FeedBerchtesgaden
ErdkundeBrockhaus 1882

Berchtesgaden (in Urkunden des 13. und 14. dade Pertherscadmen und Perhthersgadem genannt), Landschaft (Verwaltungsgebiet eines Bezirksamtes), umfassend die Amtsgerichtsbezirke Berchtesgaden im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, mit 399, qkm und 8290 C. in 12 Gemeinden (Gnotschaften), und Reichen-Die mit 230, qkm und 7982 CE. in 12 Gemeinden. ie Landschaft entstand aus einer um 1122 gestifteten klösterlichen Niederlassung, deren Pröpste unter Kaiser Maximilian I. mit der Reichsunmittelbarkeit des Ländchens, das etwa den Umfang des jetzigen Amtsgerichtsbezirks besaß, Sitz und Stimme auf der Fürstenbank erlangten. Die gefürstete Propstei wurde 1803 säkularisiert und dem neu errichteten Kurfürstentum Salzburg einverleibt, mit dem sie 1810 an Bayern kam. Das Ländchen bildet ein wegen seiner Naturschönheiten vielbesuchtes Alpenland, das zwischen die Thäler der Salzach und Saalach eingeschoben ist und der Formation der Trias angehört. Eine Menge großer, teils kubicher, teils scharfgrätiger Bergformen drängen sich o an⸗ und ineinander, daß sie einen ungeheuern els⸗ und Hochgebirgskranz um die Spalte des berühmten Bartholomäus⸗ oder Königssees (s. d.) zu bilden scheinen. An der südl. Grenze breitet sich die erklüftete, 2500 m 1 0 Masse des Steinernen eers mit der 2651 m Hhen önfeldspitze aus. Von diesem kolossalen Felsenwall ziehen sich zwei starre Felsgrate nördlich in das nnere des Ländchens (der 2714 m hohe, kühn aufspringende Watzmann, der Kleine Watzmann 2404 m, und der 2629 m hohe Hochkalter, dessen Südspitze, das Kammerlinghorn, einer der mnschtter Aussichtspunkte in den Alpen ist) und umschließen mit dem östl. und westl. Grenzwall die drei Hauptthäler des Berchtesgadener Beckens: das Hintersee⸗, das Winbachthal und das Thal des Königssees, die sich alle drei in dem üppig grünen Thale der Ramsau vereinigen. Diesen gegenüber erhebt sich, gegen Norden, der unmittelbar in die Ebene abfallende, 1975m hohe Untersberg, berühmt durch die uralte Sage von Kaiser Karl d. Gr., der, von Bergmännlein bedient, im Berge die Außer dem 9. des Deutschen Reichs erwartet. Außer dem Reichtum an Salz und Holz bietet das Land Marmor, Gips und Kreide. Die Hauptbeschäftigungen der Bevölkerung sind Viehzucht, Waldarbeit, Holzschnitzerei, Holz- und Beindreherei, Marmorschleiferei, Arbeit in den Salzbergwerken und Salinen. Der Marktflecken Berchtesgaden, 19 km sudlich von Salzburg, am Achen oder Alm, dem Abfluß des Königssees, in 576 m Höhe gelegen, zählt aumtsg 1782 E. und ist Sitz eines Bezirksamts, Imtsgerichts, Forst⸗ und Hauptsalzamts und gehört zum and ericht Traunstein. Unter den Kirchen zeichnet sich nur die Stiftskirche mit ihrem schönen, in der ursprünglichen Anlage des 12. 7 erhaltenen Kreuzgange, ihren geschnitzten Chorstü len und andern Altertümern aus. Das ehemalige Stiftsgebäude, welches stattlich den langen Felsabhang krönt, ist jetzt ein 1— Schloß. An der Südseite des Ortes hat 1852 König Max II. eine Villa bauen lassen. Außerdem bedeckt ein breiter Villensaum die Gehänge rings um den Ort. B. ist berühmt durch seine herrliche Lage, die Eigentümlichkeit seiner Bewohner sowie durch die hier wie in der Umgegend, insbesondere seit Errichtung der Industrieschule (1858) in hoher Vollendung gefertigten Holzschnitzwaren. Gegenwärtig widmen sich in B. und moderge (besonders in Schönau) über 400 Familien oder gegen 2000 Personen diesem Industriezweige und verdienen damit gegen 200000 Mark. Die dem Veopst O und der Salzhandel wird schon seit dem Propst Dietrich 1174 betrieben. Im J. 1873 beschäftigte der Salzbergbau 132 Arbeiter und lieferte 41070 Ctr. Steinsalz im Werte von 12321 Fl. Die Saline lieferte in demselben Jahre 113 727 Ctr. Kochsalz im Werte von 90 982 Fl. und beschäftigte 61 Arbeiter. Die aus den Siedewerken im Überschuß erzeugte Sole wird durch gewaltige, 120 km lange Leitungen über das Gebirge hinweg nach Reichenhall (s. d.), resp., mit der dortigen überschüssigen Quellsole vereinigt, nach Traunstein und Rosenheim geleitet, um in diesen holzreichen Gegenden versotten zu werden. Vgl. Koch-Sternfeld, 4Geschichte des Fürstentums B.» (3 Bde., Münch. 1816); derselbe, Die Gründung und die wichtigsten geschichtlichen Momente der Reichsstadt B.» (Münch. 1861); Bühler, „B. und seine Umgebungs (Reichenhall 1870; 4. Aufl. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 788Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6