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ErdkundeBrockhaus 1882

Baraba oder Barabinskische Steppe heißt die große niedrige Steppe in den westsibir. Gouvernements Tomsk, Akmolinsk und Tobolsk, welche si und 2 dem Ob und seinen Nebenflüssen Irtys und Alej im W. und NW. des Altaischen Berggebietes (s. d.) ausdehnt, und mit der Irtysch⸗ und Ischimsteppe im S. und W. ein Ganzes bildet. Der noördl. Teil vom Om bis zum Ob heißt auch die [Wasjuganische, der südliche die Kulundinskische und der mittlere im engern Sinne die Barabinskische Steppe. Die Stadt Kainsk, die in der Mitte der Steppe liegt, hat eine absolute Höhe von 94m über dem Meeresspiegel. Der am Om und Tara gelegene Teil gehört der bis gegen Tobolsk hinziehenden fruchtbaren Ackerbauregion an. Die asjuganische Steppe, der am höchsten gelegene Teil der Steppe (158 m), benannt nach dem Ob-Zufluß Wasjugan, ist 570 kmlang und 218 kmbreit, enthält aber nur 500 E., Linen und Tungusen. Sie gibt einer Menge von kleinen Flüssen den Urprung, wie dem Tschulym, Kargat, Omi, Karasuk, artas, Wasjugan, der Tara, Demjanka, die teils dem Ob, teils dem Irtysch zuströmen und viele kleine Seen bilden, welche im Frühjahr und Herbst durch Übertritt der Flüsse sich in einen — Süßwasser0 von 330 km Umfang verwandeln. Der Boden er ganzen Wasjugansteppe ist Die fig und in der nassen Jahreszeit unzugänglich. Die Zwischenräume zwischen den Seen und Sümpfen sind mit einer 0,em mächtigen fruchtbaren Mulmerde bedeckt, die sich vortrefflich zum Getreidebau eignet. Der ganze nördl. Teil des Wasjugan ist mit dichten Wäldern bedeckt, die ein gutes Bauholz liefern. Die B. im engern Sinne und die Kulundinskische Steppe bilden das Gebiet der sibir. Salzseen. Der Boden ist völlig flach und steinlos, auch in den Thalfurchen ohne festes Gestein. Unter den Salzseen ist der 100 —110 km lange Tschan der größte. Derselbe steht im W. mit andern großen Seen in Verbindung, enthält gegen 100 niedrige, unbewohnte Inseln und eichnet sich durch Fischreichtum aus. Das stetig lortj chreitende Austrocknen der Seen rechtfertigt die Vermutung, daß die ganze B. früher ein großer Binnensee gewesen sei. überall ist die B. mit Geölzen von Espen und Birken überstreut; weite trecken sind dunn mit Rohr bewachsen. Seit 1730 Iun man die Kolonisation begonnen; russ. Ansiedeungen befinden sich besonders zahlreich längs den Ufern des Flusses Omi. Die Vieh⸗ und Pferdezucht ist bereits ziemlich beträchtlich, leidet aber stark durch die hier häufig vorkommende sibir. Rinderpest, als deren Hauptursache die aus den Salzsümpfen sich erhebenden Miasmen angesehen werden. Das Klima eigt sich indes excessiv. Ein anhaltend strenger inter beginnt im Oktober und verwandelt die Steppe vom Dezember an in ein pfadloses Schneegefilde. Mit der Vegetation im Frühjahr entwickeln sich Myriaden von Mosquitos, welche Menschen und Tiere auf das furchtbarste belästigen. Der Sommer bringt selten Regen, noch seltener Gewitter, 12101 aber eine Art Hobencanch der die Atmosphäre trübt. Die Sommersonne versengt die Vegetation, und alles bedeckt spr mit einem feinen, schwärzlichen Staube. Die ursprünglichen Einwohner, die Barabinzen, gehören zum Tatarenstamme der Tura-Laben sind nur noch un 1— r 1800 Köpfe n und hahen im Winter feste Ansiedelungen; im Sommer ziehen sie mit ihren Herden in der Steppe herum. Seit 1595 unter russ. Botmäßigkeit, sind sie durch die Flüsse Wasjugan und Demjanka von den Bewohnern der Wasjuganischen Steppe, den Ostjaken und Samojeden, getrennt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 463Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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