FeedBamberger (Ludw.)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Bamberger (Ludw.), hervorragender polit. und ter, geb. zu Mainz 22. Juli 1823, studierte 1842— 45 zu Gießen, Heidelberg und Göttingen die Rechte und arbeitete dann zwei Jahre bei den mainzer Gerichten. Im J. 1848 als Redacteur der MMainzer Zeitungo in die Bewegung verwickelt, nahm er an der Erhebung teil, welche 1849 in der Bayerischen Pfalz und Baden zu Gunsten der Reichsverfassung stattfand. Nach der Unterdrückung der Revolution ging B. als Flüchtling nach der Schweiz, nachdem ihn die mainzer Gerichte in contumaciam zu schwerem Gefängnis verurteilt und die rheinbayr. Assisen dieses Urteil in Todesstrafe verwandelt hatten. Von der Schweiz ging B. nach England, Belgien und Holland und von hier nach Paris, wo er sich 1853—67 der Leitung eines großen Bankhauses widmete. Nach der Amnestie von 1866 kehrte er nach Mainz zurück, wo er 1868 ins Deutsche Zollparlament, 1871 in den Deutschen Reichstag gewählt wurde. Beim Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs wurde B. von Bismarck nach dem Hauptuartier bubtan wo er im deutsch-nationalen nteresse pub sizistisch thätig war. Auch nahm er später eine Wern nach Hagenau an, um im Elsaß die polit. Verwaltungsmaßregeln fördern. Seit 1873 vertritt B. im Deutschen Reichstage, wo er bis 1880 der nationalliberalen Partei als hervorragendes Mitglied angehörte, den Wahlkreis voltswirtieha und übte darin auf die finanzielle und volkswirtschaftliche Gesetzgebung, insbesondere auf die Renscheme, das über das Münzgesetz, die Reichskassenscheine, das Banknotengesetz, die Reichsbank u. a., einen vielfach entscheidenden Einfluß aus. Einer der eifrigsten Vorkämpfer der Frei-Bereins mun Begründer und Vorsitzender des zereins zur Förderung der Derlonalssnmns bekämpfte er lebhaft den Kathedersozialismus und die Zoll⸗ und Wirtschaftspolitik, welcher Fürst Bismarck seit 1879 sich zugewandt hatte. Diese Opposition drängte B. mehr und mehr nach links und brachte ihn zu der Mehrheit der nationalliberalen Partei in einen Gegensatz, welcher ihn schließlich veranlaßte, mit einer Anzahl von Gesinnungsgenossen aus dieser Fraktion auszuscheiden und die sog. asezessionistisches Gruppe gur M. „Liberale Vereinigungy genannt) zu bilden. Zur Motivierung dieses Schrittes veröffentlichte er anonym die Schrift Die Sezessiond (Berl. 1881). Von den übrigen polit. und nationalökonomischen Schriften B.s sind besonders u erwähnen: Die Flitterwochen der Preßfreiheit-Mainz 1848), «Erlebnisse aus der pfälz. Erhebung⸗ (Frankf. a. M. 1849), Juchhe nach Italia⸗ ran Ger eine anonym erschienene Flugschrift, in welcher B. die Deutschen aufforderte, den Kampf Italiens Verd Osterreich zu benutzen, um Deutschland durch Verdrängung serreichs zu einigen; MMonsieur de Bismarck (Par. 1868, deutsch, Bresl. 1868), Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlamento (Bresl. 1870), „Zur Naturgeschichte des franz. Kriegso (Lpz. 1871), Die Aufhebung der indirekten Gemeindeabgaben» (Berl. 1871), «Die fünf Milliardeno (Berl. 1873), Die Arbeiterfrage unter dem Gesichtspunkte des Vereinsrechtss (Stuttg. 1873), eine gegen den Kathedersozialismus gerichtete Streitschrift, welche eine Entgegnung Brentanos hervorrief: Die wissenschaftliche eistung des Herrn Ludwig Bambergerv (Berl. 1873). Weitere Schriften B.s sind: «Die Zettelbank vor dem Reichstagev (Lpz. 1874), Reichsgoldo (1. bis 3. Aufl., Lpz. 1876), «Deutschland und der Sozialismus » (Lpz. 1878), „Deutschtum und Judentum» (Lpz. 1880). Außerdem schrieb er für die von Walesrode herausgegebenen Demokratischen Studieno (seit 1860), die Deutschen Jahrbücherd (1861—63) und seit 1870 auch für die Deutsche Rundschauv, die «Allgemeine Zeitungo, «Unsere Zeito, «Die Gegenwart „, Die Tribüner u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 418Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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