Ausgrabungen von Werken der Kunst und überhaupt von Resten der Kultur vergangener denten wurden seit dem Wiederaufleben der Wissensschen besonders aber seit dem W Keite der klasf en Studien vereinzelt teils von Reisenden verucht, teils von kunstliebenden Fürsten veranstaltet. Ganz natürlich war es, daß dieselben auf dem klassischen Boden Italiens ihren Anfang nahmen. Die erste bedeutendere Ausgrabung röm. Altertümer erfolgte w1515 auf Papst Leos X. Befehl unter der Leitung von Rafael Santi zu Rom. Doch wurden diedenge weder hier noch überhaupt in den nächstfolgenen Jahrhunderten nachhaltig und planmäßig genug betrieben, sodaß selbst Entdeckungen wie die von Herculanum 1689, trotz der aufgefundenen herrabe Reste, wieder vergessen werden konnten. Fast alle bis zur Mitte des 18. u sud gemachten Entdeckungen von Altertümern sind meist zufällige Funde, deren Bedeutung nur von wenigen gewürdigt ward. Erst als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. durch Winckelmann, dessen Zeitgenossen und Schüler die Wissenschaft der Archäologie und ½5 chichte geschaffen, und durch die deutschen Philologen eine vielseitigere und tiefere Altertumsforschung ermöglicht worden, stellte sich das Bedürfnis zur mkmeler al und systematischen Ausgrabun alter Denkmäler als notwendig heraus. Namentli waren es die Franzosen, während der wenigen Jahre ihrer Herrschaft in Agypten, Italien und anderwärts dieselben im ee Maßstabe unternahmen. Seitdem auch Griechenland und die ehemals griech. Länder Europas und Asiens, dann der gesamte Orient den Europäern zugänglicher geworden, und die Europäer auch das Altertum der Agypter, Indier, Vorderasiaten, Perser brere der german. und slaw. Völker in den Bereich ihrer Studien gezogen und zum Inhalte besonderer histor. Disciplinen erhoben haben, unternahmen allenterm nicht bloß einzelne reiche Privaten A. in gröerm Maßstabe, sondern es sind auch in allen europäischen und vielen außereuropäischen Ländern zahl-Gese sha historische oder antiquarische Vereine und Gesellschaften zusammengetreten, welche sich teils die systematische Durchforschung ihrer Bezirke, teils die abe zeilen Ame Gefundenen in Museen zur ausdem stellen. Am ergebnisreichsten waren die A. auf dem klassischen Boden von Italien und Griechenland, sowie in Agypten und A Muterialien f wurden interessante und lehrreiche Materialien für die Geschichte der ältesten Germanen, Kelten, Iberer, bdeute u. s. w. an das Licht gebracht. Nicht minder edeutend sind die Funde von Altertümern der Litauer, Slawen, l. Eu und anderer skyth. Völker, welche einst das ostl. Europa und die benachbarten Teile Asiens bewohnten. Durch viele, jedoch meist zufallige A. älterer arabischer, persischer u. s. w. Münzen ist auch die Kenntnis der Geschichte dieser Völker wesentlich gefördert worden. Außer den in Italien und Griechenland auf Kosten der Regierungen fast ununterbrochen fortgeführten A. sind noch hervorzuheben die Entdeckungen von Lepsius, Brugsch und Mariette in Agypten und Nubien, die Untersuchungen der Franzosen in Algier, die A. Fellows in Lycien, Newtons in Oppersuns Bottas, ayards, Places, Loftus' und Opperts in Assyrien und Babylonien, Renans in Phönizien, Rawlinsons und anderer in Persien, die neuern Funde im südl. Rußland und den Hπnνν die der Engländer in Ostindien und dem südl. Arabien, endlich die ——— Stätte des alten Ilion und in Mykenä durch Schliemann, welche die allgemeinste Aufmerksamkeit erregten, u. s. w. Auch in Amerika haben einzelne und ganze Gesellschaften, wie die Ethnological Society, die Smithsonian Institution, Davis, Squier u. a. ihre Aufmerksamkeit den Resten einer alten Civilisation ihres Weltteils zugewendet. Mit dem Beginn des 19. Jahrh. brach namentlich für die Erforschung und Ausgrabung der antiken Monumente Griechenlands eine thätige Periode an. Entdeckungen, zufällige Funde und A. charakterisieren diese Zeit: 1811 wurden auf der Insel Agina unter den Trümmern von Tempeln und andern Ruinen bedeutende Funde gemacht, 1812 ward in Phigalia ein Tempel mit reichen Friesskulpturen entdeckt, 1820 wurde die berühmte Venus von Milo Einnpig die