FeedArmansperg (Jos. Ludw., Graf von)
GeschichteBrockhaus 1882

Armansperg (Jos. Ludw., Graf von), ehemaliger Präsident der Regentschaft in Griechenland, geb. 28. Febr. 1787 zu Kötzting in Niederbayern, stammte aus einer alten, 1719 in den Freiherrn⸗, 1790 in den Grafenstand erhobenen Familie, trat 1808, nachdem er zu Landshut seine Studien beendet, in den bayr. Staatsdienst, wurde 1813 und 1814 der bayr. Armee als Civilkommissar beigegeben. Von 1816—23 machte er sich namentlich als Direktor der Regierung des Rheinkreises verdient um die Organisation der dortigen Finanzen. Im J. 1815 zum Abgeordneten gewählt, wurde er zweiter Präsident der Zweiten Kammer und wirkte hier an der Spitze einer gemäßigt liberalen Opposition. Bei dem Regierungsantritt des Königs Ludwig I. berief ihn dieser nach München. Schnell nacheinander wurde er Staatsrat, lebenslänglicher Reichsrat, Minister des Innern und der Finanzen und endlich Minister der Finanzen und des Auswärtigen. Als er aber auf dem bewegten Landtage von 1831 mehrfache Versuche machte, sich der entschieden liberalen Partei zu nähern, wurde er beim Schlusse des Landtags vom Ministerium entfernt, trat aber bald darauf an die Spitze der nach dem Londoner Vertrage vom 7. Mai 1832 zu bildenden Regentschaft Griechenlands. Als Präsident derselben landete A. mit dem jungen Könige Otto 6. Febr. 1833 zu Nauplia. Vom Juni 1835 bis 14. Febr. 1837 war er Staatskanzler, und in den letzten Monaten, während der er wit sahtu des Königs in Deutschland, regierte er mit fast unumschränkter Vollmacht. Gewiß geschah für Griechenland manches Heilsame unter seiner wierickelen Verwaltung. Allein von tausend Schwierigkeiten umringt, im Gedränge er-Pare und mit gegenseitigem Mißtrauen erfüllter arteien, von den Rivalitäten und Intriguen der Gesandten der europ. Großmächte umgeben, im Streite mit den andern Mitgliedern der Regentschaft, vermochte er sich auf seinem Posten nicht zu halten. Er erhielt seine Entlassung, verließ Griechenland im März 1837, zog sich auf sein Gut Egg bei Deggendorf zurück und nahm fortan an den öffentlichen Angelegenheiten nur noch als Reichsrat teil. A. starb 3. April 1853.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 912Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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