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PflanzenreichBrockhaus 1882

Bastardise, s. Batardise. mischlinge) ist in der Botanik die Bezeichnung für Pflanzenformen, welche durch geschlechtliche oder andere Vermischung zweier verschiedener Arten entstanden sind. Man nennt diesen Vorgang der Verzung. Der weitaus größte Teil der B. ist durch geschlechtliche Vermischung entstanden; es besteht diese darin, daß die weiblichen Organe der einen Art durch die männlichen Organe einer andern Art befruchtet werden; aus dem dadurch gebildeten Samen geht die Bastardpflanze hervor. Die geschlecht-Iehe Kreuzung kann auf zweierlei Weise vor sich zehen, sie kann in der freien Natur durch Vermitelung von Tieren oder des Windes (s. Bestäubung), oder sie kann künstlich bewirkt werden. Die letztere Art der Kreuzung wird sehr häufig von den Gärtnern angewendet, um Hybriden zu erzeugen, die die Vorzüge sowohl der väterlichen wie der mütterlichen Stammpflanzen besitzen. Man verfährt dabei folgendermaßen: Man schneidet, wenn zwitterige Blüten gekreuzt werden sollen, die Staubfäden, ehe ihre Antheren aufspringen, weg, was man Kastrie ren nennt, und bringt nun den Samenstaub einer anmdern Pflanze, die als Vaterpflanze dienen soll, am besten mit Hülfe eines zarten Pinsels auf die Narbe der damit zu befruchtenden Pflanze (der Mutterpflanze); außerdem muß selbstverständlich Sorge getragen werden, daß Pollenkörner anderer Pflanzen als derjenigen, welche man als Vaterpflanze benutzt hat, ie Weised ern bleiben. Aus den Samen der auf diese Weise befruchteten Mutterpflanze entehen nun B., Formen, die weder der Mutter⸗ noch er Vaterpflanze gleich sind, beiden aber in vielen Beziehungen Ob die Kreuzung ½— geschieht, oder ob sie ohne Mitwirkung des Menschen in der freien Natur sich vollzieht, ist für das Resultat derselben gleichgültig. Die Kreuzung ist in den meisten Fällen nur zwischen zwei Arten ein und derselben Gattung möglich, nur sehr selten findet Vermischung zweier Arten nahe verwandter Gattungen statt. Niemals aber kommen Bastarde zwischen Arten von einander Ie Beruise Gattungen vor. Die durch geschlechtliche Vermischung erzeugten B., die sog. sexuellen Bastarde, sind durch mehrere merkwürdige Eigen½* charakterisiert. Zunächst lassen sich die erkmale der Eltern stets an den Hybriden wiederfinden, aber nur so, daß man den Einfluß beider Eltern dabei wahrnimmt; so hat z. B. der Bastard der zwei Luzernearten Medicago satixa und M. falsata Blüten, deren Farbe zwischen Blau und Gelb, den Blütenfarben der Eltern, schwankt. Ferner macht sich bei den B. ziemlich allgemein eine Ab-Teit ders der Sexualität geltend, es wird ein eil der Pollenkörner und ebenso ein Teil der Samenknospen mangelhafter ausgebildet, und zwar ist diese sexuelle Schwäche in der Regel mehr bei den männlichen als bei den weiblichen Organen zu bemerken. Hingegen besitzen die B., zumal diejenigen zwischen sehr nahe verwandten Arten, ein viel kräftigeres Wachstum, das sich in einer reichern Beder Serual in den zahlreichen und, mit Ausnahme der Sexualorgane, besser ausgebildeten Blüten, in der längern Lebensdauer und mehrerm andern ausspricht. Gerade dieser letztere Umstand, das kräftigere Wachstum in fast allen Teilen ist es, was die Hybriden für die Gärtner und Blumisten so wichtig macht. Die B. sind fast immer, obwohl ein Teil der Sexualzellen mangelhaft ausgebildet ist, doae man kann sie also nicht nur durch Stecklinge, Ableger u. s. w., sondern auch durch Samen vermehren; nach mehrern Generationen jedoch, und vorzüglich dann, wenn die Stammflanzen sehe nahe verwandt sind, findet oft ein urückschlagen zu einer der beiden letztern statt. Die B. können nun ebenfalls wieder entweder mit einer der Stammformen, oder mit einer den Eltern nahe verwandten Form, oder auch mit andern B. tere 5 werden, und man erhält dann sog. abgeleitete B. V. letzterm Falle trägt der nunmehr vorhandene Bastard eine Vermischung der Merkmale von vier Stammpflanzen an sich; fährt man auf diese Weise fort, so kann man einen Mischling aus einer noch größern Anzahl Pflanzen erhalten. Die Kreuzung bietet also ein Mittel, um von einigen nahe verwandten Arten einer Gattung eine Anzahl der mannigfaltigsten Formen zu erzielen. Durch derartige Prozesse sind zum großen Teil die Wurttein Abänderungen vieler Zierpflanzen, wie urikeln, Azaleen, Kamelien, Georginen, Lepkojen, Nelken, Pelargonien u. s. w. hervorgebracht worden. Doch sind nicht alle Familien glei oßere Anzabl. in Bastarde zu bilden; es gibt eineg rößere Anzahl, in denen die Hybridation sich sehr leicht vollzieht, so die Familien der Geranzacren, Rosaceen, Kompositen, Solaneen, Salicineen und viele andere; bei andern hingegen, wie z. B. bei den Doldengewächsen, ö sind B. eine Seltenheit. Unter den höhern Kryptodresez sind bisjetzt nur wenige Bastarde, und auch iese zum Teil nur ungenau bekannt geworden. noch durch einen andern Vorgang entstehen, nämlich durch das von den Gärtnern sehr häufig angewandte Veredeln oder Pfropfen (s. d.); allerdings sind bisjetzt nur wenige 0 ieser Art bekannt geworden. Man hat z. B. durch Veredeln einer mit gefleckten (panachirten) Blättern versehenen Art der Gattung Abutilon auf eine andere derselben Gattung angehörende Art eine Hybridation insofern erzielt, als die Sprossen, die an dem betreffenden Stamme sowohl über als unter der Veredelungsstelle hervorbrachen, ebenfalls gefleckte Blätter zeigten; man hat ferner ähnliche Resultate Weicdel blauen und weißen Kartoffeln erzielt; bei eredelung einer blauen Kartoffelsorte durch die Augen einer weißen Sorte wurden nicht rein weiße Kartoffeln gebildet, sondern es entstanden blau und weiß gefleckte Knollen. Man muß dabei annehmen, daß die Unterlagen, auf welche Reiser oder Augen anderer nahe verwandter Arten gepfropft werden, einen Einfluß auf die Ausbildung der betreffenden Reiser oder Augen haben, und auch umgekehrt, daß die letztern, wie in dem Falle bei Abutilon, ihre Eigenschaften der Unterlage mitteilen können. ie Litteratur über die B. ist ziemlich umfangreich; die wichtigsten Schriften darüber sind: Koelreuter, (Vorlausige Bemerkungen von einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen und Beobachtungen » (Opz. 1761); Gärtner, „Versuche und Beoba 2 —— über die Bastarderzeugung im Pflanzenreiche (Stuttg. 1849); Wichura, «Die Bastardbefruchtung im Alrher erläutert an den Bastarden der Weideno (Bresl. 1865); Herbert, „Amaryllidaceae etc. (Lond. 1873); Focke, «Die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 546Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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