Franzosen veranstalteten 1829 A. in Olympia, welche außer mehrern Bauresten auch Skulpturen lieferten. Die günstigen Ergebnisse in Griechenland überhaupt und die begründete reiche nung, zumal auf dem alten Boden Olympias reiche Kunstschätze zu finden, veranlaßten 1853 Ludw. Roß in Halle, eine Geldsammlung unter den Gaben den des Altertums anzustellen; allein die Gaben flossen so spärlich, daß die Absicht einer Ausgrabung Olympias aufgegeben werden mußte; die kleine Summe diente dazu, einige Ausgrabungsversuche in Argos zu veranstalten. Der Gedanke, in 4 nachzugraben, blieb indessen in Preußen lebendi und Friedrich Wilhelm IV. hoffte denselben verwirklhet zu können, als der Krimkrieg die wissenschaftliche Expedition vereitelte. In neuester Zeit hat sich das Deutsche Reich des Unternehmens mit Eifer angenommen und durch Vermittelung von Ernst Curtius 13./25. April 1874 einen Ausgrabungsvertrag mit der griech. Regierung abgeschlossen. IO dessen hat die deutsche Reichsregierung vom 4. Okt. 1875 bis zum J. 1880 an den wichtigsten Stätten Olympias mit großem Erfolge —en lagien und die gefundenen Monumente abformen lassen. Unter die wertvollsten Funde dase 3 gehört die Hermesbüste (s. Tafel: Bildnerei II, 10) des Praxiteles. Vgl. über diese A. »Die A. zu Olympia, herausg. von E. Curtius, F. Adler, G. Hirschfeld und G. Treu (Berl. 1876 fg.). „In Griechenland hat vor allen Ludwig Roß (. d.) die auf der n Forschung ins Leben gerufen: seine A. auf der Akropolis von Athen, die Aufdeckung von einigen tausend Gräbern in Attika sowie die erste Kunde über die Altertümer der griech. Inseln 1840 gehören zu den — Arbeiten auf diesem Felde der Archäologie. Neue Entdeckungen großartiger Grabmäler erfolgten 1838 in Assos an der kleinasiat. Küste, später in Lycien; 1857 grub der Salitamnan Newton das berühmte Mausoleum in Ha likarnaß aus. Ru 508 wurde das Theater am den Ar Fuße der Nlropolis im Frühjahr 1862 sch en Architekten Prof. Strack aus Berlin, welcher si der von der preuß. Regierung unter der Leitung von E. Curtius und K. Bötticher nach Athen esandten wissenschaftlichen Expedition angeschlossen tte, zunächst auf eigene Kosten ausgegraben u diese A. dann durch die Archäologische Gesellschaft in Athen weiter geführt. Dieselbe Gesellschaft hat auch zu wiederholten malen auf dem öffentlichen Begräbnisplatze im äußern Kerameikos vor dem — Heiligen oder Thriasischen Thore (in der Rht, jetzigen Kapelle der Hagia Triada) A. angestellt, bei welchen viele Grabmonumente, darunter manche von bedeutendem histor. und künstlerischem Werte, zum Vorschein gekommen sind. Unter vielen andern wissenschaftlichen Expeditionen, welche in neuerer Zeit behufs Erforschung von Altertümern gemacht wurden, ist besonders die auf Conzes Anregung durch die österr. der Larele zweimal unternommene Expedition nach der Insel Samothrake zu erwähnen, deren Resultate vorliegen in Conzes »Archäol. Untersuchungen auf Samothraken, herausg. unter Mitwirkung von Hauser, Niemann und Benndorf (Wien 1875 u. 1880). In neuester Zeit haben endlich die reichen Funde auf der Akropolis des alten Pergamon, durch Karl Humann und Conze angeregt und gefördert, große Aufmerksamkeit erregt. Vgl. Conze, „Die Ergebnisse der A. zu Pergamonv (Berl. 1880). Die A. in Italien sind besonders in der zweiten Name des 19. Jahrh. mit Eifer betrieben worden. amentlich haben sich die Gräber auf dem alten Gold⸗ 100 Süberschmuc Waffen, Spiegel und erschöpfliche Fundgruben für bemalte Thongefäße, anderes Haus⸗ und Toilettengerät erwiesen. In Vulci wurden 1828 über 3000 bemalte Vasen nebst interessanten Wandgemälden und einer Fülle von Bronze⸗, Gold⸗ und Silbergegenständen ausgegraben. Ebenso lieferten und liefern noch immer die A. in den Gräbern von Tarquinii, Chiusi und anderer etrusk. Nekropolen (auch Bologna) reiches Material. Nicht minder ergiebig sind die Gräberuntersuchungen in Unteritalien, wo zumal in Capua, Canosa, Ruvo bemalte und nicht bemalte Terracotten sowie kostbarer Gräberschmuck zu Tage kommen. In Rom sind besonders die auf Kosten der ital. Regierung betriebenen A. auf dem röm. Forum zu erwähnen, welche in der Umgebung der Phocassäule, der Basilica Julia und des Tempels des eul und Pollux zu mancherlei wichtigen topogr. Resultaten geführt haben. Seit Febr. 1874 hat man auch begonnen, die Arena des Flavischen Amphitheaters Golosseum) auszugraben. Die A. auf dem Palatinischen Hügel, der Stätte der alten Kaiserpaläste, welche früher teils auf der nördl. Seite des Hügels auf Kosten Napoleons III. unter Leitung des Architekten Pietro Rosa, teils auf der südl. Seite durch die päpstl. . ausgeführt wurden (ogl. Gsellels, «Römische A. im letzten Decennium, Hildrgh. 