FeedBag l(engl.)
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Bag l(engl.), Sack, Beutel, speziell ein Ballen Baumwolle 120 kg. Bagage (frz.) nennt man das Gepäck der Truppen, insoweit es nicht von der a den Pf auf dem Leibe oder von den Berittenen auf dem Pferde, sondern auf Lasttieren (Packpferde, Saumtiere) oder mittels Fahrzeuge (Bagage⸗, Pack⸗, Gepäckwagen oder ⸗Karren) fortgeschafft wird. Im weitern Sinne können auch andere Heeresbedürfnisse, die den Truppen nchensn werden müssen, zur B. erechnet werden Lebensmittel, Munition, Mediamente u. s. w.). Man spricht von kleiner und Iruhwer B. und zählt zu ersterer alles, was die ruppen unmittelbar im Gefecht bedürfen (im Deutschen Reiche Munitions⸗ und Medizinwagen 5. f die Handpferde der mentüc . zu letzterer die im engern Sinne, Rlene.N ie Gepäck⸗ und Vorspannwagen. Die kleine B. folgt auf dem Marsche den Truppen unmittelbar, die große in 4% Abständen. Einteilung und Verhalten der B. wird durch die Bagageordnung geregelt. Im 17. und 18. Jahrh., wo die Magazinve flegung und die Lagerung unter Zelten herrschend waren und die Offiziere in ausgedehnter eise für ihre Bequemlichkeit sorgen durften, hatte die B. einen großen Umfang, dessen Verminderung insbesondere durch die enfall dor 3e Napoleons I. veranlaßt und durch Wegfall der Zelte sowie Verringerung der mitgeführten Verpflegungsvorräte und des Offiziergepäcks ermöglicht wurde. Auf Kriegsmärschen folgt die B. in der Regel nicht den einzelnen Truppenteilen, sondern brigade⸗ oder divisionsweise gesammelt in einem gewissen Abstande von der Queue der betreffenden Heereskörper oder überhaupt rückwärts der fechtenden Truppen und unter besonderer Bedeckung; beim Rückmarsch wird die B. vorangeschickt. Je geringer der Umfang der B., desto unbehinderter ist die Bewegung der Truppen. Für die deutsche Armee ist eine „Dienstanweisung für die Infanteriebagage im Kriege (Berl. 1875) erschienen. ö‚ muder 9075 Dorf an der Ostküste Mittelafrikas, gegenüber der Insel Zanzibar, in 6² 17 südl. Br., der gewöhnliche Ausgangsplatz für die Karawanen, welwe ins Missoo Afrikas von Osten her gehen. Französische Missionare haben dort ein Erziehungsinstitut für befreite Sklaven gegründet. Bagasse nennt man die ausge reßten Stengel des Zuckerrohrs, welche in den Zuckerfabriken meist als Heizmaterial verwandt werden. Bagatelle lfrz.),Kleinigkeit, unbedeutende Sache. Bagatellsachen heißen Streitsachen von geringem Werte. Für 2 haben sich überall in den deutschen wie auch in den roman. Ländern vereinfachte Prozeßformen ausgebildet. (S. unter Mahnoerfahren und Summarischer Prozeß.) Nach §. 23. 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1877 besteht jetzt im Deutschen N. für Sachen im Werte von nicht über 300 das amtsgerichtliche Verfahren. Bagatto oder Bagattino letan veraltete venet. Scheidemünze; daher der kleinste Tarok, so enannt, weil das betreffende Kartenblatt einen Schuhflicker mit einem B. in der Hand darstellte. agdad, im Mittelalter in der abendländ. Form auch Baldach genannt, die Hauptstadt des gleichnamigen asiat.