Bauern des Abts von Kempten, in demselben Jahre in den Niederlanden die «Käsbrüder» (sie führten einen Käse und ein Brot in der Fahne); im Elsaß ward 1493 eine Verschwörung entdeckt; 1502 und 1505 brach am Oberrhein der Aufstand des „Bundschuh aus, von dem Bauernschuh in der Fahne Württentbern neren er hier wieder aus, 1514 in Württemberg gegen Herzog Ulrich der Bund des armen Kunzy. „Pfaffen und Adel» bedrohte die Bewegung, die mden: Loemle Ordnung, unter der die Bauern standen; soziale Ursachen waren in erster Reihe für die Erhebung bestimmend. Es bedarf jedoch noch sehr der Untersuchung, ob diese Lasten wirklich so unerträglich gewesen sind, wie besonders die demokratische Geschichtschreibung sie früher darstellte. In neuerer Zeit sind gewichtige Stimmen laut geworden, welche die Lage der Bauern keineswegs für so trostlos halten. Jedenfalls wäre eine völlige Loslösung derselben von ihren Lasten leichbedeutend gewesen mit der Befreiung von aller staatlichen Unterordnung überhaupt. In ihren sozialen Verpflichtungen gegen die nächstgesessenen kleinen und großen Herren, von denen sie ihre Güter zur Nutznießung und den Schutz ihrer Existenz hatten, in den Frondiensten und Naturalleistungen, mit denen sie dafür deren Interessen, ihre Bauten, Ernten, Jagden, besonders ihre Fehden und Verpflichtungen gegen das «Reicho fördern mußten, gingen rößtenteils die Dienste der Bauern für die Gesellschaft, das ganze öffentliche Leben auf. Wären diese von ihnen genommen worden, so hätte eben der Staat, wie er damals bestand, ein Ende gehabt. Die Bauern wären geworden, was sie sein wollten, „Herreno, aber losgelöst von den friedesichernden Ordnungen; der Stärkere hätte der Herr werden müssen, Anarchie das Ende. Schwer oder geringer, jedenfalls war der Druck der Lasten, durch eine große Preisrevolution erhöht, und der Haß dagegen der stärkste Hebel zu der Empörung. Dazu kommen begleitende Momente: die Lockerung der geistlichweltlichen Autorität durch Luthers Reformation, der Unwille uber die Unsittlichkeit des Klerus, das Populäre der evang. Predigt, das Gefühl der eigenen Wehrhaftigkeit (jeder Bauer trug noch Wehr und Waffen); ferner in den Gebieten, wo der Aufstand ausbrach, um den Bodensee, die Nähe der meist evang., republikanischen Eidgenossenschaft, die kath.⸗strenge Haltung der vorderösterr. Regierung und des Schwäbischen Bundes, endlich besonders die Umtriebe Herzog Ulrichs, der vor Jahren von jenen beiden Gewalten aus Württemberg vertrieben, von Hohentwiel her mit Hülfe der Bauern und Schweizer sein Land wiederzuerobern hoffte. er Aufstand brach zunächst im Sommer 1524 in Württemberg aus. Aber die Glut blieb geteilt und schien fast erstickt, als Ende Febr. 1525 der Losbruch Ulrichs die zurückgehaltenen Flammen zu vollem Ausbruch brachte. Zwar blieb dieser Kriegszug resultatlos, da die Schweizer, erschreckt durch die große Niederlage bei Pavia 24. Febr. 1525, ihre Truppen von Ulrich abriefen und diesen dadurch lahm legten. Aber die Geister, einmal entshie t, waren nicht mehr zu halten. Im Marz erchienen die c3Zwölf Artikelo, um oder in Memmingen entstanden, die mit rätselhafter Schnelligkeit verbreitet, zum allgemeinen Programm wurden: Freiheit der Jagd, des Fischfangs, der Holzung. Aufhebung der Leibeigenschaft und des kleinen Zehnten, Wahlrecht evang. Prediger waren die Hauptforderungen. In wenigen Tagen stand ganz Ober⸗ und Mitte „sndern in Aufruhr. Und nicht bloß die Bauern, sondern zum Teil auch die Bürger ließen sch fortreißen. Eine Reihe kleinerer Städte dgenidie sich an, in größern errangen die Beiond gegen die patricischen Regimenter Erfolge. Besonders bedeu=⸗ tend wurde der Ubertritt Rothenburgs a. d. Tauber, wo Karlstadt (s. d.) sein Wesen ht Würzburgs, das seinen Bischof verjagte, Mühlhausens in Thüringen, wo der gewaltige Schwärmer Thomas Münzer (s. d.) die Vernichtung jeder Herrschaft, die „Freiheit