FeedBatthyänyi (Ludwig, Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Batthyänyi (Ludwig, Graf), ungar. Staatsmann, geb. 9. April 1809 zu Preßburg, trat im 16. Jahre als Kadett in die Armee, entsagte aber nach erlangter Volljährigkeit dem Militärstande und trat seit 1838 an der Magnatentafel als Sprecher der Opposition auf. Als die Märztage 1848 der Opposition den Sieg und Ungarn ein eigenes Ministerium Laselben ern ward B. 17. März zum Präsidenten desselben ernannt. Loyalität und Aufrechthaltung des Verbands zwischen Ungarn und Osterreich waren die Grundsätze, welche B. in seiner höchst ½˙• Stellung 1 Ber zu machen suchte. Indessen steigerten sich die Verwickelungen von allen Seiten, und unter vergeblichen Verhandlungen mit dem österr. Ministerium und dem Einbruche des Banus Jellachich in Ungarn legte B., der den Schwierigkeiten seiner Lage nicht ewachsen war, 15. Sept. sein Portefeuille nieder. Doch ließ er sich vom Palatin abermals zur Übernahme des Ministerpräsidiums bewegen und wurde mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt, das, wiewohl aus chn gemäßigten Männern bestehend, die königl. Bestätigung nicht erhielt. Nach Aufloöfung des ungar. Reichstags und der Ermordung des zum Landeskommissar ernannten Grafen Lamberg (28. Sept.) Rire B. nach Wien, teils um die Folgen jenes blutigen Ereignisses abzuwenden, teils um zur Bildung eines neuen Ministeriums mitzuwirken. Da er aber nichts auszurichten vermochte, kehrte er 5. Okt. auf sein Gut Ikervar zurück. Hier bewaffnete er seine Dienerschaft und kämpfte mit derselben nach Ausbruch der Feindseligkeiten im Vidosschen Streifkorps „wurde aber durch einen Sturz von fernerer kriegerischer Thätigkeit abgehalten. Im Nov. 1848 ging er nach Pest, um beim Reichstage seinen Sitz zu nehmen, hielt sich hier jedoch vom Landesverteidigun Zausschuß ganz fern. 8 der ungar.⸗revolutionäre Reichstag und dessen Regierung nach nach Om Abersiedelten, blieb B. in Pest und wurde nach Windischgrätz' Einzug 8. Jan. 1849 verhaftet. Man brachte ihn na en, dann nach Preßburg, Laibach, Olmütz, endlich im Juli 1849 wieder nach Pest, wo er 5. Okt. durch einen Spruch des Kriegsgerichts zum Strang verurteilt wurde. B. brachte sich jedoch während der Nacht mittels eines Dolchs mehrere Wunden am Halse bei, sodaß die Hinrichtung am Abend des 6. Okt. nur durch Pulver und Blei vollzogen werden konnte. Seine Güter wurden konfisziert; seine Familie ging ins Ausland. Die Leiche des Grafen wurde in der solgenden Nacht von Freunden und Verwandten entwendet und heimlich in der Gruft der Franziskaner in Pest beigesetzt (7. Okt). Hier blieb der Leichnam bis zum J. 1870, dann wurde er in feierlichster Weise in ein Mausoleum auf dem Kerepeser Friedhofe in Pest 20 8 Vgl. »Aufzeichnungen eines Honvede (2 Tle., Lpz. 1850); Horväth, »Ludwig B., ein polit. Märtyrer » (Hamb. 1850); derselbe, »Fünfundzwanzig Jahre aus der Geschichte Ungarns 1823—48 (deutsch von Novelli, 2 Bde., Lpz. 1867).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 562Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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