⸗türk. Vilajets (nach Abtrennung der in neuester Zeit eigene Vilajets gewordenen, früher zu B. gehörigen Liwas Mossul und Basra nur noch 1200000 E.) im mittlern Inen potamien, liegt zu zwei Dritteilen auf dem linken Ufer, d. h. der Ostseite des in der Landessprache Schatt genannten Tigris, über welchen zwei je auf 17—19 Pontons ruhende, 200 -220 m lange Schiffbrücken führen, während das alte B., die Residenz der Kalifen und einst die größte Stadt der mohammed. Welt, an der Westseite des Flusses lag. Die östl. Stadt ist von einer jetzt ganz verfallenen Mauer nebst vorgelegenem Graben umeben, die Weststadt wird nur durch einen verfallenen Erdwall gedeckt. Die türk. Regierung hat indessen eine vollständige Erneuerung der Befestigungen B.s projektiert. Die in der nordwestl. Stromecke der Oststadt gelegene, vierseitige, ebenfalls aus Ziegelsteinen erbaute Citadelle ist halb verfallen und, weil sie auf zwei Fronten dicht von den Häusern der Stadt umgeben wird, um so weniger von irgendeiner Bedeutung. Die Straßen beider Stadthälften sind nicht enger und schlechter gepflastert als diejenigen der meisten andern türk. Ortschaften; das Baumaterial der nur aus einem Souterrain und einem Erdgeschoß mit darübergelegener Terrasse bestehenden Häuser sind Backsteine. Fast alle Fenster öffnen sich nach der Seite des Hofs, der in den Wohnungen der Vornehmen mit Springbrunnen verziert und mit Ziegelsteinen gepflastert ist. Im Sommer, bei der alsdann herrschenden großen Hitze, bewohnen die Hausinsassen meistens nur das Souterrain, dessen der Einwirkung der Sonne entzogenen Gemächer (Serdab genannt) vergleichsweise kühl sind, und breiten nachts ihre Betten auf der Terrasse (dem flachen Dache) des Hauses aus. Dagegen ist es im Winter so kühl, daß man behufs Erwärmung der Zimmer der Kohlenbecken (Mangal genannt) bedarf. Ofen sind nicht im Gebrauch. Die Bevölkerung schätzt man auf 60000 Seelen. Sie ist gemischt aus Arabern, Osmanlis, Kurden, Juden, Armeniern, Syrern, Nestorianern, zahlreichen Persern und wenigen Hindus. Die Mohammedaner zerfallen zu ziemlich gleichen Teilen in Sunniten und Schiiten, die sich schroff gegenüberstehen. Bis 1831, wo die Bevölkerung durch die Pest und überschwemmungen sehr vermindert wurde, war die Bewohnerzahl über 100000 angestiegen. Die Perser treiben unter dem Schutze der türk. Regierung einen ausgebreiteten Handel. Die Juden (20000) sind auf einen abgesonderten Stadtbezirk beschränkt. Unter den Gebäuden der Stadt sind der Konak (der «Palasto des Generalgouverneurs) und das engl. Konsulat, letzteres mit schönem Garten, zu nennen. Unter der kurzen Statthalterschaft Midhat-Paschas wurde zwar viel für Erleichterung des Verkehrs gethan: enge Gassen wurden erweitert, die sehr unreinlichen Straßen gesäubert, Aus⸗ und Einladeplätze am Stromufer angelegt. Aber seit seiner Abberufung ist alles wieder in den frühern n nach verfallen. Auch das Projekt einer Eisenbahn nach Kerbellah (einem vielbesuchten Wallfahrtsort mit dem Grabe des Imam Hussein) wurde war B. dm Zeitalter der Kalifen war B. der Sitz hoher Bildung und Gelehrsamkeit. Heute überwiegt das Handelsinteresse, und die von dem Kalifen Mostansir 1233 gegründete berühmte Medresse (Hochschule) ist längst in ein Karawanserai verwandelt worden. Nächst den Handeltreibenden, deren Geschäfte, in Hinsicht auf nde bedint und Sicherheit, stark dur die Zeitumstände bedingt werden und namentli von dem momentanen amume der Regierung zu den räuberischen Beduinenstämmen abhängen, strömen aus religiösem Anlaß, um die Gräber der von den Muselmanen verehrten Heiligen, unter denen sich nicht nur der Schutzpatron der Stadt, Scheich