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ReligionBrockhaus 1882

Auto de Fe (span., Plural: Autos de 6; portug. Auto da Fe; lat. Actus fidei) hieß die in Spanien und Portugal mit den von der Inquisition (s. d.) zum Tode verurteilten Ketzern vorgenommene Prozession. Gewöhnlich ward dieelbe an einem Sonntage zwischen Pfingsten und vent, sehr oft am Tage Allerheiligen veranstaltet. Bei Tagesanbruch ertönte der dumpfe Schall der großen Glocke der Hauptkirche als Zeichen zum Beginn des schrecklichen Schauspiels, und das Volk drängte in Scharen heran, da man schon im bloßen Zuschauen ein gutes Werk zu verrichten meinte. Die vornehmsten Männer rechneten es sich zum Verdienst, bei diesen Prozessionen dem heiligen Gerichte sich gefällig zu erweisen. Den 4— eröffneten die Dominikaner mit der Fahne der nquisition. Zunächst folgten die Reuigen, denen nur Buße auferlegt war, hinter ihnen, durch ein barurd Kreuz, welches vorgetragen ward, getrennt, arfuß, mit dem Sanbenito, d. h. einem mit Teufeln und Flammen bemalten Gewande, angethan und mit einer spitzen Mütze auf dem Kopfe, die zum Tode Verurteilten, dann die Bildnisse der Entflohenen und endlich die Gebeine verstorbener Angeklagter in ½%½. mit Flammen und höllischen Sinnbildern bemalten Särgen. Den schloß das Heer der Priester und Mönche. Durch die Hauptstraßen ging es zur Kirche, wo nach der Glaubenspredigt das Urteil verkündigt wurde. Inzwischen standen die Angeklagten mit ausgelöschter Kerze in der Hand vor einem Kruzifix. Nachdem das Urteil ihnen verlesen worden, gab ein Inquisitionsbeamter jedem der Verurteilten mit der Hand einen Schlag auf die Brust, zum ericht u daß sie von der Inquisition dem waltlicher Gericht überantwortet wären, worauf ein weltlicher Beamter die Verurteilten übernahm, fesseln und nach dem Gefängnis bringen ließ. Wenige Stunden darauf wurden sie zum Richtplatz geführt. Bekannten sie sich schließlich noch zum kath. Glauben, so wurden sie erst erdrosselt und dann verbrannt, andernfalls aber lebendig verbrannt und mit ihnen auch die Bildnisse und Gebeine der entflohenen oder verstorbenen Angeklagten. Der König wohnte in der Regel nebst seinem ganzen Hof der Feierlichkeit bei. Das glänzendste Auto de Fe fand 1680 unter Karl II. zu Madrid statt; die letzten wurden gegen Ende des 18. Jahrh. abgehalten. Doch ward noch 1826 zu Valencia ein Schullehrer Ripoll wegen Deismus unter den Formen eines Auto de Fe hingerichtet. Vgl. Llorente, «Kritische Geschichte der span. Inquisitionv (übersetzt von Höck, 4 Bde., Gmünd 1820—22).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 277Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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