FeedBarlaam und Josaphat
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Barlaam und Josaphat, einer der verbreitetsten geistlichen Romane des Mittelalters, in welchem die Bekehrungsgeschichte des ind. Prinzen Josaphat durch den asiat. Eremiten Barlaam De hlt, die Kraft des eiele 8s gegen sündige Versuchungen am Beispiele des Josaphat nachgewiesen und der 51 Wert des Christentums, andern Glaubensformen gegenüber, durch den bekehrten Nachor dargethan wird. Liebrecht im Jahrbuch für roman. Litteraturv, 1862) hat die interessante Entdeckung gemacht, daß die Grundlage des Romans auf 9ie Voiaphut Quellen beruht, und daß die Geschichte Jo Gbteen des Sohnes Abenners, welche beide nie gelebt, nichts anderes ist als eine Bubdhas 2 9. enaue Schilderung des Lebens uddhas. Als ersasser des griech. Originals dieses Werks wird fälschlich der berühmte Kirchenlehrer Zeuhitor Damascenus, von einigen auch der Kirenhistoriker Anastasius Bibliothecarius angegeben; jedenfalls war es ein morgenländ., vielleicht ein äthiop. Christ. Der griech. Grundtext wurde zuerst von Wen un in dessen Anecdota (Bd. 4) herausgegeben und von Liebrecht (Münst. 1847) ins Deutsche übersetzt. Doch bereits im Mittelalter war der Roman in einer lat. übersetzung hrh.e verbreitet, welche auch zu Ende des 15. Jahrh. einigemal einzeln sowie pater in den Werken des Johannes Damascenus (3. B. Par. 1609) und anderwärts gedruckt wurde. Vincenz von Beauvais verwebte die Geschichte in sein Speculum historiales hinein. Aus jener lat. Übersetzung flossen nun zunächst drei franz. Bearbeitungen in Versen vom anglonormann. Trouvere Chardry im 13. ahrh. (herausg. von Koch, Heilbr. 1879), von Gui de Cambray (herausg. von Zotenberg und Meyer, Stuttg. 1864) und von Herbert, sowie einige voneinander unabhängige Prosa-Ubersetzungen, welche unter dem Titel: AMistoire de B. et J.v (Par. 1514; eine andere Par. 1574, 1592) erschienen, und eine Bearbeitung von Girard (Par. Lainah; Aus einem nordfranz. oder provencal. Original ging im Anfang des 14. Jahrh. die ital. «Storia de S. Barlaamo (zuletzt Rom 1816) dawere Auch in Deutschland ward das lat. Buch, und zwar noch im 13. Jahrh., dreimal bearbeitet, zuerst von Rudolf von Ems (herausg. von Köpke, Königsb. 1818, von Pfeiffer, Lpz. 1845). Eine Berru dichterische Bearbeitung von unbekanntem 92 Wiei ist bloß aus Bruchstücken bekannt, welche Pfeiffer in Haupts Zeitschrift für deutsches Altertumo ½ und in seiner „(Forschung und Kritik auf dem Gebiete des deutschen Altertums» (Bd. 1, Wien 1863) hat abdrucken lassen. Eine dritte noch ungedruckte Bearbeitung von einem nicht näher bekannten Bischof Otto befindet sich vollständig auf der 91 10 Bibliothek zu Solms-Laubach. Daneben besteht noch eine deutsche Prosa-Übersetzung des alten lat. Textes, welche in einigen undatierten augsburger Drucken aus den letzten Dezennien des 15. Jahrh. enthalten ist. Während eine isländ. Barlaams-Saga sowie das schwed. Volksbuch Barlaam och Josaphato aus dem Deutschen geflossen sind, ist Oad de Arze Solorzanos Historia de B. y J.v (Madr. 1608) aus dem Lateinischen übertragen. bon Quelle haben 9 eine um 1470 verfaßte böhm. Bearbeitung 6. B. Prag 1593) und eine polnische in Versen von Kulizowsky (Krak. 1688). Das Buch wurde von Antonio de Borgio selbst in die Tagalasprache auf den amart7l9 ear nseln übersetzt und daselbst (Manila 1712) gedruckt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 487Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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