Atrium ist der wesentliche Teil des röm. Hauses. So hieß das altröm. Wohnhaus selbst nur Atrium, da in dieser Zeit ein einziger großer Raum die gemeinsame Wohnstätte der Familie war: in diesem A. war der Brunnen, der Feuerherd; dort stand der Thür gegenüber das Chebett und neben demselben die Webestühle der Sklavinnen, mit denen die Hausfrau gemeinschaftlich arbeitete. Es diente als Versammlungsort für die Hausgenossen und Fremden, in der Folge zugleich auch für die Klienten bei der Aufwartung derselben. Die in Schranken aufbewahrte Sammlung von Büsten der Vorfahren bildete bei den alten Römern die Hauptzierde des A. Später, als das Haus geräumiger wurde und besondere Zimmer sich dem A. anschlossen, blieb dieses doch noch immer der wichtigste Raum des Hauses. Es gab fünf ver-Durch d Arten von Atrien, deren Verschiedenheit durch die Konstruktion des Daches bedingt war. Beim Atrium testudinatum ist der Raum vollständig durch das Dach bedeckt. Es ist dies wahrscheinlich die älteste Guf Beim Atrium Tuscanicum ruht das Dach auf zwei Querbalken. Das Dach selber war vierteilig und nach innen geneigt, d. h. es hatte den Abstuß nach dem Kompluvium boden Irr An und dem Impluvium (dem im Fußboden zur Aufnahme des Regenwassers befindlichen Bassin). Beim Atrium tetrastylum wurde das Kompluvium von vier Säulen getragen. Das Atrium Corinthium hatte beliebig viele Säulen, auf welchen die von der Wand auslaufenden Dachbalken sich stützten. Beim Atrium displuviatum endlich neigte sich das Dach nicht dem Kompluvium zu, sondern hatte seinen Abfluß nach den Wänden des Hauses. Rom gab es eine Anzahl von Gebäuden alter Konstruktion, die den Namen A. führten: so das Atrium Vestae, in welchem die Vestalinnen wohnten, das Atrium Libertatis u. a. m. Als sich gegen Ende der Republik, infolge der Eroberungen des Lucullus, Sulla, Pompejus und anderer Feldherren, die Luxussitte der Kunstgegenstände in Rom verbreitete, schmückte man das A. mit kostbaren Marmorsäulen und dazwischen aufgestellten Statuen. Vorzüglich waren die Atrien des Scaurus, Verres und Crassus durch solche Dekorationspracht berühmt. Mit der Zeit und mit dem wachsenden Reichtume der Kaiserepoche wurde das A. auch bei Staatsgebäuden, sogar bei Tempeln gebräuchlich. e in der christl. Architektur bildete das A. einen wesentlichen Teil der Basiliken und bestand meist aus einem von Kolonnaden umgebenen Raume mit einem Brunnen in der Mitte. Atrium bezeichnet in der Anatomie die Vorkammer oder den Vorhof des Herzens, die zu oberst liegende Abteilung jeder Herzhälfte (s. Herz); in der Pathologie heißen atria mortis von alters her diejenigen Organe, welche den übrigen die wichtigsten Lebensreize zuführen und deren Verletzung plötzlichen Tod verursacht; es sind das Herz, die Lungen und das Gehirn.