FeedBaumgartuer (Andreas, Freiherr von)
GeschichteBrockhaus 1882

Baumgartuer (Andreas, Freiherr von), österr. Staatsmann und namhafter Gelehrter, geb.23.Nov. 1793 zu Friedberg in Böhmen, als der Sohn eines Bäckers, erhielt seine Vorbildung — j1 Schule zu Linz und widmete sich seit 1810 auf der Universität zu Wien 4½½ den mathem. Wissenschaften, ward 1815 Assistent bei der Lehrkanzel der Philosophie, 1816 bei der Lehrkanzel der Mathematik und te am Lyceum zu Olmütz. +n rieb er sein erstes Werk: die «Aräometriev (Wien 1820). Im Z. 1823 übernahm er die Professur der Physik an der Universität zu Wien und schrieb »Mechanik in Wier Anwendung auf Künste und Gewerbey (2. Aus ien 1823), Maturlehrey (Wien 1823; 8. Aufl., 1844—45), welches Werk viel zur Popularisierung der Naturwissenschaften beitrug, «Anfangsgründe der (Wien 1837; 2. Aufl. 1850), Anleitung zur Heizung der Dampfkesselz (Wien 1841), Unterricht im Tabakbau» (Wien 1845). Außerdem wirkte er für die Fortbildung der Naturwissenschaften durch die eitschrift für Physik und Mathematiko, die er anfänglich mit Ettinghausen (10 Bde., Wien 1826—32), dann allein als geitschrift für Physik und verwandte Wissenschaften⸗(4 Bde., Wien 1832—37), sodann aber in Verbindung mit Holger herausgab. Ein hartnäckiges Halsübel bewog B., das Lchramt an der Universität aufzugeben. Er ward dafür 1833 zum Direktor der k. k. Porzellan4450 ernannt, 1842 Hofrat und Chef sämtlicher bakfabriken, 1846 übertrug man ihm die Errichtung der elektrischen Telegraphen, 1847 wurde er zum Hofrat der allgemeinen Hofkammer ernannt und mit der obersten Leitung des Eisenbahnbaues betraut. Nach den Märzereignissen von 1848 ubernahm er unter Pillersdorf das Ministerium des Bergwesens und der öffentlichen Bauten, das er jedoch mit Antritt des Ministeriums Dobblhof niederlegte. Seitdem war er als Chef einer der Abteilungen im Finan rnahn B. ätig. Nach dem Rücktritte Brucks übernahm B. 23. Mai 1851 das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Bauten und noch n Im . 8 (26. Dez.) auch das Finanzministerium. 1854 wurde er in den Freiherrnstand erhoben. In seine Verwaltung + der Abschluß des Nationalanlehens und der erkauf der Staatseisenbahnen. Nachdem er das bertunnuherdreigi beinahe vier, das Finanzminiterium über drei Jahre verwaltet, suchte er im März 1855 um seine Entlassung aus bdem Staatsdienste nach. Fortan behielt er nur das Amt des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften bei. Im J. 1861 ward er in das Herrenhaus des Reichsrats baacher eine Zeit lang war er auch Präsident der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft. Bis zu seinem Tode fungierte er als Obmann der Finanzkommission des Herrenhauses und als Mitglied der Staatsschulden-Kontrollkommission. Er starb 30. Juli 1865 in Hietzing bei Wien. In seinem Vermächtnis testierte er der Akademie der Wissenschaften die Summe von 10000 Fl. (Baumgartner-Preisstiftung) zur Prämiierung von mathematisch-naturwissenschaftlichen Arbeiten. Vgl. von Schrötter, Andreas Freiherr von B.v (Wien 1866). mann, geb. 18. Okt. 1797 zu Altstätten, besuchte nach Absolvierung des Gymnasiums in St. Gallen die Rechtsschule zu Freiburg i. d. Schw., begab sich 1816 zur Vollendung seiner Studien nach Wien und nahm 1817 eine Hauslehrerstelle in Ungarn an. Im J. 1819 wurde er als politisch verdächtig verhaftet und 1820 ausgewiesen. In seine Heimat zurückgekehrt, trat er 1823 als Archivar in den St. Gallischen Staatsdienst, gelangte 1825 in den Großen Rat und wurde 1826 zum ersten Staatsschreiber gewählt. Ehrgeizig, form⸗ und geschäftsgewandt, von lce Bem Beredsamkeit, benutzte er die freiheit iche am E. G welche die franz. Julirevolution auch in St. Gallen hervorgerufen hatte, zum Umsturz des bestehenden Regieschrltd tems, nahm an der Entstehung der fort-Weise ichen Verfassung von 1831 in hervorragender eise teil und Ss aus der Bewegung als Landammann von St. Gallen und als dessen erster Gesandter an die Tagsatzung hervor. Wie B. sich in dem nun folgenden Jahrzehnt in seinem Heimatkanton einer fast unbeschränkten Autorität erfreute, so spielte er auch in eidgenössischen ahrer der radieine leitende Rolle als einer der Verr er radikalen Partei. Um so mehr erregte es Verwunderung und Unwillen, als 1841 der bisherige Führer der Radikalen ue verließ, . aus gekränktem Ehrgeiz die liberale Seite verließ, seine Stelle in der Regierung von St. Gallen r La und in der rielung der Klosterfrage an der Tagsatzung für Herstellung der Klöster eintrat. Schon 1843 gelangte B. mit Hilfe der klerikalen Partei wieder in den Kleinen Rat und auf den Landammannsstuhl und behauptete seinen Sitz bis 1847, wo ihn die Stürme der Sonderbundszeit nicht bloß aus der Regierung, sondern aus dem Lande vertrieben. 1* jahr 1848 kehrte er indes aus Wien zurück u nahm wieder einen Sitz im St. Gallihen Großen Rate ein, er den vielgewandten Staatsmann 1857—60 als Ständerat in die Bundesversammlung sandte und 1859 sogar wieder in die Regierung 5 zum Landammann wählte. Erst 1864 gelang es der radikalen Partei, ihn wieder aus der obersten Landesbehörde zu verdrängen. Von den 1 en politischen und Wert Die n Arbeiten B.s hat besonders sein erk: «Die Schweiz in ihren Kämpfen und Umgestaltungen von 1830 —50 (4 Bde., Zür. 1853—66) wissenschaftliche Bedeutung. An der Vollendung eines andern histor. Werks, der «„Geschichte des schweiz. Freistaats und Kantons St. Galleno, bezt derte ihn der Tod, welcher 12. Juli 1869 den zuletzt fast vergessenen Buitüer hinwegnahm. Vgl. Gmür, „Landammann B.y (Luz. 1869).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 586Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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