FeedJohann von Luxemburg
GeschichteBrockhaus 1882

Johann von Luxemburg, König von Böhmen, ältester Sohn des Grafen Heinrich III. von Luxemburg, des nachherigen deutschen Königs Heinrich VII., und Margaretens von Brabant, war geb. 10. Aug. 1296. Als sein Vater zum König gewählt war, trugen ihm die mit der Regierung Heinrichs von Kärnten unzufriedenen Böhmen die Krone ihres Landes mit der Hand der Clisabeth, der Tochter König Wenzels IV. von Böhmen, des letzten männlichen Sprossen der Przemysliden für seinen Sohn an, und dieser vermahie sich mit ihr 1310. Anfangs unter der Leitung des Erzbischofs Peter von Mainz, gelang es ihm, die Krone zu gewinnen und zu behaupten. In den Wirren, welche nach seines Vaters Tode 1313 durch die zwiespaltige Kaiserwahl verursacht wurden, hielt er sich zur Partei Ludwigs des Bayern und folgte diesem ins Feld, so ogft nicht die stets wieder emporlodernde Flamme des Aufruhrs seine Anwesenheit in Böhmen nötig machte. So war er 1315 in Italien, 1322, nachdem er von den Höfen zu Avignon und Paris und aus Luxemburg zurückgekehrt, wieder in Prag. In demselben Jahre nahm er einen vorzüglichen Anteil an dem Siege bei Mühldorf; auch focht er 1324 8 den König von Frankreich in Lothringen und unterstützte 1328 denselben im Kampfe gegen die Flamländer. Dann eilte er mitten im Winter 1329 den Deutschen Rittern nach Preußen zu Hilfe, wobei er ein Auge einbüßte, und war noch in demselben Jahre wieder in balten uen wo ihn König Philipp VI. zum Statthalter von Gascogne einsetzte. Seine enge Verbindung mit Frankreich führte zu der Vermählung seines Sohnes, des nachherigen Kaisers Karl IV., mit Blanca von Valois. Trotz seiner Irrfahrten erweiterte er die Grenzen des Königreichs durch Erwerbung des Herzogtums Breslau 1327 kraft eines Vertrags mit dem kinderlosen Herzog Heinrich, sowie auch dadurch, daß er fast alle übrigen schles. Fürsten seiner Hoheit unterwarf. So legte er den Grund zu dem von seinem Sohne Karl IV. or anisierten, großen deutsch-slaw. Ländervereine. Als er 1330 im zerrissenen Italien als glücklicher Eroberer auftrat, machte er sich dem Kaiser Ludwig verdächtig, als strebe er nach der Kaiserkrone, verständigte sich aber 1331 mit demselben und begab sich, nachdem er in Prag neue Gelder erhoben, nach Paris und Avignon. Hier vermählte er sich 1334 zum zweiten mal mit Beatrir von Bourbon. Da seinem Sohne Johann, den er mit Heinrichs von Kärnten Tochter Margareta vermählt hatte, von seiten Osterreichs und mehrerer Fürsten die Erbschaft von Kärnten und Tirol streitig gemacht wurde, geriet er 1335 in langwierige Händel und zuletzt kam es auch noch zu einem völligen Bruch zwischen ihm und dem Kaiser. Er verlor 1340 durch ein rheumatisches Leiden auch sein zweites Auge, weshalb er auch J. der Blinde genannt wird. Die Erhebung seines Sohnes Karl IV. zum Gegenkönig gegen Kaiser Ludwig nötigte ihn zur Flucht nach Frankreich und er fiel auf Seite der Franzosen in der mörderischen Schlacht bei Crecy 26. Aug. 1346. Vgl. Schötter, J., Graf von Luxemburg und König von Böhmen⸗ (2 Bde., Luxemb. 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 858Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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