FeedBast
HeilkundeBrockhaus 1882

Bast war früher in der Anatomie der Pflanzen die gewöhnliche Bezeichnung für denjenigen Teil des Gefäßbündels oder des Gefäßbündelringes, in welchem die Eiweißstoffe oder Plasma leitenden Clemente, die sog. Siebröhren (s. d.) liegen, und zwar wurde der Ausdruck B. beshalb für diese Partien gewählt, weil in sehr vielen Fällen die Faserzellen, welche wegen ihrer Festigkeit den Namen Bast-Teu te verdienen und von denen auch ein großer eil technisch als Bast die mannigfachste Verwendung findet, die Begleiter jener Siebröhren sind. Man übertrug also den Namen B. von einzelnen Zellen auf die ganze Region, in der sie sich vor-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. zugsweise finden. Da indessen diese Art der Benennung zu großen Verwirrungen Anlaß gab, so oder Zell jetzt viele Botaniker nur diejenigen Zellen oder Zellgruppen als B., welche eine bedeutendere Festigkeit besitzen und dazu dienen, den übrigen zartern Gewebepartien den nötigen Halt zu gewähren, die also, ähnlich wie die Knochen, Bänder und andere Einrichtungen bei den Tieren, das Skelett der Pflanzen bilden. Die Anordnung der festen Baute ist dabei gleichgültig; sie können iowohl als egleiter der Siebröhren wie auch anderer zarter Gewebeelemente auftreten. Im gewöhnlichen Leben versteht man unter B. biegsame, zähe, zu Flechtwerk geeignete Pflanzen-Berw. oder Fasergewebe von Pflanzen. Technische erwendung zu dergleichen Zwecken finden hauptsächlich die Bastzellgruppen der Lindenbäume, bekannt als Lindenbast. Dieser wird in Deutschland, Frankreich, Italien, Osterreich, namentlich aber in Rußland zu verschiedenen sabrikaten verarbeitet. Außer zum Reinigen hölzerner und metallener Geschirre und zum Binden in der Gärtnerei wendet man denselben zur Verfertigung von Seilen, Matten und Taschen an. Die Matten bilden in Rußland, wo sie auf einfachen Stühlen gewebt werden, einen nicht an auch Scuh Handelsartikel. Dort fertigt man auch Schuhe und Hüte aus B. Die unter dem Namen Bast hüte in Südeuropa, namentlich in Italien erzeugten Hüte werden jedoch mit Unrecht so genannt, da sie nicht aus B., sondern aus Streifchen von Espen- oder Weidenholz bestehen. Die größte Bedeutung hat die Verwendung einzelner Arten des B. als Spinnstoff. (S. Flachs und Hanf.) In Ostindien liefert der wie Flachs bearbeitete B. verschiedener Bäume feine Gewebe, die einen seidenähnlichen Glanz zeigen, häufig auch Seidenfäden enthalten und meist mit braunem, rotem, gelbem oder orangefarbigem Grunde mit andersfarbigen Längen⸗ und Querstreifen unter allerlei Namen (Cherquemolles, Foutalonges, Foulas, Nillas, Biambonnes, Pinasses, Romales) in den Handel gebracht werden. Seidener (eigentlich halbseidener) B. heißt ein gestreiftes oder gewürfeltes Zeug, bei welchem die Kette aus Seide, der Einschlag aus Baumwolle besteht. Außerdem kommt unter der Benennung B. ein geköperter, sehr damd reich eite dier Baumwollstoff vor, auf dessen rechter Seite die Kette zu drei Vierteln über dem viel gröbern Einschlag freiliegt. ö

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 545Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6