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BaukunstBrockhaus 1882

Bauschulen, Anstalten, die sich mit der theoretischen Ausbildung von Baumeistern und Bauhandwerkern befassen. Man unterscheidet höhere und niedere B. Über solche B., die, ein höheres Ziel verfolgend, entweder als besondere Akademie, oder in Verbindung mit einer allgemeinen Kunstakademie, oder mit einer Polytechnischen Schule 4* en, s. Bauakademie und Polytechnische ulen. Die niedern B. oder Baugewerkschulen dienen als Vorläufer für jene oder auch für sich allein zur Ausbildung von Mauer⸗ und Zimmermeistern, Steinmetzen, auch Mühlenbauern, Brunnen⸗ und Röhrmeistern u. s. w. Dieselben setzen meist nur eine gewöhnliche Schulbildung voraus und werden besucht, nachdem die Schüler ihre Lehrzeit angetreten oder beendet haben. Die Organisation und der Lehrplan dieser Schulen sind mit geringen 15 in Rackucht ziemlich übereinstimmend. Viele sind, in Rücksicht auf die praktische Beschäftigung der angehenden Baugewerken im Sommer, nur Winterschulen, andere dagegen gewähren Unterricht Sommer und Winter hindurch. Der Unter5015 wird in drei oder vier aufeinanderfolgenden, halbjährigen Kursen erteilt und umfaßt in den Hülfsfächern hauptsächlich: Mathematik, Mechanik (Statik), Physik, Projektionslehre, geometrisches und Freihand⸗(Ornamenten⸗)Zeichnen, Perspektive, Feldmessen und Daupilachernt Buchhalten. Der Unterricht in den Hauptfächern umfaßt: allgemeine, landwirtschaftliche und gewerbliche Baukunde, spezielle Mauer-und Zimmerkunde, Konstruktionslehre, Entwerfen und Veranschlagen von Bauplänen, Baurecht und Baugesetze, Formenlehre und architektonisches Zeichnen, Skizzieren und Schnellentwerfen; ferner Steinschnitt, Modellieren und Bossieren, +π und Ventilation, Geschichte der aukunst und Stillehre. Die Wirt dieser B. oder Baugewerkschulen in Deutschland ist die zu München, eröffnet 1823. Sodann folgte die B. zu Holzminden amRardden v Braunschweig; dieselbe ist eine der stärksten besuchten und wurde 1830 von dem Kreisbaumeister F. L. Haarmann gegründet. Seit 1837 entstanden die fünf B. Sachsens, zu Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zittau und Plauen. In den J. 1841 —54 bestand die mechanische B. + Freiberg, die aber seit 1855 als Werkmeisterschule zu Chemnitz neu begründet wurde. Diese Schule bildet seitdem Werkmeister für Maschinenfabriken, Spinnereien, Webereien, chem. Fabriken u. s. w. Im J. 1850 entstand die in vier verschiedene Fachschulen gegliederte Baugewerkenschule zu Stuttgart, 1853 die B. zu Nienburg, 1859 die B. zu Siegen, 1864 die zu Höxter a. d. W. Im 8 1864 erfolgte die Gründung der ersten österreichischen B. zu Wien, war als Urwatunternehmen, aber mit Unterstützung es Staats und der Gemeinde, 1868 die B. zu Eckernförde und 1869 die zu Idstein (Regierungsbezirk Wiesbaden). Außerdem gibt es B. zu Karlsruhe, Darmstadt, Breslau, Insterburg, Deutsch-Krone, Sulza, Wetzlar, Treuenbrietzen u. a. O., sowie in Verbindung mit Kunst-Industrie⸗ und Landwirthschaftlichen Lehranstalten stehende B.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 602Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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