Bell-Laucastersches Unterrichtssystem oder die Methode des geschripfenn ne Unterrichts nennt man dasjenige Wölen, nach welchem vorerücktere Schüler unter Oberaufsicht eines Lehrers scwächere unterrichten, sodaß es möglich wird, mit verhältnismäßig geringen Kosten eine ungewöhnlich große Anzahl von Schülern in Einem Lehrzimmer unter Einem Lehrer zu gleicher Zeit zu beschäftigen. Schon in ältern Zeiten finden sich Spuren von ageenseitigem Unterricht'. ½ det und in ein ystem gebracht wurde die Methode jedoch —* durch die Engländer Andreas Bell (s. d.) und Jos. Lancaster (s. d.) gegen Ende des 18. Jahrh. Beide kamen unabhängig voneinander auf denselben Gedanken. Ihre Unterrichtssysteme stimmen im wesentlichen miteinander überein. Man teilt die Schüler beim gegenseitigen Unterricht in eine Menge kleiner Klassen, deren jede durch einen fortgeschrittenern Schüler in den nötigsten Fertigkeiten so weit geübt wird, als dieser sie selbst vorher von dem Lehrmeister erlernt hat. Die Schulgehilfen heißen Monitors und haben ihre Klasse, ungefähr zehn Schüler, auf einer Bank oder, wie Bell will, in einem Halbkreise stehend, vor sich. Die geübtesten oder moralisch zuverlässigsten Schüler führen wieder als Obergehilfen die Aufsicht über die Unterlehrer und deren ½½ Andere Gehilfen halten auf die äußerliche Ordnung. Das ganze Triebwerk vollendet seine Aufgabe in genau abgemessener Aufeinanderfolge der Geschäfte. Ein streng gehandhabtes System der Strafen und Belohnungen, die teils körperlich, teils auf das Ehrgefühl berechnet sind, hält die Masse der Kinder in guter Zucht. Der Lehrer unterrichtet nur die Gehilsen, wacht über den planmäßigen Gang des Ganzen und handhabt die Zucht Die Gegenstände, welche in der ange-Hiechnen Weise den und wurden, waren Lesen, echnen, Schreiben und Religion. ur Verbreitung der Bellschen Unterrichtsweise in England, Wales, Schottland und Irland trug viel bei der 1811 von der kirchlichen Partei für die Zwecke der Bellschen Schulen gegründete Nationalverein zur Beförderung der Erziehung der Armen nach den Grundsätzen der herrschenden Kircher. Dem gegenüber fanden die seit 1798 von Liuropen eingerichteten Schulen unter den Dissenters großen Anklang; zu ˙ Unterstützung wurde 1814 der „Schulverein für on Snglande und das Auslandy gestiftet. Von England aus verbreitete sich das Lancastersche Unterri . in außereurop. Erdteile und durch die Länder Europas, nach Frankreich, Rußland, Dänemark, Italien, die Schweiz; am wenigsten wurde es in Deutschland hemisch. Die Methode des gegenseitigen Unterrichts hat ihre Lobredner und ihre Tadler gefunden. Unter den erstern ist C. C. G. Zerrenner, unter den letztern A. Diesterweg hervorzuheben. Unbedingt zu empfehlen ist das Prinzip des Lehrer dine Unterrichts für Schulen, in denen ein Lehrer eine große Zahl von Schülern verschiedenen Alters zu unterrichten fal Die Anwendung des Prinzips aber muß jedenalls eine freiere sein, als sie u +7 war. Die neuere Zeit hat von der Metho dienst der Schüler beibehalten. Litteratur. — den unter Bello und Lancaster Bel und ea riften sind zu nennen: Na⸗ „Ausführliche Darstellung und Beurteilung des Bell-Lancasterschen Schulwesens in England und Frankreich» (Bresl. 1819); Diesterweg, Bemerkungen und Ansichten auf einer pädagogischen Reise na den dän. Staaten im Sommer 18365 (Ber 1836); Zerrenner, über das Wesen und den Wert der wechselseitigen Schuleinrichtungs (Magdeb. 1832); derselbe, »Die wechselseitige Schuleinrichtung nach ihrem innern und äußern Werte, mit Beziehung auf des Seminardirektors Dr. Diesterweg Urteil Über dieselbes (Magdeb. 1837); Rönnekamp, «Beleuchtung des Diesterwegschen Urteils ⸗ (Altona 1837); derselbe, »Reflexionen und Aphorismen über das Wesen, die Vorzüge, die Vervollkommnung und den Fortgang der wechselseitigen Schuleinrichtunge (Altona 1840). sten schwed. Dichter, geb. 4. Febr. 1740 zu Stockbolm, trat nach Vollendung seiner Studien bei der zog durch seine Gedichte die Aufmerksamkeit des Königs Gustav III. auf sich, der ihm eine Anstellung bei der Nummerlotterie und 1776 den Titel eines Hofsekretärs verlieh. B. befand sich stets in gedrückter ökonomischer 18 Namentlich wurden seine letzten Jahre 47 verdüstert. Er starb 11. Febr. 1795. Die meisten seiner Dichtungen sind Improbvisationen. Bei freudigen Gelagen, inmitten eines Kreises vertrauter Freunde ergriff er die Zither ächte hindurch, bis ihn ng ergriff. Die Worte entstanden mit der Must und Vae Elemente stehen miteinander in innigster Wechselwirkung. Auch die Melodien sind großenteils sein eigenes Werk. Zwar sang er auch nach ältern und schon bekannten Weisen, drückte aber denselben stets sein eigentümliches Gepräge auf. Er dichtete namentlich Trink⸗ und Liebesliederv, humoristische Schilderungen des stockholmer Volkslebens u. s. w. B.s perapfultr Dichtungen stehen in den von ihm selbst veranstalteten Sammlungen Bacchanaliska Ordenskapitlets Handlingaro (1783), Fredman's Epistlaro (1790) und Fredman's Sängers (1791). Nach seinem Tode sind mehrere Ausgaben seiner „Samlade Skriftero . B. 6 Bde., Stockh. 1835— 36) erschienen, unter denen die mit erklärenden Anmerkungen und Illustrationen versehene Prachtausgabe von Carlen (4 Bde., Stockh. 1855—61, nebst 1 Bd. Musik) besonders hervorzuheben ist. Eine Auswahl von B.s Gedichten hat Winterfeld (Berl. 1856) ins Deutsche übertragen; doch reicht die Übersetzung nicht an das Original heran. 26. Juli 1829 ward ihm im Tiergarten zu Stockholm ein Denkmal (von Byström) errichtet, und der Jahrestag der Errichtung ist seitdem für die Bewohner der schwed. Hauptstadt ein Volksfest geworden. Auch auf Hasselbacken wurde ihm 1872 im Tiergarten eine Statue errichtet.