Abd-el-Kader Ghilani, sondern auch der jüd. Prophet Czechiel befindet, zu ½½½ viele Fremde, namentlich Perser und felbs Bekenner des Islams aus Hindostan zusammen. Die Sieluun des Suezkanals war für die Handelsstellung B.s von einer großen Bedeutung, insofern für die Stadt dadurch ein kommerzieller Frontwechsel bedingt wurde, dessen Folgen noch nicht als abgeschlossen angesehen werden können. Bis zum Jahre 1869 liefen die Verbindungslinien B.s für den Verkehr mit Europa ausschließlich durch die Arabische Wüste und das armen. Hochland. Seitdem kommt der Weg durch den Persischen und Arabischen Meerbusen in zunehmenden Betracht. Endlich steht in Aussicht, daß, nachdem die seit lange projektierte Euphrateisenbahn hergestellt worden sein wird, diese zur Vermittlerin namentlich des Personenverkehrs in der Richtung auf den Westen werden würde. Als ein Vermittelungspunkt zwischen Europa und Indien hat B. dadurch, daß ein ——⁊71 kürzter Seeweg nach Hindostan geschaffen wurde, augenscheinlich verloren; andererseits ist es, end der Aufschließung ebenderselben Route dem Abendlande näher getreten. B. war seither eine Hauptniederlage für arab., ind. und pers. Erzeugnisse sowie für europ. Manufakturwaren, und versah Kleinasien, Syrien und einen Teil Europas mit ind. Waren, die, zu Basra eingeführt, den Tigris in Booten stromaufwärts und durch Karawanen weiter nach Tokat, Konstantinopel, Aleppo, Damaskus und in die westl. Teile Persiens gebracht werden. Auch mit Juwelen wird einiger Handel getrieben. Einen glänzenden Anblick gewähren die besonders von Dawud Pascha erbauten, im ganzen Orient ausgezeichneten Bazars mit ihren 1200 Läden, gefüllt mit allen Gattungen orient. Waren. Die Hauptfabrikate bestehen in rotem und gelbem Leder, das in großem Rufe steht, auch in seidenen, baumwollenen und wollenen Zeugen, besonders Musselinen, Taft, Teppichen und Shawls. Die Stadt ward 763 vom abbasid. Kalifen Almansur an einer Stelle, wo nach den arab. Geographen vorher kein Haus stand, gegründet „und der Bau so rasch betrieben, daß schon nach einem Jahre der Kalif dort seinen Sitz BaulAiarch konnte. Im 9. Jahrh. erhob sie Harun-al-Raschid, welcher himn einen Palast baute und seiner Lieblingsgemahlin Sobeide ein Grabmal errichtete, zu hohem Glanze. Im J. 1258 eroberte sie Dschingis-Chans Enkel, Hulaku, der den regierenden Kalifen ums Leben bringen ließ und das Kalifat vernichtete. Die Nachkommen des Eroberers vertrieb Timur aus dem Besitze der Stadt, der sie 1393 eroberte. Zu Anfang des 16. Jahrh. bemeisterte sich ihrer Schah smael, der erste Regent Persiens aus dem Hause Sofi, und fortan blieb sie ein Zankapfel zwischen den Türken und Persern. Nach einer denkwürdigen Belagerung ward sie 1638 vom Sultan Murad IV. erobert und vergebens versuchte im 18. Juale Schah Nadir, sie den Türken zu entreißen. Als der Schauplatz eines großen Teils der Märchen in Tausendundeine ach »erlangte B. auch romantische Berühmtheit. Vgl. Wellstedt, Travels to the city of Caliphso (Lond. 1840; deutsch von Künzel, 2 Tle., Pforzh. 1841); Schläfli, Reisen in den Oriento, als zweites Heft der Mitteilungen schweiz. Reisender» (Winterth. 1864); J. Braun, „Gemälde der mohammed. Welto (Lpz. 1870).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 363Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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