FeedBeaumarchais
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Beaumarchais (Pierre Augustin Caron ehberühmter franz. Dramatiker und Publizist, u 24. Jan. 1732 zu Paris, war der Sohn eines Uhrmachers und trieb anfangs das Gewerbe seines Vaters, widmete sich daneben aber auch mit Eifer der Musik. Seine musikalischen Talente und die Gabe gewandter Unterhaltung machten ihn in den Legrer Kreisen der Gesellschaft beliebt. Er wurde Lehrer der Töchter Ludwigs XV. im Harfenspiel und kam durch die Heirat (1755) mit der Witwe Franquet, die schon im Sept. 1757 starb, in Besitz ansehnlicher Mittel, während ihm der Verkehr mit dem Hofe einflußreiche Freunde verschaffte. Während eines längern Aufenthalts, welchen er 1764 im Interesse seiner Spekulationen zu Madrid nehmen mußte, rächte er die verletzte Ehre seiner Schwester durch ein Duell mit deren Verführer Clavijo (s. d.). Durch eine zweite Heirat (April 1768) mit der reichen Witwe Levéque, die er wiederum bald (1770) durch den Tod verlor, erhielt sein Vermögen noch einen en Cpern Zuwachs. Mitten unter kaufmännischen ekulationen war B. mit zwei Schauspielen:« Offent (1767) und Les deux amisv (1770) an die Offentlichkeit getreten, von denen jedoch nur das erstere sich auf der Bühne erhielt. Nach dem Tode Duverneys (Juli 1770) geriet er mit dem Erben seines Geschäftsfreundes, dem Grafen Lablache, in einen Prozeß, welcher für ihn die Gelegenheit wurde, sein glänzendes Talent zu bekunden. Der Prozeß wurde vor dem Parlament geführt, und Gegensand desselben war eine rüdständige Schuldforderung des Erben an B. Um Zugang zu dem mit dem Prozeß betrauten Referenten am Gerichtshofe, Namens Goezmann, zu erlangen, hatte B. der Gemahlin des leztern ein ansehnliches Geschenk gemacht. Als er dennoch den Prozeß verlor, erhielt er das Ge⸗ —— zurück bis auf 15 Louisdor, welche für en Sekretär Goezmanns bestimmt Mrozeß sein sollten. Hieraus entstand ein neuer rozeß (1773) wegen Verleumdung und versuchter Bestechung. B. wurde vom Gericht für bürgerlich ehrlos erklärt und entging nur mit Mühe der Brandmarkung. Da schrieb er zu seiner Verteidigung die berühmten Meémoireso (1774; dazu später „Suite de mémoiresv, 1778), in denen er die Mens chen⸗ und Bürgerrechte mit seiner Sache in Verbindung zu setzen wußte. Zugleich enthüllte er schonungslos die Mißstände der damaligen Rechtspflege und rief so eine allgemeine W. iefe Ment Publikum zu seinen Gunsten hervor. Diese Memoiren sind ein Meisterstück der Darstellung, zeigen unnachahmliche Kraft, Naivetät und Originalität des Ausdrucks, sowie die feinste Satire, die scharfsinnigste Dialektik und ein Feuer, das noch jetzt hinreißend wirkt. Man sah sich demzufolge fassdeicr⸗ jenen ersten Spruch des Parlaments zu kassieren und die Sache durch eine Art von Vergleich zu beenden. Die Erfolge, welche B. durch den Ausgang seines Prozesses vor der Offentlichkeit erzielte, vermehrte er nach einer andern Seite hin durch seine beiden klassischen Theaterstücke Ie barbier de Sévilles (1775) und Mariage de Figaro (1784), die ihn in Frankreich zu dem beliebtesten Dichter seiner Zeit erhoben. Für die Unabhängigkeit der nordamerik. Kolonien ben Aafunternahm er es mit großem Geschick, den ufständischen Kriegsbedurfnisse zuzuführen, wodurch er zugleich Millionen gewonnen haben soll. In einen zweiten Prozeß (1781) wegen Beihilfe zur Entführung der Frau Kornmann verwickelt, fand er an Bargasse einen überlegenen Gegner. B. ließ jetzt wieder Mémoires „ erscheinen, aber ohne den bach m Erfolg. Er gewann zwar seinen Prozeß, doch nicht die Gunst des Publikums. Seine Oper Jararep (1787) erschütterte dazu seinen Ruf als Dichter, und auch sein Schauspiel La mêre coupabley (1792), welches in innerm Zusammenhang mit dem «Figaro v steht, konnte den erhofften Beifall nicht finden. Eine Prachtausgabe von den Werken Voltaires, deren sehr unvollkommene Ausführung dem ungeheuern Kostenaufwande nicht ent-Miud⸗ führte für ihn den Verlust von fast einer Million herbei. Bedeutende Summen kostete ihm 1792 auch das Unternehmen, 60000 Gewehre für das republikanische Heer zu schaffen. Wegen seines Verhaltens in dieser Angelegenheit suchte er sich in Mes six époques (1793), seiner letzten S rift, zu rechtfertigen, die ihm jedoch die öffentliche Meinung nicht wieder zuwandte. B. starb 19. Mai 1799. Ausgaben seiner Werke besorgten Gudin (7 Bde., Par. 1809), Furne (6 Bde., Par. 1827), de Marescot und de Heylli (Par. 1869) und Moland (Par. 1874). Eine Gesamtausgabe seiner Memoiren erschien von Sainte-Beuve (Par. 1857) und eine andere in 5 Bänden (Par. 1868). Eine deutsche üÜbersetzung eines Teils derselben lieferte Lewald (Stuttg. 1839). Bgl. Lomenie, B. et son tempso (2 Bde., Par. 1856); Huot, (B. en Allemagnev (Par. 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 657Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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