Auersperg (Ant. Alexander, Graf von), unter dem Schriftstellernamen Anastasius Grün als der hervorragendste neuere Dichter 965 zu Lalbach reichs bekannt, wurde 11. April 1806 zu Laibach in Krain geboren. Er erhielt seine erste Erziehung im elterlichen Hause, größtenteils auf dem Schloß e Thurn-am-Hart in Unterkrain, und kam 1813 in das Theresianum zu Wien, von wo er in die Ingenieurakademie übertrat. Da ihm jedoch 1818 mit dem Tode seines Vaters als einzigem männlichen Erben die Güter Gurkfeld und Thurn-am-Hart zufielen, ward er dem von Klinkowströmschen Priwatetziehungsinstitut übergeben, um sich zur Universität vorzubereiten. Nachdem er hierauf zu Gratz und Wien sich einige Jahre philos. und jurist. Studien gewidmet, übernahm er 1831 die Verwaltung seiner Güter und lebte seitdem, ohne ein öffentliches Amt anzunehmen, mit geringen Unterbrechungen meist zu Gratz oder Thurn-am-Hart. Am 10. Juli 1839 vermählte er sich mit Marie, Reichsgräfin von Attems. Längst als ein Haupt der liberalen Partei in seinem Vaterlande geehrt, wurde A. im April 1848 zu dem Deutschen Vorparlament entsandt, dann von dem Kreise Laibach zur Nationalversammlung gewählt, aus der er jedoch bereits 26. Sept. desselben Jahres wieder austrat. Er folgte 1859 einer Berufung in die Kommission von Vertrauensmännern zur Beratung eines Gemeindegesetzes für Krain sowie 1860 der Berufung in den verstärkten Reichsrat. Dort trat er mit Energie für die Reichseinheit und gegen das sogenannte histor. Recht der Feudalen auf. Nachdem die Reichsverfassung ins Leben getreten, wurde er durch kaiserl. Ernennung als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus berufen. Die erste Adresse des Oberhauses floß aus seiner Feder, ebenso diejenige, welche die Sistirung der Verfassung verurteilte, endlich auch der Bericht über die Dezemberverfassung. Zehn Jahre 5 Konn erneuerte er alljährlich seinen Angriff auf das Konkordat. In den kirchenpolit. Debatten von 1868 und 1874 glänzte er als der erste Kämpfer der Reformgesetzebung. Wiederholt gehörte A. der hämpstr u und seiris en Landesvertretung an und kämpfte in der erstern unerschrocken für Deutschtum und Freiheit gegen die vereinigten Parteien der Slowenen und Klerikalen. A. starb 12. Sept. 1876 zu Gratz; sein einziger nᷣ Graf Theodor Ignaz von A., geb. 28. Febr. 1859, starb 4. Mai 1881 zu Graz an den Folgen eines Sturzes vom Pferde. Seine dichteris 0 Thätigkeit begann A. unter dem Pseudonym Anastasius Grün mit den „«Blättern der Liebe (Stuttg. 1830) und «Der letzte Ritter v Hemum 1830; neue Ausg., Berl. 1877), einem omanzencyklus im Nibelungen-Versmaß, in welchem er das Leben des Kaisers Maximilian I. behandelte. Von der Julirevolution beeinflußt, wurde „zum polit. Dichter, als welcher er mit kühnem Freimut gegen die Metternichsche Politik Front machte. Großes Aufsehen erregten die anonym erschienenen, durch Freisinn und Humor und Formwiener Poeteno (Pamb. 1831; 7. Aufl., Berl. 1876). Diesen folgten »Schutto (Lpz. 1835; 13. Aufl., Berl. 1877), worin er das Anbrechen einer freien Zukunft ankündigte, und «Gedichter HE 1837; 15. Aufl., Berl. 1877). A. zeigt als Dichter Vorliebe für Bilder und Gleichnisse, ohne jedoch in das Schwülstige zu verfallen; alle seine Gedichte sind in edler Form gehalten und von dichterischer Begeisterung beseelt. Zwei „Nibe Versuche, mit denen er später auftrat, die Nibelungen im Frack‘ (Opz. 1843; 2. Aufl. 1853) und der «Pfaff vom Kahlenbergo ( 1850; 3. Aufl., Berl. 1877 lvgl. Bormann, «Anastasius Grün und sein Pfaff vom Kahlenbergo, Lpz. 1877)), sprachen weniger an. Dagegen enthalten die von ihm verdeutschten Volkslieder aus Kraino (Lpz. 1850) große Schönheiten. Nach der Veröffentlichung des Nachlasses seines Freundes Nikolaus Lenau (Stuttg. 1851) und der Herausgabe von dessen Sämtlichen Werken v (Stuttg. 1855; 2. Aufl., 1874), welcher A. eine meisterhaft gearbeitete Biographie und Charakteristik Lenaus beigab, trat A. erst wieder mit Robin Hoode (Stuttg. 1864) hervor, einem Balladencyklus, in welchem er die engl. Volkspoesien über jenen Nationalhelden einer trefflichen Bearbeitung unterworfen hat. Nach seinem Tode erschienen: Ia der Veranda. Eine dichterische Nachlese⸗ (Berl. 1876) und seine Gesammelten Werkev, herausg. von L. A. Frankl (5 Bde., Berl. 1877), dazu eine Nachlese von P. von Radics: «Anastasius Grün. Verschollenes und Vergilbtes aus dessen Leben und Wirkeno (Opz. 1879); vgl. dessen: «Anastasius Grün und seine Heimat. Festschrift zum 70jährigen Jubiläum des Dichterso (Stutt 1876); Schatzmayer, Anton Graf von A. Sein Leben