FeedBennigsen (Rud. von)
Recht & StaatBrockhaus 1882

Bennigsen (Rud. von), hervorragender Politiker, wurde 10. Juli 1824 zu ul von geboren, wo sein Vater, Generalmajor Karl von B. in Garnison stand. Nachdem er das Lyceum zu Hannover besucht und 1842—45 zu Göttingen und Heidelberg die Rechte studiert hatte, bekleidete er verschiedene Stellungen im hannov. Justizdienste (1846 Amtsauditor in Lüchow, später in Osnabrück 185⁵⁰ Itreter des Cn or in Aurich und Osnabrück, dann ertreter des Staatsanwalts beim Obergericht in Hannover), bis er 1854 als Richter an das Ober8 w0 nach Göttingen kam. Im J. 1855 ward B. von der Stadt Aurich in die Zweite Kammer gewählt, doch verweigerte ihm der Justizminister den Urlaub. B. trat hierauf von seiner amtlichen Stellung zurück, widmete sich der Landwirtschaft und lichen ch s äter der Bewirtschaftung seines väterlichen Gutes Bennigsen. Bei den Neuwahlen von 1857 mit großer wählh,t zu Göttingen und Dannenberg zugleich gewählt, trat er für Göttingen in die Kammer und stellte sich hier an die Spitze der wenigen Oppositionsmitglieder. dem Bestreben, einen Vereinigungspunkt für die polit.⸗nationalen Bestrebungen zu e entwarf er 1859 mit Miquel und andern eine klärung, worin das Bedürfnis eines deutschen Parlaments dörne einer starken Centralgewalt und reußens Ansprüche auf die Vormachtstellung betont waren. Nachdem dieses Programm von einer Versammiun von 35 hervorragenden Liberalen (14. Juli 1859 zu Hannover unterzeichnet war, fand unter B.s Leitung eine größere Wereintaung zu Eisenach (14. Aug.) statt, die eine Vereinigung der Konstitutionellen und Demokraten zu einer einzigen nationalen Partei als Forderung aufstellte, und am 15. und 16. Sept. wurde in Frankfurt zur Durchführung jenes Programms der Wauser Nationalverein gegründet. B. ward zum Präsidenten des Ge chäftsleitenden Ausschusses gewählt. In dieser Stellung entwickelte B. eine weitgreifende — eit, die trotz der Gegenwirkung, we e die Bestrebungen des Nationalvereins anfangs feitens der preuß. Regierung fanden, die Bewegung Deutschlands nach dem nationalen Ziele wieder in luß brachte. Außerdem wirkte B. in seinem e Vaterlande 8˙0 aller Anfechtungen als Abgeordneter fort und beteiligte sich auch als Vertrauensmann bei dem Ausschusse von Geistlichen und Laien, welcher die Einführung einer Presbyterial⸗ und h. dalverfassung anstrebte und die 5186 kirchliche Ver Dieeiir zu Celle 22. April 1863 außern Aniese kirchli Wedes be welche den äußern Anlaß zu dem Sturze des bereits and ihn ½½ten Ministeriums Borries gab, fand ihren 1ooal in der von der Vorsynode beschlossenen Synodal- und Presbyterialverfassung der luth. Kirche Hannovers, auf deren Zustandekommen B. als vom Fürstentum Osnabrück gewähltes Synodalmitglied wesentlichen Einfluß übte. In den J. 1863—66 hrer der Kammermehrheit gegenüber den beiden tern, im Innern zwar gemäßigten, aber in der olitik großdeutsch gesinnten Rinisterien, machte vor dem Ausbruche des Kriegs von 1866 mit Hermn olit. Freunden vergeblich den Versuch, die eutralitätsstellung Hannovers zu retten. Nach der Einverleibung Hannovers in Preußen bildete sich noch im Laufe des J. 1866 unter B.s Fuhrung in Hannover die nationalliberale Partei, welche sich die Ausbildung Deutschlands zu einem parlamentarischen chen Meiapg zur Aufgabe machte. W. den Norddeutschen urch der und in das 00l Abgeordnetenhaus durch den 19. hannov. 3. kreis (Otterndorf-Neuhaus) schafte nahm B. als Vizepräsident dieser —.— — ten und einer der Fuhrer der nationalliberalen Partei an der parlamentarischen Thätigkeit 3pinzialh Anteil. e 1868 wurde er von den deödiren alständen der Provinz Hannover zum Landesdirektor gewählt. 35. rend des Deutf Französischen Kriegs weilte B. mehrmals in Süddeutschland, um im Auftrage seiner polit. Freunde sch über die eventuelle Haltung Iodeudch der deutschen Verfassungsfrage mit den 0 deutschen Liberalen zu verständigen. Im Dez. 1870 wurde er nebst noch einigen polit. Notabilitäten in das deutsche Hauptquartier nach Versailles berufen, um an den Beratungen mit den Vertretern Süddeutschlands über die Verträge zwischen den süddeutschen Regierungen und dem Norddeutschen Bunde teilzunehmen. Seit 1871 vertritt er den Wahlkreis Otterndorf-Neuhaus ununterbrochen im Deutschen Reichstage und im preuß. Abgeordnetenhause, als dessen Präsident er 1873— 79 Bimmrd Ende Dez. 187⁷ fanden zwischen B. und ismarck über den Eintritt des erstern in das reuß. Ministerium on Srühah Verhandlungen in arzin statt, welche, im . 1878 längere Zeit ortgesetzt, daran cheiterten, aß B. nicht nur ernste edenken gegen einzelne finanzie e Reformpläne (vor allen gegen das Tabaksmonopol) des Rei Skanzlers äußerte bpcie namentlich auch die Bedingung * te, da zugleich mit ihm noch mehrere andere itglieder der nationalliberalen Partei in das Ministerium eintreten sollten. Die blehnung dieser Forderung rief eine gewisse Spannun Iwischen B. und Bismarck hervor, die no an die erfolgreiche Opposition des nationa liberalen rõ gegen den ersten Entwurf des Sozialistengesetzes wesentlich verstärkt wurde. Trotz dieser Entfremdung blieb B. seiner bisherigen gemäßigten Haltung treu. Dies üahen ich namentlich 1880 bei dem Austritt des Unken Flügels der nationalliberalen Partei aus dieser Fraktion, bei welcher Gelegenheit er die unbestrittene Führerschaft des Restes der nationalliberalen Partei übernahm. Als parlamentarischer Redner wirkt B. besonders durch ruhige, staatsmännische Haltung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 774Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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