Auersperg (Adolf Wilh. Daniel, Fürst), österr. Staatsmann, Bruder des vorigen, geb. 21. Juli 1821, studierte anfangs die Rechte, trat aber 1841 in die kaiserl. Armee, welche er 1860 als Dragonermajor verließ. Vom verfassungstreuen Großgrundbesitze in den böhm. Landtag gewählt, wurde A. bald darauf zum Oberstlandmarschall von Böhmen, 1868 zum Wirkl. Geheimrate und lebenslänglichen Mitgliede des Herrenhauses ernannt. Drei Jahre lang leitete er als Präsident die Beratungen des böhm. Landtags und die Geschäfte des Landesausschusses. Während der Ausgleichsepoche hielt er fest zur Verfassungspartei und gab dieser Gesinnung in Prag wie auch als Landespräsident von Salzburg (vom 15. März 1870 bis zum 25. Nov. 1871) energischen Ausdruck. Nach dem Sturze des Ministeriums Hohenwart (30. Okt. 1871) und nach kurzer Dauer des provisorischen Ministeriums Holz⸗ — wurde A. mit der Bildung eines verfassungstreuen Ministeriums beauftragt. Am 25. Nov. 1871 trat A. an die Spitze des cisleithanischen Ministeriums, als dessen eigentliche Seele Baron Lasser galt. Nachdem die Verfassung reaktiviert war, berief das Ministerium Auersperg den Reichsrat und führte die lange ersehnte Wahlreform durch, auf deren Grundlage zum ersten male ein direkt gewähltes österr. Parlament im Dez. 1873 zusammentrat, welches an die Stelle des aufgehobenen Konkordats konfessionelle Reformgesetze beschloß. Außerdem wurden bedeutende Justizreformen eingeführt (Verwaltungslchenes of) und die widerstrebenden reichsfeindichen Parteien, mit Ausnahme der Czechen in Böhmen, zum Eintritt in das Centralparlament vermocht. Am 6. Okt. 1878 ½ A. die mehrfach erbetene Dimission als Mini terpräsident, führte jedoch provisorisch die Geschäfte weiter, bis 16. Fobr. 1879 Stremayr sein Nachfolger und A. zum Präsidenten des obersten Rechnungshofs ernannt wurde.