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HeilkundeBrockhaus 1882

Bauch oder Unterleib (abdomen) ist die größte der drei Eingeweidehöhlen des tierischen und menschlichen Körpers, welche zwischen der Brust und dem Becken liegt und die Baucheingeweide (Verdauungsorgane, Urin⸗ und Geschlechtsorgane) enthält. Ihre vordere und f Wand bilden die ie Bauct un ihre hintere die Wirbelsäule und die Bauch⸗ und Lendenmuskeln. Nach oben wird die Höhle durch das Zwerchfell von der Brustöhle getrennt, und nach unten aube sie auf dem Becken und geht in die Beckenhöhle über. Außerlich unterscheidet man am B. drei Hauptgegenden: die Oberbauchgegend (regio epigastrica), welche von den Knorpeln der sechs untern Rippen begrenzt wird; ihre Mitte bildet die Magengrube, unrichtig Herzgrube, ihre Seiten das rechte und linke Hypochondrium. Die Mittelbauchgegend (regio mesogastrica), die von den Lendenwirbeln und Bauchmuskeln eingeschlossen ist; ihre Mitte bildet die Nabelgegend mit dem Nabel, an den Seiten liegen die Hüftengegenden und nach hinten die Lendengegenden zu beiden Seiten. Die Unterbauchgegend (regio hypogastrica), die von dem Becken und den an dasselbe gehefteten Bauchmuskeln gebildet wird; den seitlichen untern Teil bilden die Leistengegenden, den mittlern die Schamgegend, die untere Gegend der Damm (perinaeum) und den hintern Teil die Kreuzgegend. Von besonderm Interesse ist die Anordnung der Bau muskeln, welche als eine teils fleischige, teils sehnige Decke zum Schutze und zur Unterstützung der Baucheingeweide dienen und eine Reihe wichtiger physiol. Funktionen zu verrichten haben. In der Mittellinie des B. verlaufen als breite bandförmige Streifen die beiden geraden Bauchmuskeln vom untern Ende des Brustbeins nach dem obern Schambeinrand; nach außen von diesen die beiden äußern schiefen Bauchmuskeln, die von den acht untern Rippen entspringen und nach abwärts verlaufend sich an eine in der Mitte des B. befindliche ——7 Haut, die sog. lnea alba, ansetzen; unter ihnen verlaufen die beiden innern schiefen Bauchmuskeln vom Hüftbeinkamm entspringend, aufwärts gegen die Mittellinie des B. zu; die unterste Schicht endlich bilden die beiden queren Bauchmuskeln, welche von den sieben untern 2 81 valanfen“ und quer nach der Mittellinie des B. zu verlaufen, wo sie sich mit einer sehnigen Fortsetzung an die linea alba anheften. Durch die kräftige Zusammenziehung dieser Bauchmuskeln sowie durch den Verschluß der Stimmritze nach einer vorausgegangenen tiefen Einatmung . Bauchpresse) wird ein starker Druck auf die Baucheingeweide ausgeübt, der als ein wichtiges Austreibungsmoment bei der Stuhlentleerung, dem Harnlassen und dem Geburtsmechanismus in Betracht kommt und auch beim Erbrechen und bei forcierter Ausatmung wirksam — Die Bauchhöhle ist beim Weibe größer als beim anne, behufs der Empfängnis und Austragun des Kindes; sie wird inwendig ausgekleidet dur das Bauchfell (s. d.). Die Lagerung der Eingeweide in der Bauchhöhle ist im allgemeinen folgende: in der Mitte der Oberbauchgegend liegt der Magen, im rechten Hypochondrium die Leber, im linken die Milz: in der Nabelgegend der Dünndarm, in der Hüft⸗ und Lendengegend der Dickdarm, in der Nähe der Lendenwirbel die Nieren; in der Unterbauch-Frauen der Uterus sowie der Mastdarm auf dem Kreuzbein. (S. .De Die Baucheingeweide des Menschen.) Die Bauchhöhle ist nicht allenthalben vollkommen geschlossen, sondern ihre Wandungen besitzen eine Anzahl von Iwerchell Sifnungen für verschiedene Organe; im Zwerchfell ffnungen für die großen Blutgefäße und die Speiseröhre, in der vordern Bauchwand den Leistenkanal für den Samenstrang, durch welchen die Leistenbrüche lasung zu de und den Schenkelkanal, der Veranlassung zu den Schenkelbrüchen geben kann, endlich am Boden der Beckenhöhle verschiedene Offnungen für Gefäße und Nerven sowie für den After und die Harnröhre.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 565Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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