Auspizien (lat. auspicia) nannten die Römer die Ausschau nach den Anzeichen des Willens der Götter, sowie auch diese selbst, sofern 3eenin namentlich aus der Beobachtung der Vöge entnommen wurden; s. unter Augurn. Im allgemeinen bezeichnet man auch mit A. die Aussichten auf den Erfolg einer Sache überhaupt, mögen dieselben gut oder schlimm sein. Auspizieren, wahrsagen; auspiziös, vorbedeutend. Euehtfache W hat in der militärischen Sprache eine mehrfache Bedeutung. Zur A. des einzelnen Mannes rechnet man entweder die sämitlichen materiellen Gegenstände, mit welchen derselbe ausgestattet ist, oder man trennt Bewaffnung, Bekleidung und A.; letztere umfaßt dann die Kopfbedeckung (als Helm, 7 Czapka), Schutzwaffen (Küraß, Cpauletten), Säbelgehenk, Tornister, Brotbeutel, ignalinstrumente, beim Reiter Mantelsack, Pack⸗, Hufeisentaschen u. f. w. Die A. des Pferdes besteht aus dem Zaumzeug, Sattelzeug und eventuell der Beschirrung; auch trägt dasselbe einen Teil der A. des Reiters. Die A. einer Truppenabteilung umfaßt das Personal, die Pferde, die A. des Mannes und Pferdes, die Fahrzeuge mit ihrer Beladung, bei der Artillerie die Geschütz; bei den Pontonieren das Brückenmaterial u. s. w.; oft wird aber nur das tote Material als A. bezeichnet. Zur A. einer Armee oder größern Armeeabteilung ba die Vorkehrungen zur Fortschaffung der Rervemunition, der Vorräte an Lebensmitteln und ourage, die Mittel zur Ausübung der Krankenpflege u. s. w. — Die A. eines Schif fs umfaßt alle diejenigen Gegenstände, welche es nötig hat, in See zu gehen und eine längere Reise zu machen; dazu gehören Segel, Tauwerk, Anker Instrumente, Proviant und alles Inventar und Material, dessen ein Schist wenn es im Hafen still liegt, nicht bedarf. — Die A. einer 5 ng wird gewöhnlich als Armierung derselben bezeichnet. (S. Armieren.) A. ist auch der Akt des Ausrüstens selbst. ussaat nennt man die Verbreitung der Pflanzen durch Samen, Sporen und andere zur Fortpflanzung bestimmte Zellen; dieselbe geschieht in sehr liche A. be Art. Eine gewöhnlich als natüriche A. bezeichnete Verbreitung findet bei denjenigen Pflanzen 10. die sich selbst Überlassen bleiben, also bei den sog. wildwachsenden, entweder durch zweckmäßige Verbreitungseinrichtungen von der Pflanze selbst oder durch mannigfache Einwirkung der Außenwelt. Bei der großen Mehrzahl der Pflanzen werden die Samen, Sporen u. s. w. nur auf verhältnismäßig geringe Entfernungen hin ausgestreut, indem die Ver —¹ durch die Mutterpflanze selbst vollzogen wird. Der einfachste hierher gehörende Fall der natürlichen A. ist das erabfallen der Früchte, Samen u. s. w. auf den Boden, nachdem durch die Reife ein Ablösen derselben von der Mutterpflanze eingetreten ist; so ist es z. B. bei sehr vielen Gräsern, bei den Buchen, lichen u. s. w. Hierbei kommen natürlich die Samen direkt unter die Pflanze zu liegen, vorausgesetzt, daß sie nicht durch die Einwirkung äußerer Kräfte, wie durch starke Winde hinwegge rt werden. Jedoch kann die Pflanze Panderha läßige Einrichtungen ihre Samen auch außerhalb ihrer allernächsten Umgebung aussäen, indem sie dieselben bei der Reife mit oft bedeutender Kraft von sich schleudert. Es exi1o we hierzu die mannigfaltigsten Einrichtungen, o werden z. B. bei verschiedenen Hülsen⸗ und Schotenfrüchten die Samen bei der Reife durch plötzlich eintretendes uhrfederartig oder schraubenförmiges Zusammenziehen der Hülsen, beziehungsweise Schoten Fuchten des Ruhn chn es findet statt bei [den Früchten des Rührmichnichtan (Impatiens Nolitangere). Auch bei vielen Sauerkleearten (Oxalis) den ziemlich komplizierte Einrichtungen, vermöge deren die Samen bei der leisesten Berührung der Früchte mit großer Kraft fortgeschleudert werden. Bei der Spritzgurke (Eebalium Elateber Mattenr während der Ablösung der Frucht von der Mutterpflanze ein plötzliches Heraus pritzen der darin enthaltenen Samen statt. Auch bei einigen ilzen wird die der Sporen durch egschleudern bewirkt, so z. B. bei dem sehr häufigen Schimmelpilze Mucor (s. d.). Aber 11 bloß das Ausstreuen der Samen befördert die Verbreitung, sondern auch das Eindringen derselben in die Erde, und auch in dieser Beziehung sind bei einigen 170 den sehr zweckmäßige Einrichtungen vorhanden; so besitzen z. B. die Samen vieler Erodium-Arten (s. Erodium) eine korkzieherartig gewundene Granne, die infolge starker D Eigenschaft, Wochsel ich aus der Luft anzuziehen) bei Witterungswechsel si auf- und einrollen kann und so ein äpnuiche der Samen in den Boden bewirkt; ganz ähnliche Verhältnisse finden sich bei einer Anzahl Gräser, z. B. bei verschiedenen Haferarten, bei dem Federgras (Stipa) u. s. w. Bei der Verbreitung der Samen und Sporen durch das „Windsteö der Außenwelt kommen hauptsächlich die Windströmungen in Betracht. An den Samen und Früchten l0b vieler höherer Pflanzen sind die verschiedenartigsten Einrichtungen getroffen, um das Wegführen derselben durch den Wind möglich zu machen. Man nennt derartige Einrichtungen gewöhnlich Flugorganev. Die bekanntesten derselben sind die Haar⸗ und Federkronen vieler Kompositen, die Haarschöpfe an den Samen der Weiden, Pappeln, Anemonen, Waldreben (Clematis), ferner die flügelartigen Ansätze an den rüchten der Ulmen, Echen, Ahorne und an den Samen der meisten Nadelhölzer. Sehr kleine Samen, wie die der Orchideen, ebenso die große Mehrzahl der Sporen von Pilzen und höhern Kryptogamen sind meist von so geringem ut Hen daß sie auch ohne derartige (Flugorganer mit Leichtigkeit vom Winde sehr weit hinweg —15 werden können. Die Sporen 2 ieler W Algen, ebenso die Samen und Früchte vieler Wasserpflanzen werden ausschließlich durch Wasserströmungen verbreitet; auch önnen die Samen mancher dir Reres auf den Bächen, Flüssen sowie durch die Meeresströmungen auf weite Strecken fortgeführt werden. Einen nicht minder wichtigen Faktor bei der natürlichen A. bilden die Tiere und zwar vorzugsweise die Vögel. Samen, die durch Tiere verbreitet werden, sind ewöhnlich mit Haken, Borsten u. dgl. versehen. o sind die Früchte vieler Doldenpflanzen (3. B. der Möhren), Rubiaceen (z. B. Galium Iossum officinale) mmt gekrümmten oder an der Aparine), ferner mancher Boragineen (3. B. Cynopitze widerhakigen Borsten versehen, sodaß sie in dem Haar⸗ oder Federkleide der Tiere hängen bleiben. Die Verbreitung der Mistel (Viscum album), die als Schmarotzer auf vielen Bäumen lebt, wird vorzugsweise von den Vögeln besorgt, indem die weißen süßen Beeren von denselben gefressen und so die in den Beeren enthaltenen Samen nach einer Wanderung durch den Darmkanal der Vögel auf andere Bäume übergeführt werden. Auf ähnliche Weise werden auch viele andere Samen, die mit lleischigen Hüllen versehen sind und deshalb von Tieren kairisler werden, verbreitet. Als künstliche A. bezeichnet man die auf rein mechanische Weise durch die Thätigkeit des Menschen geschehende Verbreitung der Pflanzen. Diese wird vorzugsweise bei solchen Gewächsen angewandt, an deren Kultur der Mensch ein besonderes Interesse hat. (S. Säen.)