1870), werden in größerm Maßstabe von der ital. Regierung fortgesetzt. Auf dem Platze des alten Emporiums, d. h. des Landungsplatzes der Lastschiffe am nordwestl. Fuße des Aventins ließ die päpstl. Regierung planmäßig nachgraben, wobei große Massen der kostbarsten Marmorarten, die im Altertum hier ausgeladen wurden und aufgeäuft lagen, zum Vorschein kamen. Seit n Usereit ein großer Teil der ausgegrabenen Ufertrecke durch die Flußüberschwemmungen wieder verschüttet. Seit 1870 haben auch auf dem Esquilin umfangreiche A. stattgefunden, welche außer vielen und wertvollen Altertümern aus der Kaiserzeit eine sehr interessante Reihe von Gegenständen aus älterer Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. röm. Zeit zu Tage gefördert haben. der Umebung Roms sind in dem Haine der Arvalischen rüder (s. d.) A. auf Kosten des Königs und der Königin von Preußen unter Leitung des Römischen Instituts für archäol. Idedung umn vorgenommen worden, welche zur Entdeckung um ½— und historisch wichtiger Stücke der Akten jener r sen Genoffenschaft geführt haben. In Pompesi werden die A. regelmäßig Reralteder und die Resultate derselben durch die Mitglieder der von Fiorelli, dem frühern vortrefflichen Leiter der pompejanischen A. begründeten Archäologischen Schule in dem Giornale degli scavi di Pompejis (neue Serie, Neap. 1869 fg.) veröffentlicht. Auch die Aufdeckung deslange vernachlässigten Herculanum ist, ebenfalls unter Fiorellis Leitung, neuerdings wieder in Anriff genommen worden. Über die A. und archäol. Funde in Italien geben regelmäßigen Bericht die seit 1876 zu Rom in Monatsheften erscheinenden Notizie degli scavi di antichità communicate alla R. Accademia dei Linceio; speziell fur Rom gibt das seit 1872 erscheinende „Bullettino della commissione archeologica municipales (jetzt eomunale) Bericht. In Rußland finden regelmäßige A. guf Kosten der Regierung unter Leitung der kaiserl. archäol. Konmmission besonders in der Gegend von Kertsch, auf der Halbinsel Taman und an den Ufern des Dnjepr statt, worüber die Compte-rendus de la commission impériale archéologiques (Petersb. 18⁵9 rl regelmäßige Berichte erstatten. Sehr bedeutend war in der neuern Zeit in dem Bereiche der verschiedenen Länder des Gebiets der antiken Kultur die Zahl der zufälligen A., d. h. solcher, welche in Veranlassung der zufälligen Entdeckung eines antiken Gegenstandes auf dem Fundorte desselben angestellt wurden. Hauptsächlich wurden dabei Gräber aufgedeckt, welche mehr oder weniger reiche Ausbeute an Gefäßen, Schmuckgegenständen, Waffen, Inschriften u. dgl. m. lieferten. Das meiste Aufsehen unter allen Sihut nden hat der sog. Hildesheimer Silberfund gemacht, d. h. die 7. Okt. 1868 durch preuß. Soldaten am Galgenberge bei Hildesheim gemachte Entdeckung einer großen Anzahl (69 Stück zum Teil von bedeutenden Dimensionen) antiker röm. Silbergefäße von hohem Kunstwert, im berliner Museum züber-Iuod (Vgl. Wieseler, «Der Hildesheimer Silberndo, Abteil. 1, Bonn 1869.) Regelmäßige Berichte über alle in archäol. Hinsicht bedeutungsvollen A. liefern das vom Archäologischen Institut 8 2 in Rom herausgegebene Bullettinon, die von Gerhard begründete berliner «Archäol. Zeitunge, sowie die pariser Revue archéologiquev. Über einzelne wichtigere Denkmale sowie über die Altertümer der veriedenen Nationen welche durch die A. an das icht gestellt worden sind, s. die Artikel Römische Altertümer, Griechische Altertümer, Amerikanische Altertümer, Mykenä, Olympia, Orchomenos, ben-Trosa Pompeji, Samothrake, Seho en, Troja u. s. w.