja, dem apostolischen Vikar bei den Gallas, eine wissenschaftliche amhar. Grammatik von Prätorius, unter dem Titel: Die amhar. Sprachey (2. Tle., Berl. 1878 — 79) herausgegeben. Ein Dictionnaire Amarinua-Françaiso von A. d'Abbadie wurde 1881 im Druck vollendet.