aller Kreaturo, d. . den kommunistischen Gottesstaat unter dem Terrorismus seines Prophetentums konstituierte. Der Anblick, der sich nun bietet, ist in allen Gauen der gleiche: die Dörfer von den Männern verlassen (Weib und Kind überliefern sie der Gnade oder Ungnade der Feinde); kleinere Haufen Zaldeinge zu größern an, wie der Seehaufen, der Reanen der Oberallgäuer in Oberschwaben, in Franken der Schwarze und Helle und der Odenwälder Haufen; bei den laufeu s die zuerst dem Verderben geweiht sind, laufen sie zusammen. Dann geht es gegen die Buren und Städte, und so wälzt sich die wilde Zertörung von Ort zu Ort. Wer widersteht, geht unter; wer sich ergibt, muß in den Bund treten und die Zwölf Artikel beschwören oder verfällt trotzdem der Rache, wie der Graf von Helfenstein, der vor Weinsberg durch die Spieße gejagt wurde. Und weithin haben sich die Herren, selbst Bischöfe und .½4 in Vertrag o Dar müssen, z. B. die Bischöfe von Speier und Würzburg, der Kurfürst von der Pfalz und der Truchseß von den 5 Andere traten an die Spitze der Haufen, so Götz von Berlichingen, der 64 ich in der Katastrophe davonritt, Florian von Geyer, der als . er des Schwarzen Haufens einen Heldentod fand. Die Grafen von ihiserten von Wertheim, von Henneberg u. a. sympathisierten eigennütziger Interessen Enns unverhüllt mit den Empörern. In dem Chaos der entfesselten Leidenschaften taucht einmal auch ein System ordnender Gedanken auf: der Entwurf einer neuen Reichsordnung von Wendel Hipler, früher hohenlohischem Kanzler, deren Hauptzüge waren: u desgterust der geistlichen Güter, Beschränkung des Klerus auf die Seelsorge, Reform der Gerichte, Einheit der Münze, Periodisierung der Steuer, Beseitigung der Zölle, Aufrichtung der kaiserl. Schirmgewalt. Aber kaum aufgetaucht, verschwand dieser Entwurf wieder. Schlag. Bei Leipheim und Böblingen s ni, eorg Truchseß, eder Bauernjörgo, die schwäbischen Bauern nieder. Wenige Tage darauf, am 15., erstürmten die Herzöge von Sachsen und Philipp von Hessen die Stellung Münzers bei Frankenhausen; Tausende wurden fast ohne Gegenwehr erschlagen, ten die elbst hingerichtet. Am selben Tage rannten die zauern und Bürger in Würzburg vergebens gegen die Mauern des Frauenbergs an. Im Elsaß bei Zabern metzelte 17. Mai Her Anton von Lothringen 17000 Bauern nieder, delnn dem Vertrag auf freien Abzug. Bei Sindelfingen schlug Truchseß 12. Mai die württembergischen Empörer und zog dann mit dem Kurfürsten von der Pfalz el A die fränk. Haufen; bei Könighofen 2. Juni, Ingolstadt 4. Juni, wo Florian Geyer fiel, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. II. wurden auch diese vernichtet; 7. Juni mußte sich das An ergeben. Zuletzt wandte sich Truchseß in das Allgäu und erstickte auch 1. die letzten Funken mit Georg von Frundsbergs (s. d.) Hilfe durch wohlberechnete Grausamkeiten, Verrat und Gewalt der Waffen. Dann kamen fürchterliche, erbarmungs-Rl Exekutionen. Die Rache der Sieger war in der That so furchtbar wie die Wut der Empörer. Ver-Deund erhob Luther, der, nachdem er vor der Erhebung zu Gunsten der Bauern gesprochen, nach ihrem Ausbruch sie aber als Aufruhr gebrandmarkt und rücksichtslose Niederwerfung desselben empfohlen hatte, jetzt seine Stimme um Erbarmen. Im Monat mögen an 100000 Menschen in wenigen onaten ihren Tod gefunden haben. Erreicht aber wurde nichts als unsägliches Elend; die Lage der Bauern war bald schlechter als vordem. Die Litteratur über den B. ist sehr zahlreich, aber eine Gesamtdarstellung fehlt, da Zimmermanns Allgemeine Geschichte des großen B.y (3 Bde., ½ 1841— 43; 2. Ausg. 1854) in Forschung und Auffassung veraltet ist. Vorbereitend sind viele Einzeluntersuchungen und Aktenpublikationen, z. B. Baumann, «Akten zur Geschichte des deutschen B. aus Oberschwaben »(Freiburg 1877); Fries, «Die Geschichte des B. in Ostfranken» (herausg. von Schäffler u. Henner, Würzb. 1877 fg.).